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Fazit des „Pripro“-AbendsSelbst die Stars sind schon verrückt nach dem Dreigestirn

Köln hat ein neues Dreigestirn. Die Proklamation im Gürzenich wurde zu einer emotionalen und auch ausgelassenen Veranstaltung. EXPRESS.de nennt die Höhepunkte und sprach mit den Machern.

Es gibt keine Veranstaltung im Kölner Karneval, über die im Vorfeld und im Nachgang mehr diskutiert wird als über die Proklamation des Dreigestirns. Beim emotionalen Abend versammelte sich am Freitag (9. Januar 2026) wieder die Spitze der jecken Szene im Gürzenich.

Die „Pripro“ ist keine Karnevalssitzung, sondern eine Gala-Veranstaltung. Entsprechend hoch sind die Erwartungen und die Ansprüche der über 1300 Gäste. Als sich nach dem Auftritt von Cat Ballou das Geschehen ins Foyer verlagerte, war das Urteil eindeutig.

Proklamation des Kölner Dreigestirns: Über 1300 Gäste im Gürzenich

„Die beste Proklamation aller Zeiten“, war da an der Kölsch-Theke zu hören. „Dieser Abend hat die Seele Kölns perfekt widergespielt und hat gezeigt, wie lebendig unsere Tradition ist“, lautete ein anderes Urteil.

EXPRESS.de kann dem nur beipflichten. Ralf Schlegelmilch hatte mit seinem Team ein fünfeinhalbstündiges Programm erstellt, das herrlich kölsch, abwechslungsreich, emotional, mitreißend und wunderbar authentisch war.

Rund um die Proklamation von Niklas Jüngling (33), Clemens von Blanckart (42) und Stefan Blatt (40) zum Dreigestirn der Stadt, gab es eine Revue voller verschiedener Momente.

Der Macher: Immer wenn Programmgestalter Schlegelmilch das neue Sessionsmotto kennt, beginnt er mit der Konzeption. „Das ist nahezu ein Jahr Arbeit und wird zunehmend intensiver. Unzählige Stunden fließen in das Projekt ein. Wenn unser Herzblut und unsere Leidenschaft dann so honoriert werden, macht uns das unglaublich stolz“, sagte er am Tag danach zu EXPRESS.de.

Ralf Schlegelmilch zusammen mit Henriette Reker.

Programmgestalter Ralf Schlegelmilch verfolgte den Abend neben Ex-Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Der Präsident der Willi Ostermann Gesellschaft musste angesichts der Euphorie im Saal auch ein paar Tränen verdrücken. „Wenn bei mir das Adrenalin nachlässt, Dinge funktionieren und ich merke, dass unsere Ideen beim Publikum ankommen, bin ich sehr nah am Wasser gebaut. Es fasst mich komplett an. Ich schäme mich dafür auch nicht und möchte das nicht unterdrücken“, sagte er.

Der Gänsehaut-Moment: Über zehn verschiedene Programmpunkte gab es – jeder begeisterte auf seine ganz spezielle Art und Weise. Als roter Faden stand immer wieder das Ehrenamt im Mittelpunkt. Es ging aber auch um große Emotionen. Gleich zum Start gab es solch einen Gänsehaut-Moment, als Ludwig Sebus hinter dem Vorhang zum Vorschein kam.

Den Grandseigneur würdigte Moderator Christoph Kuckelkorn (61) mit einer emotionalen Laudatio. „Du bleibst unser ständiger Mahner. Danke für die Vermittlung deiner Werte: Familie, Freundschaft, Glaube, Heimatliebe, Verlässlichkeit, Haltung, Geradlinigkeit und vor allem Liebe. Wir wünschen dir, dass du noch viele Jahre dein Köln liebst und lebst.“

Ludwig Sebus zusammen mit Janus Fröhlich.

Ludwig Sebus im Duett mit Janus Fröhlich, dem Ex-Schlagzeuger der Höhner.

„Wir lieben dich, wir feiern dich. Und wir schauen nach vorn, mit dir als Vorbild und für mich persönlich als Idol“, sagte der Festkomitee-Präsident und überreichte den Verdienstorden in Gold mit Brillanten – die höchste Auszeichnung, die es gibt.

„Ich freue mich sehr. Ich habe mich noch nie zu einer Ehrung gedrängt, habe aber alle angenommen, weil jeder sich was dabei gedacht hat“, entgegnete der 100-Jährige mit seinem so herrlichen Lachen. Danach holte er Ex-Höhner-Musiker Janus Fröhlich dazu. Zusammen sangen sie „Et Rhein-Panorama“. Danach stimmten sie „Wer soll das bezahlen“ von Jupp Schmitz an. Den Hit von Günter Eilemann, „Camelle us Kölle“, gab es in abgewandelter Version – „Mer dun et för Kölle“.

Sebus genoss den Kurzbesuch in Kölns guter Stube sichtlich. „Diese Momente geben mir Kraft, dann spüre ich die Schmerzen nicht“, sagte der Jahrhundert-Kölner, der nach mehreren Stürzen im Rollstuhl sitzen muss, gerührt.

Die Musik: Die Proklamation bot etliche musikalische Höhepunkte. Matthias Heßeler lieferte mit seinem Orchester den perfekten Rahmen für viele Nummern. Besonders stark war dies bei „Fastelovend Komplott“ mit dem Kwartett Latäng und Druckluft. Bei der „Karnevalsmaus“ kamen 159 Tänzerinnen und Tänzer in den Saal. Aber auch der Auftritt vom Männer-Gesang-Verein sowie Tenor Thomas Heyer begeisterte.

Druckluft beim Auftritt auf der Bühne.

Die Band Druckluft brachte mit ihrem Sessionshit „Karnevalsmaus“ das Publikum im Gürzenich zum Kochen.

Als Überraschung für das Dreigestirn hatte die Band StadtRand ihren Hit „Ahle Kess“ umgetextet: „Denn hück künne mir alles sin: Köbes, Kaiser, Dreijesteen.“ Die Luftflotte wirbelte zum 100. Jubiläum über die Bühne. Stefan Knittler sang mit Entertainer Linus „Kumm loss de sonn nit ungerjong“. Zum zehnten Todestag von David Bowie präsentierte er zudem dessen Hit „Heroes“. Zu „Helde“ kam auch der Männerchor Laut aber Schief dazu.

Das Party-Finale bestritt Cat Ballou. Die Band hatte zum Abschluss ebenfalls noch eine Überraschung. Der Song „Deine Stadt“, den die Popband mit der Berliner Künstlerin Wilhelmine aufgenommen hat, kommt so gut an. Deshalb hatte die Sängerin ihren Kalifornien-Urlaub um ein paar Tage verschoben, um bei der Proklamation dabei zu sein.

Cat Ballou beim Auftritt auf der Bühne.

Cat Ballou rundete den Proklamationsabend mit einem Auftritt ab. Dabei war Party pur angesagt.

Die Rede: Dom- und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine nahm sich in seiner Festrede das Ehrenamt vor und ging dabei das kölsche Grundgesetz durch. Alle im Ehrenamt Tätigen lebten die darin formulierten elf Artikel Tag für Tag. „Dafür können wir heute Abend genau elfmal das tun, was sonst leider oft zu kurz kommt, nämlich Danke sagen“, sagte Kleine.

„Ehrenamtliches Engagement hat in Köln viele Gesichter. Und jedes einzelne davon macht unsere Stadt ein Stück menschlicher, gerechter und lebenswerter. Ihr seid diese Gesichter! Köln wäre ohne Euch nicht Köln. Und deshalb ergänze ich heute das Kölsche Grundgesetz mit Blick auf Euch alle um einen zwölften Artikel: Art. 12 Mer dun et för Kölle.“

Robert Kleine hält eine Rede auf der Bühne.

Dom- und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine hielt die Festrede bei der Proklamation.

Die Lacher: Das Herrengedeck – Martin Schopps, JP Weber und Volker Weininger – bot Höhepunkte aus seinem Weihnachtsprogramm. Vor allem die wunderbar umgedichtete Version des Werbe-Songs „Merci, dass es dich gibt“, bei dem sich Kanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil beschimpfen, sorgte für große Begeisterung.

Die Proklamation: Diese begann mit einem Einzug der Prinzen-Garde in Rekordzeit. In knapp 30 Minuten schafften es Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne zur Bühne. „Ein atemberaubender Triumphzug. Und in was für einem Tempo. Ich bin froh, dass keine Radarfalle ausgelöst wurde“, sagte Kuckelkorn. Zwischendurch gab’s viele Küsschen, Blümchen und übertrieben viele Selfie-Wünsche von aufdringlichen Jecken.

Das Herrengedeck beim Auftritt auf der Bühne.

Das Herrengedeck mit JP Weber, Volker Weininger (Der Sitzungspräsident) und Martin Schopps (v.l.) brachte das Publikum zum Lachen.

Erstmals führte Kölns neuer Oberbürgermeister die Proklamation durch – und begeisterte dabei alle. „Ich bin der Neue. Ich darf heute, und wenn es nach mir geht, auch die nächsten neun Jahre das Dreigestirn proklamieren“, sagte Torsten Burmester, obwohl er bisher nur für fünf Jahre gewählt ist.

„Es ist schon eine besondere Situation. Kaum ist man in Köln zum Oberbürgermeister gewählt worden, muss man die Macht auch schon wieder abgeben an Prinz, Bauer und Jungfrau. Ich finde das gar nicht schlecht, denn ich habe genug zu tun.“ Die finanzielle Situation mancher Karnevalsvereine sei vergleichbar mit der Haushaltslage der Stadt.

„Stellen Sie sich vor, man ist gerade Präsident geworden, aber einen Tag später wird einem eröffnet, dass die Kasse leer ist. Ich weiß, das trifft nicht auf jede Gesellschaft zu, lieber Dino Massi, ich gönne es euch“, sagte er grinsend Richtung Prinzen-Garde.

Torsten Burmester proklamiert das Kölner Dreigestirn.

Erstmals proklamierte Oberbürgermeister Torsten Burmester (r.) ein Kölner Dreigestirn.

Seine Rede war wunderbar ironisch und voller Witz. „Ich musste direkt lernen, dass es hier im Saal kein Kölsch gibt. Aber der OB soll sprechen, als sei er vor 100 Jahren im Vringsveedel aufgewachsen. Das bin ich bekanntermaßen nicht. Aber aus meiner früheren Arbeit im Kanzleramt kann ich sagen: Etwas nicht zu können, hat gerade in der Bundespolitik noch niemanden davon abgehalten, es trotzdem zu tun. Trotzdem bleibe ich beim Hochdeutsch mit leicht rheinischer Sprachfärbung.“

Nach seinem Auftritt war Burmester glücklich. „Ich bin absolut begeistert vom Dreigestirn und der Veranstaltung“, sagte er zu EXPRESS.de. „Ich hoffe, dass ich mit meiner Rede etwas von dieser Freude und Begeisterung herüberbringen konnte. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal.“

Prinz Niklas I. erhält die Pritsche von Torsten Burmester.

Vom Oberbürgermeister erhielt das Trifolium die Insignien, Prinz Niklas I. etwa die Pritsche.

Das Dreigestirn: „Ich war um 5.45 Uhr der letzte, der ins Bett gegangen ist. Früher war an Schlaf nicht zu denken, weil ich voller Emotionen war“, sagte Prinz Niklas I. am Tag danach zu EXPRESS.de. „Wie die Leute uns gefeiert haben, diesen Tag werden wir einfach nie im Leben vergessen. Jetzt haben wir richtig, richtig Bock, in die Säle zu kommen und Fastelovend mit den Jecken zo fiere.“

„Ich dun et för Kölle“, mussten alle drei sagen, ehe sie Pritsche, Schlüssel und Spiegel vom OB bekamen. In den nächsten fünfeinhalb Wochen dürfen sich die drei Freunde endlich im Ornat zeigen und über die kölschen Jecken regieren. „Ich verspreche euch, vor Glück zu strahlen, den Menschen ein Lächeln zu schenken, damit sie die Sorgen des Alltags vergessen“, sagte der Prinz.

Prinz Niklas I. küsst seine Freundin Katrin.

Bevor es auf die Bühne ging, küsste Prinz Niklas I. seine Freundin Katrin.

„Wir drei versprechen euch, dass wir Brücken zwischen Menschen bauen werden. Brücken zwischen Jung und Alt. Denn auch wir jungen Karnevalisten haben ein Herz für unseren traditionellen Fastelovend. Und wir werden dafür sorgen, dass diese Traditionen niemals verloren gehen. Wir machen Fastelovend zu einem Ort der Begegnung. Lasst uns nicht darauf konzentrieren, was uns trennt, sondern darauf, was uns eint“, sagte Niklas I.

Das Trifolium hat zusammen mit Manuel Sauer und Simon Kurtenbach von Eldorado das Lied „Loss mer all zesamme stonn“ für die Session aufgenommen. Darin betont das Dreigestirn, passend zum Motto, den gemeinsamen Einsatz für Kölle – von den Karnevalisten und all den anderen ehrenamtlich engagierten Kölnerinnen und Kölnern.

Das Kölner Dreigestirn steht auf der Bühne.

Das Kölner Dreigestirn 2026 mit Prinz Niklas I. (M.), Bauer Clemens (r.) und Jungfrau Aenne am Ziel der Träume.

Zudem hat das Dreigestirn ein Medley echter kölscher Hits im Programm. Bauer Clemens spielt sogar Trompete bei „Du bes Kölle“. Niklas zeigt als ehemaliger Tanzoffizier sein Können bei „Kumm loss m’r danze“. Er ist wirklich Kölns neuer „Prinz Dancing“. Jungfrau Aenne wirbelt bei „Heidewitzka, Herr Kapitän“ ausgelassen über die Bühne. „Am Eigelstein es Musik“, „Buenos dias Matthias“ und „Echte Fründe“ – in diesem Dreigestirn ist wahrlich Musik drin.

Fazit: Festkomitee-Präsident und Moderator Christoph Kuckelkorn war nach dem langen Gürzenich-Abend ebenfalls glücklich. „Die Proklamation war eine Achterbahnfahrt, es war sehr emotional. Am Ende war ich sehr froh, dass alle Konzepte aufgegangen sind und die verschiedenen Bühnenacts sich ineinander gefügt haben“, sagte er zu EXPRESS.de.

„Es hat großen Spaß gemacht, es war eine große Freude, ich habe mich sehr locker gefühlt. Wir haben ein tolles Dreigestirn. Ich bin sehr stolz, dass die drei mein letztes Dreigestirn sein werden.“