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Kölner Gastro-StreitWirt kämpft um Existenz – und bekommt nur zwei Tische

26.02.2026 Gastrokritik von Carsten Henn („Henns Geschmackssache“) über „Karls Weinbar“ in der Venloer Str. 583 in Ehrenfeld. Betreiber Alexander Marx. Foto: Martina Goyert

Copyright: Martina Goyert

Alexander Marx ist Inhaber des Lokals „Marx & Schneider“ auf der Mittelstraße (Archivfoto)

Aktualisiert:

Er bietet Brunch und Fine Dining auf der Mittelstraße an – und möchte auch Tische vor die Tür stellen. Doch die Stadt Köln macht dem Gastronomen Alexander Marx das Leben schwer.

Als Alexander Marx (36) sein neues Restaurant „Marx & Schneider“ auf der Mittelstraße eröffnete, hatte er große Pläne – neben Brunch und Fine Dining wollte er auch vor der Tür Plätze anbieten: fünf Tische, 20 Stühle draußen – das war der Traum. Die Realität sieht, mal wieder, ganz anders aus.

Bereits im vergangenen Sommer berichtete EXPRESS.de darüber, wie Marx wochenlang auf seine Baugenehmigung für den Umbau des Lokals warten musste. Jetzt das nächste Bürokratie-Drama.

Restaurant auf der Mittelstraße – Probleme mit der Außengastro

Im Februar stellte Marx den Antrag auf Außengastronomie vor seinem Restaurant. Seitdem ist einiges passiert – nur leider nicht das Richtige.

„29 E-Mails wurden hin- und hergeschickt. Vier verschiedene Sachbearbeiterinnen haben sich seitdem mit dem Fall beschäftigt“, erklärt Marx im Gespräch mit EXPRESS.de. Und das Ergebnis?

Die Stadt will offenbar nur zwei Tische genehmigen – statt der beantragten fünf Tische und 20 Plätze. Also statt zwei Parkplätzen soll nur einer wegfallen.

Für Marx ist das ein schlechter Witz. „Mit so wenigen Außenplätzen kann ich das wirtschaftlich kaum stemmen“, sagt er. „Wer will im Sommer schon drinnen sitzen?“

Das „Marx & Schneider“ auf der Mittelstraße

Copyright: privat

Das „Marx & Schneider“ auf der Mittelstraße

Die Stadt Köln hat gegenüber EXPRESS.de Stellung bezogen. Und die Antwort klingt, nun ja, sehr nach Amt:

Erst am 21. April 2026 sei überhaupt ein korrekter Plan seitens des Betreibers eingereicht worden. Da sich die beantragte Fläche über die eigene Ladenfront hinaus erstrecke, müsse der Plan entweder noch angepasst oder teilweise abgelehnt werden.

Und warum so wenige Plätze? Das neue Gestaltungshandbuch der Stadt Köln macht’s möglich: Außengastronomie darf demnach bei neuen Betrieben nur noch direkt vor der eigenen Ladenfront genehmigt werden – nicht mehr daneben oder darüber hinaus.

Was Marx besonders wurmt: Eine benachbarte Gastro – ebenfalls auf der Mittelstraße – darf deutlich mehr Außenplätze betreiben. Ungerecht? Nicht laut Stadt.

Darum darf die Konkurrenz mehr Außengastro aufstellen

Dieses Restaurant gilt demnach als Bestandsgastronomie. Und die profitiert noch von einer Übergangsfrist – ein Überbleibsel aus der Corona-Zeit, als Außenflächen auch neben der eigenen Ladenfront genehmigt wurden. Diese Regelung gilt für alte Betriebe noch bis Ende des Jahres. Erst kommendes Jahr soll auch für sie das neue, strengere Handbuch gelten.

Für Neueinsteiger wie „Marx & Schneider“ hingegen gilt das neue Regelwerk sofort – ohne Schonfrist, ohne Kulanz.

Und solange keine finale Genehmigung vorliegt, stehen vor dem „Marx & Schneider“ gar keine Tische – egal wie viele am Ende erlaubt werden.

Alexander Marx hofft auf eine schnelle und faire Lösung. Und vielleicht auf etwas mehr Verständnis dafür, dass hinter jedem Antrag ein Mensch steckt – und ein Geschäft, das davon abhängt.

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