Hier wird’s heiß, weil in der Kölner Südstadt kein klassisches Kunstmuseum eröffnet hat – sondern ein Ort, an dem es um Herzschmerz, Hoffnung und persönliche Geschichten geht. Das „Museum des Schmerzes und der Liebe“ setzt auf Interaktion statt Distanz.
Zwischen Schmerz und LiebeEin Museum, das Gefühle ausstellt

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Tole entwickelte das Museum des Schmerzes und der Liebe aus gesammelten Geschichten und pädagogischer Erfahrung – mit interaktiven Stationen, die Besucher zum Austausch anregen.

<b>„Das Konzept stammt tatsächlich von mir selbst“</b>
Die Idee entstand nicht am Reißbrett, sondern unterwegs. „Angefangen hat alles vor etwa elf Jahren auf meiner ersten Backpacker-Reise. Damals begann ich, besondere Erlebnisse aufzuschreiben, meine eigenen, aber auch die Geschichten von Menschen, die ich unterwegs kennengelernt habe.“ Geschichten waren für Tole früh mehr als Erinnerungen. „Schon zu dieser Zeit wusste ich, dass ich Lehrer werden möchte. Geschichten waren für mich immer ein Weg, Werte zu vermitteln und Menschen zum Nachdenken zu bringen.“ Was zunächst ein persönliches Sammeln war, entwickelte sich über Jahre weiter. Er notierte auch später besondere Erlebnisse aus Zeitungen, Büchern oder sozialen Medien.
Der Wendepunkt im Museum
Der konkrete Impuls kam bei einem Besuch mit einer Schulklasse. „Irgendwann war ich mit einer Klasse in einem Museum und stellte fest, wie wenig interaktiv vieles ist. Man durfte nichts anfassen und vieles wirkte sehr distanziert. In diesem Moment entstand zum ersten Mal der Gedanke an eine eigene Ausstellung.“ Für ihn stand schnell fest, dass es anders sein musste. „Mir war aber klar, dass es mehr sein muss als nur Gegenstände mit Texten.“
Interaktiv statt belehrend
Seine Erfahrungen prägten das Konzept. „Durch meine Erfahrungen in der Erlebnispädagogik habe ich überlegt, wie man Geschichten und Werte spielerisch vermitteln kann und gleichzeitig Austausch ermöglicht. So entstanden die interaktiven Stationen, Spiele und Reflexionsfragen.“
Heute umfasst das Museum nach eigenen Angaben über 120 bis 150 Stationen mit Alltagsgegenständen, Fragen und Mitmach-Elementen. Der Name ergab sich aus der thematischen Klammer. „Das ergab sich, weil sich viele Geschichten irgendwo zwischen diesen beiden Polen bewegen. Dass man ihn auch anders interpretieren kann, habe ich übrigens erst nach der Eröffnung bemerkt.“
Ein Projekt mit familiärer Unterstützung
Vor der Eröffnung war viel Eigenarbeit nötig. „Ich hatte große Unterstützung von Familie und Freunden, vor allem beim Renovieren, Streichen und beim gesamten handwerklichen Aufbau.“ Besonders sein Vater begleitete ihn intensiv. „Ganz besonders mein Vater stand mir in dieser Zeit zur Seite und hat mit mir unzählige Stunden investiert. Ohne sein handwerkliches Geschick, seine Ruhe und seine Unterstützung hätte ich mich diesen Schritt wahrscheinlich gar nicht getraut.“ Mit der Eröffnung kam ein Team hinzu. „Ich bin zwar der Inhaber und Ideengeber, aber ohne sie wäre der laufende Betrieb, gerade weil ich parallel als Lehrkraft arbeite, nicht möglich.“
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Besucher werden Teil der Ausstellung
Ein besonderes Element ist die Möglichkeit, eigene Geschichten einzureichen. „Man kann uns auch eigene Geschichten zusenden. Ich prüfe dann, ob sie ins Konzept passen oder ob es thematische Überschneidungen gibt. Mit etwas Glück findet man seine eigene Geschichte später im Museum wieder.“ Das Feedback beschreibt Tole als überwiegend positiv. „Besonders schön ist es, wenn Menschen nach dem Besuch ins Gespräch kommen oder sich bedanken.“
Er betont zugleich die transparente Kommunikation. „Wir kommunizieren offen, was einen erwartet, und bieten sogar an, das Ticket zu erstatten, wenn man nach 15 Minuten merkt, dass es nichts für einen ist.“ Wer ein klassisches Kunstmuseum suche, werde sich dort eher schwerer tun.
Therapeutische Einschätzung
Als Paar- und Sexualtherapeutin sehe ich hier etwas sehr Wertvolles: Räume, in denen Gefühle nicht bewertet, sondern zugelassen werden. Liebe und Schmerz gehören zu den universellsten Erfahrungen überhaupt und trotzdem sprechen viele Menschen erst dann darüber, wenn sie dazu eingeladen werden. Interaktive Stationen, Reflexionsfragen und persönliche Geschichten können genau diesen Einstieg ermöglichen. Solche Orte ersetzen keine Therapie. Aber sie können ein Anfang sein: Ein Gespräch. Eine Erkenntnis. Ein Moment, in dem man merkt: Ich bin mit meinem Thema nicht allein.
Und wer spürt, dass eigene Beziehungserfahrungen tiefer sitzen oder weiterführende Gespräche braucht, findet professionelle Begleitung auf www.kommwirreden.de – für echte Gespräche jenseits von Ausstellungstafeln.


