Heftiger Gegenwind vor OlympiaSein Opfer war erst 12: Vergewaltiger geht in Paris an den Start

Steven van de Velde bei einem Beachvolleyballspiel in Aktion.

Steven van de Velde, hier am 26. Mai 2024, tritt für die Niederlande bei Olympia 2024 an.

Beachvolleyballer Steven van de Velde ist für Olympia qualifiziert, greift in Paris nach einer Medaille. Eine Petition soll jetzt verhindern, dass der wegen Vergewaltigung schuldig gesprochene Niederländer teilnehmen darf.

Die Olympia-Nominierung des niederländischen Beachvolleyballers Steven van de Velde sorgt für Aufsehen. Der mittlerweile 29 Jahre alte Sportler ist 2016 in England wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Eine Petition auf der Online-Plattform „Change.org“ fordert die Disqualifikation des Niederländers von den Olympischen Spielen in Paris, die vom 26. Juli bis 11. August stattfinden. Die Petition wurde bis Mittwoch (10. Juli 2024) knapp 18.000 Mal unterschrieben.

Olympia-Aus gefordert: Verband steht hinter van de Velde

Van de Velde, zum Tatzeitpunkt 19, wurde in England wegen Vergewaltigung einer Zwölfjährigen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Vor der Tat hatte er dem Kind Alkohol gegeben. Nach der Verbüßung eines Teils seiner Strafe wurde er in die Niederlande überstellt. Jetzt träumt er bei Olympia von der Goldmedaille für sein Heimatland.

Der niederländische Volleyball-Verband Nevobo veröffentlichte ein Statement seines Spielers und unterstützt ihn. „Wir kennen die Geschichte von Steven“, wurde Generaldirektor Michel Everaert auf der Internetseite des Verbandes zitiert. Van de Velde sei inzwischen wieder vollständig in die niederländische Volleyballgemeinschaft integriert.

Aufgrund seiner sportlichen Leistungen wurde er gemeinsam mit seinem Partner Matthew Immers als Team für die Olympischen Spiele in Paris nominiert. „Ich kann das Geschehene nicht rückgängig machen und muss die Konsequenzen dafür tragen. Es war der größte Fehler meines Lebens“, wurde van de Velde in der Mitteilung aus einem früheren Interview zitiert.

Dem Beachvolleyballer ist nach eigener Aussage bewusst, dass die Nominierung „im Vorfeld des größten Sportereignisses der Welt die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich zieht“.

Steven van de Velde seit 2017 wieder bei internationalen Turnieren

Nach seiner Entlassung habe van de Velde den Verbandsangaben zufolge professionelle Beratung gesucht. „Er erweist sich als vorbildlicher Profi und Mensch, und seit seiner Rückkehr gibt es keinen Grund, an ihm zu zweifeln. Wir unterstützen ihn und seine Teilnahme in Paris, die er und Matthew verdient haben, voll und ganz“, sagte Everaert.

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Auch das Nationale Olympische Komitee stellte sich hinter den Sportler, der seit 2017 wieder an internationalen Turnieren teilnimmt. Das NOK verwies auf geltende Richtlinien, unter denen niederländische Athleten nach einer Verurteilung in den Spitzensport zurückkehren können. Van de Velde erfülle alle Kriterien für eine Olympia-Nominierung.

Wenn er die Bilder eines Interviews von damals sehe, sei er dankbar für die zweite Chance, die er bekommen habe, sagte der Beachvolleyballer. „Aber ich denke auch an den Teenager zurück, der ich war, der unsicher war, nicht bereit für ein Leben als Spitzensportler und innerlich unglücklich, weil ich nicht wusste, wer ich war und was ich wollte“, sagte der 29-Jährige. (dpa)