Hier wird’s heiß: On-Off, Herzklopfen, Unsicherheit und trotzdem kommen wir nicht los. Autorin Linda-Marlen Leinweber erklärt im Interview, warum wir Intensität mit Liebe verwechseln, was unser Bindungsstil damit zu tun hat, und wann Beziehungen uns krank machen können.
Warum wir immer die Falschen liebenPsychologin erklärt, wieso Drama süchtig macht

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Linda-Marlen Leinweber spricht Klartext über Liebe, Bindung und warum uns Drama oft stärker fesselt als echte Nähe. Ihr neues Buch ist im Kailash Verlag erschienen.

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Liebe ist für viele ein Gefühl; für Linda-Marlen Leinweber ist sie vor allem auch ein System, das man verstehen kann. In ihrem Buch will sie Beziehungen ganzheitlich beleuchten. „Für mich war es wichtig zu verstehen, warum ticke ich in Beziehungen so, wie ich ticke und was bedeutet das für Kommunikation, Konflikte und die täglichen Herausforderungen, die wir alle kennen?“, sagt sie.
Auslöser dafür waren nicht nur ihre beruflichen Erfahrungen, sondern auch ihr eigenes Leben. „Mein Datingleben in den Zwanzigern war ziemlich wild und oft anstrengend. Ich hätte mir gewünscht, besser zu verstehen, wie ich Beziehung aktiv beeinflussen kann – obwohl ich schon Psychologie studiert hatte.“
Warum wir Drama für Liebe halten
Ein zentrales Thema: Warum verlieben wir uns immer wieder in die „Falschen“? „Ganz kurz auf den Punkt gebracht: Wir verwechseln oft Intensität mit Liebe“, sagt Leinweber. Hintergrund ist ein psychologisches Prinzip: sogenannte intermittierende Verstärkung. Bedeutet: Ein Mensch ist mal da, mal nicht – Nähe und Distanz wechseln sich unvorhersehbar ab.
„Die Folge ist, dass wir ein suchtähnliches Gefühl aufbauen. Das hat gar nichts mit Liebe zu tun, aber es ist extrem intensiv.“ Diese emotionale Achterbahn sorgt dafür, dass wir immer wieder zurückkehren. Und wenn dann jemand plötzlich verlässlich ist? „Dann sind wir oft irritiert, wenn wir jemanden treffen, der uns Sicherheit gibt.“
Warum uns Drama so vertraut vorkommt
Warum sich dieses Muster so hartnäckig hält, liegt laut Leinweber oft in der Kindheit. „Der Bindungsstil entsteht in den ersten fünf Jahren. Da spielen Mama, Papa, Geschwister oder andere Bezugspersonen eine große Rolle.“ Viele Menschen hätten dabei Erfahrungen gemacht, die Liebe mit Bedingungen verknüpfen. „Zum Beispiel: Ich liebe dich, wenn du dich anpasst. Oder: Nähe kann wehtun.“ Diese Erfahrungen werden abgespeichert und prägen spätere Beziehungen.

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Warum fühlt sich Drama oft wie Liebe an? Autorin Linda-Marlen Leinweber liefert Antworten. Das Buch "Frei und trotzdem verbunden" gibt es überall im Handel.
Green Flags: Woran erkenne ich, dass mir jemand guttut?
Ein gesundes Zeichen ist laut Leinweber, wenn Bedürfnisse und Grenzen geäußert werden dürfen, ohne dass sie als Ablehnung gewertet werden. „Du kannst sagen: Ich mag das gerade nicht oder ich wünsche mir etwas anderes und das wird respektiert.“ Auch der eigene Zustand ist ein wichtiger Hinweis: Kannst du schlafen, essen, arbeiten, Freunde sehen? Oder dreht sich alles nur noch um diese eine Person? „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und das Gefühl, ich kann ich sein – das sind klare Green Flags.“
„Es ist kompliziert“ – ehrlich, aber auch eine Ausrede
Der Beziehungsstatus „kompliziert“ ist laut Leinweber mehrdeutig. „Es ist ehrlich, es ist anstrengend – und es ist auch ein bisschen eine Ausrede.“ Oft stecken dahinter Menschen mit Bindungsangst, die Nähe wollen, aber gleichzeitig Angst davor haben. „Man kann daran arbeiten und alte Muster verändern. Aber dafür braucht es den Willen.“
Wann Beziehungen krank machen
Problematisch wird es, wenn Beziehungen dauerhaft Energie ziehen. „Wenn es dir schwerfällt, dein Leben zu genießen, du nicht mehr schlafen kannst oder ständig gestresst bist, sollte man hinschauen.“ Auch psychische Gewalt sei ein großes Thema. Dazu zählen laut Leinweber unter anderem Kontrolle, Manipulation, Einschränkung oder soziale Isolation. „Es sind oft vermeintliche Kleinigkeiten, die als Fürsorge getarnt sind, aber es nicht sind.“
Langzeitbeziehung: Weniger Rausch, mehr Realität
Die erste Verliebtheitsphase beschreibt Leinweber als „Drogenrausch“. „Sie hilft, eine Bindung aufzubauen, macht uns aber auch blind.“ Dass dieser Zustand endet, sei wichtig. Danach entstehen andere Qualitäten wie Vertrauen und Sicherheit. „Natürlich wird der Sex weniger und Konflikte nehmen zu! Das ist normal.“ Entscheidend sei eine Haltung von Neugier und echtem Interesse am Partner.
Sex: Reden statt schweigen
Gerade beim Thema Sexualität sei Kommunikation entscheidend. „Man sollte regelmäßig darüber sprechen: Was wünsche ich mir? Worauf habe ich Lust und worauf nicht?“ Denn Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens immer wieder.
Streit: Das eigentliche Problem kommt danach
Streiten gehört für Leinweber dazu. „Es ist eher komisch, wenn man nie streitet.“ Der häufigste Fehler sei nicht der Streit selbst, sondern das, was danach passiert. „Wir reparieren nicht richtig.“ Wichtig sei, weg von Vorwürfen zu kommen und über die dahinterliegenden Bedürfnisse zu sprechen.
Seitensprung: Ende oder zweite Chance?
Ein Seitensprung kann laut Leinweber beides sein: das Ende oder ein Neuanfang. Entscheidend ist, wie beide damit umgehen. „Es ist ein anstrengender Prozess, der radikal ehrlich sein muss.“
Dabei gehe es zunächst darum, Gefühle zuzulassen, dann die Ursachen zu verstehen und schließlich zu entscheiden, ob man gemeinsam weitermachen will.
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FAQ: Liebe, Drama, Seitensprung – das musst du jetzt wissen
Warum stehe ich immer auf die Falschen?Weil sich Drama oft wie Liebe anfühlt. Laut Linda-Marlen Leinweber verwechseln viele genau das und geraten immer wieder in dieselben Muster.
Warum machen mich On-Off-Beziehungen so abhängig?Weil das ständige Wechselspiel aus Nähe und Distanz ein suchtähnliches Gefühl auslösen kann. Dein Kopf sagt „lass es“, dein Gefühl sagt „noch einmal“.
Woran merke ich, dass mir jemand wirklich guttut?Wenn du du selbst bleiben kannst. Wenn du ruhig schläfst, dein Leben weiterläuft und du nicht ständig auf eine Nachricht wartest.
Ist „Es ist kompliziert“ einfach nur eine Ausrede?Oft ja. Es kann ehrlich sein, aber es ist auch bequem, nichts zu verändern.
Ab wann wird Liebe toxisch?Wenn sie dich auslaugt. Wenn du schlecht schläfst, dich klein fühlst oder dein Leben sich nur noch um eine Person dreht.
Warum wird Sex in langen Beziehungen weniger?Weil sich Beziehungen verändern. Entscheidend ist nicht wie oft, sondern ob ihr darüber sprecht.
Ist es schlimm, wenn wir viel streiten?Nicht unbedingt. Problematisch wird es erst, wenn ihr euch danach nicht wieder annähert.
Seitensprung: Sofort Schluss oder zweite Chance?Beides ist möglich. Aber nur, wenn beide bereit sind, ehrlich hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen.

