Musik pur statt Lärm: Neuer Bar-Trend erobert Köln
Der Alltag ballertNeuer Kneipen-Trend in Köln, bei dem nur die Musik zählt

Copyright: Friso Gentsch/dpa
Das OWLs gehört zu den ersten Listening Bars in Deutschland. (Archivbild)
Eine Idee aus Japan wird zum Riesen-Hit in Deutschland! In immer mehr Städten machen sogenannte Listening-Bars auf. Dort geht es nur um eines: Musik pur genießen. Vom Plattenteller, mit bestem Sound und in total relaxter Stimmung. Perfekt zum Abschalten, leise quatschen oder einfach nur zuhören.
„Leider ist Musik heutzutage sehr oft Nebensache, nur Beiwerk. Wir hören Musik beim Kochen, beim Sport, bei der Arbeit, aber sie wird selten wirklich gehört“, erklärt Laurin Schafhausen. Er ist Mit-Inhaber der Listening-Bar OWLs in Bielefeld. Der Laden war einer der allerersten in Deutschland, als er im Sommer 2021 aufmachte – und ist quasi durchgehend voll. „Unsere Gäste sind bunt durchmischt, es kommen Leute von 18 bis 80 Jahren.“

Copyright: Friso Gentsch/dpa
Im Listening Room herrscht gemütliche Wohnzimmer-Stimmung. (Archivbild)
So sieht's im Musik-Himmel aus
Eine spezielle Klangschleuse führt in den behaglichen Hörraum. So bleibt der Lärm aus dem Restaurant draußen und stört die Akustik nicht. Drinnen kann man es sich auf Sofas gemütlich machen, es gibt etwa 25 Plätze und warmes Licht. Im Zentrum des Raumes: eine fette Anlage mit Plattenspieler und Tonbandgerät. Laut Schafhausen läuft dort Jazz, Funk, Soul, aber auch mal Rock oder Reggae.
„Viele sagen, dass es für sie pure Wellness ist oder, dass sie erstaunt sind, wie sehr sie die Musik entspannt, auch Emotionen auslöst“, berichtet der Inhaber. „Manche Gäste kommen auch mit dem Verlangen, sich in lockerem Ambiente über Musik auszutauschen.“ Es wird darum gebeten, nur im Flüsterton zu reden. Bei speziellen Listening-Events ist Sprechen sogar komplett verboten.

Copyright: Friso Gentsch/dpa
Um Geräusche von außen abzufangen, gelangen Gäste durch eine Klangschleuse in den Raum. (Archivbild)
Experte: „Wir haben das bewusste Hören verlernt“
„Die Listening-Cafés und Bars treffen einen Nerv“, bestätigt Musikpsychologe Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg. Das passe perfekt zur Wiedergeburt der Schallplatte. Seine Beobachtung: „Oft geht man zu einem Streamingdienst und findet alles, aber eigentlich nichts“. Er fügt hinzu: „Musik ist oft kostenlos und mit der KI-generierten Musik wird es umso kostenloser.“ Dadurch verliere man das Gefühl für den wahren Wert von Musik.
Der Wissenschaftler fordert: „Es ist ein Kulturwandel nötig, auch ein Wandel in der musikalischen Bildung, damit die Menschen wieder mehr von Musik haben“. Viele normale Cafés seien viel zu lärmig mit furchtbarer Akustik, wo die Leute nur durchhetzen. Kreutz kritisiert die Devise: „Laut ist gut, lauter ist besser, am lautesten ist am besten. Eine Fehlentwicklung. Wir haben das Hören verlernt“.
„Ein Listening-Café macht das genaue Gegenteil. Es wird zu einem Wohnzimmer, man hat Zeit, Musik wird nicht einfach konsumiert, sondern man kann sich in Ruhe auf sie einlassen.“ Solch ein Konzept könne Leute zusammenbringen. Kreutz' Fazit: „Eine sehr erfrischende Initiative. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das noch weiter verbreitet, richtig einschlägt – und ich fände das auch sehr wünschenswert.“
Der Trend kommt auch nach Köln
Solche Konzepte gibt es mittlerweile in Köln, Stuttgart, Berlin, München und Hamburg, aber auch in kleineren Orten. Einige Lokale zeigen es schon im Namen, wie das „Café Vinyl“ in Bremen. Der „Slow Listening Club Cologne“ in unserer Stadt wirbt mit den Sprüchen: „Musik wird überall gespielt und selten gehört“ oder „Der Alltag ballert. Wir hören.“
In diesen besonderen Räumen wird weder mitgesungen noch getanzt. Die Schallplatten oder zusammengestellten Listen laufen komplett durch. Einige Betreiber kombinieren ihre Bar oder ihr Café mit einem Restaurant oder, wie das „mono“ in Dortmund, mit einem Plattenladen.
Mehrere Inhaber beziehen sich auf die japanische Tradition der „Jazzu Kissas“. In diesen kleinen Cafés legt man schon seit vielen Jahrzehnten Jazz-Schallplatten auf – speziell für ein konzentriertes Publikum, nicht nur als Gedudel nebenbei.

Copyright: Friso Gentsch/dpa
Die Musik wird in aller Ruhe am Stück gehört, bei Schallplatten beide Seiten. (Archivbild)
Melanie (40), die schon öfter im OWLs war, ist begeistert: „In den meisten Bars ist es viel zu laut, da muss man sich richtig anschreien. Das hier ist mal etwas ganz anderes. Die Musik ist genau richtig, es hallt nicht, man kann gut zuhören und sich dabei noch locker unterhalten.“ Ihre Freundin Caroline König (33) pflichtet ihr bei: „Ich mag die Musik, die gute Akustik und die gemütliche Atmosphäre.“
Für Laurin Schafhausen und seinen Kompagnon Kai Mosdzen ist das Ganze eine absolute Herzensangelegenheit. Sie starteten ihr Projekt ohne jede Vorerfahrung direkt während der Corona-Pandemie, um einen Treffpunkt zu erschaffen. Dass die Gäste den stillen Hörraum so annehmen, hat die beiden selbst erstaunt. Schafhausen ist sich sicher: „Musik ist die universelle Sprache. Die Emotionen in der Musik verstehen wir auch ohne Worte“. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
