Der Kölner Friesenplatz wird immer mehr zum Drogen-Hotspot. Jetzt spricht ein Abhängiger.
Drogenhölle FriesenplatzAbhängiger über täglichen Kampf: „Irgendwo müssen wir hin“

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Markus (42) aus Nürnberg lebt jetzt in Köln. Er ist seit rund 20 Jahren drogenabhängig.
Die offene Drogenszene am Friesenplatz wird immer mehr zum Problem. Anwohnende und Geschäftsinhaber beklagen sich zunehmend über die katastrophalen Zustände.
Auch für Café-Besitzer Rafet Aydogdu und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wird die Situation immer unzumutbarer. „Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt der Betreiber des Kaffeesaurus.
Freund lockte Markus nach Köln: „Heroin ist hier günstiger“
Doch wie sehen die Drogenabhängigen die Situation? Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ sprach mit einem von ihnen: Markus (42).
Er läuft an diesem Vormittag über den Platz, schaut in die Blumenkübel und unter die Bänke vor Aydogdus Café. Der 42-Jährige sucht „nach Kleingeld“. Markus lebt nach eigener Aussage seit etwa 20 Jahren auf der Straße und ist genauso lange von Heroin abhängig.
Seit ein paar Jahren nimmt er auch Crack. Ein Freund aus Nürnberg lockte ihn vor Jahren nach Köln. „Der sagte mir, dass das Heroin hier günstiger ist.“
Wie viele Entzugsversuche Markus schon hinter sich hat, weiß er selbst nicht mehr. Einmal war er ein halbes Jahr lang clean, ein anderes Mal im Gefängnis. Aber es hat nie auf Dauer funktioniert. „Ich werde es wohl nie ganz schaffen, ohne Drogen mein Leben zu leben“, sagt er. „Selbst wenn ich es schaffe, clean zu bleiben, wird die Sucht mich ein Leben lang begleiten.“
Gefühl, „den ganzen Tag durch die Stadt gejagt“ zu werden
Dass sich die Szene jetzt so stark am Friesenplatz trifft, liegt für Markus an der Verdrängung. „Am Neumarkt führt die Polizei gerade viele Kontrollen durch. Dann suchen sich die Leute natürlich einen neuen Platz“, erklärt er. Aber auch vom Friesenplatz würden sie immer wieder verscheucht. Man habe im Moment das Gefühl, „den ganzen Tag durch die Stadt gejagt“ zu werden und nirgends bleiben zu dürfen. Er versteht die Sorgen der Geschäftsleute und die Angst der Anwohner. „Aber irgendwo müssen wir hin.“
Es ist nicht das erste Mal, dass der Friesenplatz als Drogen-Hotspot auffällt. Anwohner und Geschäftsleute haben in den vergangenen Jahren immer wieder über eine Ausbreitung der Szene geklagt. Vergangenes Jahr warnte die Schulleiterin des Königin-Luise-Gymnasiums, dass Schüler auf dem Weg zur Schule am Friesenplatz von Süchtigen teils aggressiv angebettelt würden. Es soll sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen sein.
Die Szene hat sich aber nicht nur zum Friesenplatz verlagert. Auch am Appellhofplatz, an der Venloer Straße in Ehrenfeld oder bei der KVB-Haltestelle Poststraße tauchten die Gruppen in den vergangenen Jahren immer wieder auf – meistens dann, wenn der Kontrolldruck an anderen Orten stieg.
Langfristig will die Stadt das Problem mit mehreren Suchthilfezentren in den Griff kriegen. Sie sollen als Anlaufstellen für die Szene dienen und die öffentlichen Plätze entlasten. Das Vorbild dafür ist die Stadt Zürich. Doch der Bau des ersten geplanten Zentrums zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße in der Innenstadt verzögert sich. Mit einer Eröffnung vor August 2027 wird nicht mehr gerechnet. Eine schnelle Übergangslösung plant die Stadt nach eigenen Angaben nicht. Auch der Drogenkonsumraum in Kalk lässt seit Jahren auf sich warten. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
