„Aus keiner Stadt so viele Anfragen“: LAP Coffee eröffnet neue Filiale nicht weit vom Rudolfplatz. Doch nicht alle freuen sich. Kölner Kaffee-Röster äußern sich.
Kaffee-Krieg geht weiterNächste Filiale öffnet in Köln – mit Kampfansage

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Auf der Hahnenstraße wird in Kürze die fünfte LAP-Filiale eröffnen.

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Ein Cappuccino für 2,50 Euro – damit polarisiert die Berliner Kaffee-Kette LAP Coffee den Markt.
Jetzt drückt das Unternehmen in Köln weiter aufs Tempo: In der Hahnenstraße, nur einen Steinwurf vom Rudolfplatz entfernt, steht der nächste Store kurz vor der Eröffnung. Direkt nebenan: ein Brauhaus. Wann genau eröffnet werden soll, ist noch nicht bekannt.
LAP Coffee eröffnet bereits fünfte Filiale in Köln
Die blaue Fassade ist schon von Weitem zu sehen, das LAP-Logo hängt bereits, hinter den blauen Scheiben klebt ein Zettel: „Scan for free coffee“. Drinnen dominiert Edelstahl, an der Decke Kugellampen und ein tiefblauer Anstrich – ein Store, der bewusst für den schnellen Kaffee auf dem Weg gemacht ist, nicht fürs stundenlange Verweilen.
Es ist bereits die fünfte Kölner Filiale, die die Kette in kurzer Zeit hochzieht. Möglich macht das ein Baukasten-Prinzip: Die Läden sind klein, die Abläufe standardisiert, die Kosten dadurch niedrig. „Diese Filialen sind schnell fertig, weil relativ alles dabei ist“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens im Gespräch mit EXPRESS.de. Genau das erlaube das rasante Wachstum.
Die Kampfansage: Der Cappuccino soll dauerhaft 2,50 Euro kosten. Weitere Filial-Öffnungen seien in den nächsten Wochen nicht geplant. „LAP will wachsen, die Kölner begeistern und nicht Köln überrennen“, so der Sprecher.
Warum ausgerechnet Köln? Für Gründer und CEO Ralph Hage ist die Sache klar. „Wir hatten aus keiner Stadt so viele Anfragen wie aus Köln“, sagte Hage bereits im Mai 2026 – kurz vor der Eröffnung der ersten Filiale in der Limburger Straße.

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Blick in die neue LAP-Filiale am Rudolfplatz.
Köln habe „eine sehr dichte, lebendige Straßen- und Veedelkultur“, die Menschen seien viel unterwegs. „Wir gehen dorthin, wo die Nachfrage am stärksten ist – und das war ganz klar Köln.“
LAP verzichtet nach eigenen Angaben bewusst auf vieles, was ein klassisches Café teuer macht. „Unsere Stores sind kleiner, die Abläufe sind einfacher“, so Hage. „Dadurch können wir Kosten senken und diese Ersparnis an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben.“
Als Ersatz fürs klassische Café sieht er sein Konzept aber nicht: „Wer sich zwei Stunden mit einem Buch hinsetzen möchte, sucht etwas anderes. LAP ist eher für den schnellen, hochwertigen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni, zur Bahn oder durch die Stadt gedacht.“

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LAP-Inhaber und Grüner Ralph Hage
LAP ist nicht die einzige Kette, die gerade versucht, Kölns Kaffee-Markt aufzumischen. Auch Cotti Coffee drängt in die Stadt – die chinesische Kette betreibt aktuell drei Filialen in Köln. Das Modell klingt vertraut: kleine Läden, Kaffee zum Mitnehmen, Bestellung und Bezahlung über eine App, aggressive Preise.
Cotti wurde erst 2022 in China gegründet und expandiert seither rasant durch Europa – neben Köln etwa in Düsseldorf und Berlin.
Für Kölner Kaffeetrinker heißt das: Der Preiskampf um die günstigste Tasse der Stadt nimmt Fahrt auf.
Kölner Kaffee-Chef holt zum Gegenschlag aus
Nicht alle sehen den Vormarsch der Billig-Ketten gelassen. Dirk Barthelmeß, Geschäftsführer der Kölner Rösterei moxxa.caffè, hält scharf dagegen. Für ihn ist Kaffee mehr als ein Getränk to go.
„Kaffee ist Kulturgut, nicht Fast-Coffee“, stellt er gegenüber EXPRESS.de klar. Kaffee begleite die Menschheit „seit vielen Jahrhunderten als Getränk des Miteinanders, des persönlichen Gespräches und Austausches.“
Die neuen Ketten sieht Barthelmeß als Gegenentwurf zu allem, wofür er steht. Sein Urteil ist bissig: „Hier gibt es keine Nachhaltigkeit, keinen persönlichen Austausch und über den Pappbecher hinaus keine Beziehung zum Produkt selbst. Ungefähr so nah am Herzen wie ein Patty von McSoundso, und aus unserer Sicht, genauso nachhaltig.“
Und der niedrige Preis? Den hält der Röster für eine Rechnung, die andere bezahlen. Wie die Ketten den Kaffee so billig anbieten könnten, könne man nicht sagen, so Barthelmeß – „allerdings dürfte klar sein, dass dafür immer jemand gefunden werden muss, der am Ende den Preis zahlt!“ Für ihn steht fest: „Qualität über die gesamte Wertschöpfungskette des Kaffees“ habe einfach ihren Preis.
Hinter Cotti vermute man „einen großen Konzern“
Ähnlich kritisch äußert sich Moritz Eylandt von der Kölner Kaffee-Rösterei Heilandt. Für ihn sind LAP und Cotti zwar beides Modelle, die „auf stark standardisierten Prozessen, hoher Effizienz und Skalierbarkeit beruhen“ – aber nicht identisch. „Beide Konzepte sind durchaus unterschiedlich“, sagt Eylandt. Hinter Cotti vermute man „einen großen Konzern“ – LAP sei „eher ein investorengetriebenes Startup“.
Was beide Ketten vereine: „Alles sehr funktional umgesetzt, nicht zum Verweilen gedacht und zur Profilierung sind manche Getränke preisaggressiv kalkuliert.“ Trotzdem habe der Ansatz aus seiner Sicht eine klare Zielgruppe: „Das hat durchaus seine Berechtigung, denn der Ansatz erfüllt den Bedarf für markenaffine Gäste mit wenig Zeit oder/und weniger Kaufkraft, für die die Funktionalität des Produktes wesentlich ist.“

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Moritz Eylandt, Chef der Kaffee-Rösterei Heilandt (Archivfoto)
Heilandt selbst sehe sich dagegen als „hoch spezialisiertes Café“. Wer dorthin komme, suche „im besten Fall ein besseres Produkt und mehr Auswahl beim Kaffee, als bei LAP oder Cotti.“ Gleichzeitig verstehe man sich als „Wohlfühlort“ – „Raum für Entspannung, Begegnung, Austausch, Ablenkung und Genuss.“
Vor allem warnt Eylandt davor, die Debatte nur auf den Endpreis in der Tasse zu reduzieren. „Dieser Wert beginnt am Anfang der Wertschöpfungskette – bei den Produzentinnen.“ Heilandt investiere „vollkommen transparent durch höhere Einkaufspreise in eine gerechtere Kaffee-Kultur“. Wenn allein der Getränkepreis als Maßstab gelte, werde „dem Wert von Kaffee zu wenig Beachtung geschenkt“ – und am Ende zahle den Preis „der, dem wir den Kaffee überhaupt erst zu verdanken haben“.
Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA warnt derweil, dass die anfänglichen Kampfpreise zunächst Konkurrenten aus dem Markt drängen könnten und die Café-Kultur angreifen, ehe die Preise dann spürbar ansteigen.
Angst vor Verdrängung – der Gründer widerspricht
LAP-Gründer Hage kennt solche Kritik – und widerspricht. „Wir glauben nicht, dass eine lebendige Kaffee-Kultur dadurch entsteht, dass guter Kaffee teuer bleiben muss.“ Im Gegenteil: „Wenn mehr Menschen Zugang zu hochwertigem Kaffee bekommen, wächst langfristig auch das Interesse an Kaffee insgesamt.“ Unabhängige Cafés erfüllten weiterhin eine wichtige Rolle.
Aus dem Unternehmen heißt es zudem, die oft gehörte Behauptung, mit LAP schlössen reihenweise Cafés, halte einer Prüfung nicht stand. Man habe die Umgebung eines Berliner Standorts beobachtet und im Umkreis von rund 500 Metern zwölf neu eröffnete Kaffee-Läden gezählt – kein einziger habe zugemacht.
