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„Die Hölle vor der Tür“Kölner Wirt kämpft gegen Drogen-Elend am Friesenplatz

Rafet Aydogdu, Betreiber des Kaffeesaurus,spricht über die immer schlimmer werdenden Zustände am Friesenplatz.

Copyright: Arton Krasniqi

Rafet Aydogdu, Betreiber des Kaffeesaurus,spricht über die immer schlimmer werdenden Zustände am Friesenplatz.  

Aktualisiert:

Drogen-Elend am Friesenplatz: Ein Wirt kämpft um seine Existenz.

Rafet Aydogdu ist verzweifelt. Die Drogenszene vor seinem Café am Friesenplatz wird immer schlimmer. Er bangt um sein Geschäft und die Sicherheit seiner Leute.

Ein trauriges wie bezeichnendes Bild für die Lage vor seinem Laden spiegelt sich in Rafet Aydogdus Blumenkübeln. Erst vergangene Woche hat sein Team vom Kaffeesaurus alles neu bepflanzt, erzählt er Ende April. Aber nicht, weil die Pflanzen kaputt waren. „Die Dealer haben dort Drogen versteckt und regelmäßig ausgegraben“, so Aydogdu. Manchmal habe er auch Spritzen darin gefunden. „Und das ist bei Weitem nicht alles“, sagt er.

Angestellte fürchten sich vor der Arbeit

Seit 2017 hat er sein Café am Friesenplatz. Der Ort war schon immer ein Treffpunkt für Süchtige. „Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie“, stellt er klar.

Der Gastronom sagt, die Lage sei für ihn und seine Angestellten kaum noch tragbar. In einer verzweifelten Mail an Stadt und Polizei schildert er die eskalierende Situation: „Es findet offener, hemmungsloser Drogenkonsum starker Substanzen direkt am Platz und in unmittelbarer Nähe unseres Cafés statt. Dealer und Konsumenten agieren völlig ohne Scheu und Respekt vor der Öffentlichkeit“, schreibt Aydogdu. „Unsere Gäste, darunter viele Familien und Touristen, werden nicht nur verängstigt, sondern regelrecht eingeschüchtert.“ Der Einbruch beim Umsatz sei „spürbar und existenzbedrohend“.

Besonders hart treffen die Folgen sein Team. Mitarbeiter werden angebrüllt und belästigt, erzählt Aydogdu. „Vor ein paar Tagen hat jemand eine Flasche nach jemandem aus meinem Team geworfen.“ Einige seiner Leute hätten inzwischen Angst, mit der Bahn zu fahren und am Friesenplatz auszusteigen.

Die Spuren des Konsums sind jeden Tag da. Aydogdu spricht von benutzten Spritzen, Blut, Urin und Kot auf der Terrasse. Der Schock: „Als wir morgens hier ankamen, war auf der Terrasse eine Blutlache mit Spritzen auf dem Boden“, sagt er.

Stadt Köln will mehr Kräfte zum Friesenplatz schicken

Die Polizei bestätigt auf Anfrage eine Zuspitzung der Situation. „Der Friesenplatz wird als Teil des Brennpunktbereichs Ringe sehr regelmäßig durch Präsenzkräfte bestreift“, erklärt ein Polizeisprecher. Die Beamten stellen dort seit etwa vier Wochen „einen Anstieg von schwerstabhängigen Drogenkonsumenten“ fest. Parallel dazu registriert die Polizei immer mehr Beschwerden von Anwohnenden, Wirten und Ladenbesitzern im Friesenviertel.

Man beobachte und bewerte die Lage ständig und passe die Maßnahmen an, so der Sprecher weiter. Zusammen mit Partnern wie dem Ordnungsdienst führe man gezielte Schwerpunkteinsätze durch – „natürlich auch am Friesenplatz“.

Auch die Stadtverwaltung hat laut eigenen Angaben seit einigen Wochen eine größere Szene von Suchtkranken am Friesenplatz bemerkt. Das Aufsuchende Suchtclearing (ASC) sei dort unterwegs, um mit den Drogenkonsumenten zu sprechen und ihnen Hilfen zu vermitteln, so eine Sprecherin. Der Ordnungsdienst sei ebenfalls mehrmals täglich vor Ort. Wegen der aktuellen „massiven Beschwerdelage“ werde die Präsenz des Ordnungsamtes am Friesenplatz und drumherum jetzt aber deutlich hochgefahren.

Der Friesenplatz ist zum neuen Treffpunkt der Drogenszene geworden.

Copyright: Alexander Schwaiger

Der Friesenplatz ist zum neuen Treffpunkt der Drogenszene geworden.

Die Anwesenheit von Ordnungsamt und Polizei ist an diesem Vormittag Ende April deutlich zu sehen. Immer wieder patrouillieren Kräfte von Polizei, Ordnungsamt und KVB rund um den Friesenplatz und die U-Bahn-Haltestelle.

Direkt vor Aydogdus Café ist es erst mal ruhig. „Vor zwanzig Minuten habe ich noch die Polizei gerufen, als es richtig schlimm war“, sagt Aydogdu und blickt auf den Platz. „Spätestens in einer halben Stunde sind die alle wieder da.“ Er sollte recht behalten. Kurze Zeit später füllt sich der Platz wieder mit Leuten, die klar der offenen Drogenszene angehören.

Aydogdu findet die Idee eines neuen Drogenkonsumzentrums grundsätzlich gut. „Vielleicht bringt das was“, sagt er. Aber bis dahin müsse eine Lösung für den Friesenplatz her. „So wie es jetzt ist, geht es für alle nicht weiter.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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