Baby-Jubel und Gold für Frederik Ruppert – und eine Sensations-Medaille im Speerwerfen. Das war der letzte Tag bei der Leichtathletik-EM aus deutscher Sicht.
Obwohl der größte Star leer ausgehtDeutschland mit dem stärksten EM-Ergebnis seit 1998!

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Frederik Ruppert lutschte beim Zieleinlauf am Daumen – er wird im Januar erstmals Vater.
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Titel mit Ansage: Top-Favorit Frederik Ruppert (Tübingen) hat sich mit einem unwiderstehlichen Finish zum Europameister über 3000 m Hindernis gekrönt. Der 29-Jährige rannte beim Showdown um die Medaillen in Birmingham nach 8:25,33 Minuten durch das Ziel und sicherte sich seinen ersten großen Titel der Karriere.
Ruppert, der im Ziel die Schnullergeste zeigte, setzte sich im Alexander Stadium gegen den Luxemburger Ruben Querinjean (8:25,61) durch, Bronze ging wie vor zwei Jahren an Karl Bebendorf (8:26,65/Dresden). Das Duo gewann die Medaillen 19 und 20 für das deutsche Team bei diesen Titelkämpfen. Niklas Buchholz wurde Neunter (8:31,08).
Ruppert mit Baby-Jubel
„Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Wir haben genau auf so ein Szenario abgezielt. Die Bedingungen hier waren am ehesten meine Bedingungen, von daher war das eine Chance, die ich nutzen musste. Und ja, ich bin einfach nur happy, dass es so ausgegangen ist“, sagte Ruppert in der ARD: „Ich werde im Januar Papa und das hat mir extrem viel Kraft und Power gegeben dieses Jahr.“
Ruppert hatte im Mai mit seinen 7:57,80 Minuten als erster Europäer die Acht-Minuten-Marke geknackt, spätestens da war klar: EM-Gold würde nur über den Sportsoldaten gehen. „Ich habe das klare Ziel, hier eine Medaille zu machen. Und ich habe natürlich auch immer gesagt, es soll Gold werden. Das ist auch mein Ziel“, hatte Ruppert vor dem Finale gesagt: „Aber ich habe noch nie eine Medaille geholt, von daher wäre das schon grandios.“
Und dann lieferte Ruppert tatsächlich grandios ab. Der Schützling von Isabelle Baumann verhielt sich taktisch äußerst clever und stach im richtigen Moment zu. Und jubelte am Ende als erster deutscher Läufer über EM-Gold seit Damian Kallabis, der 1998 in Budapest den Titel geholt hatte.
Happy End für Gina Lückenkemper
Am letzten Tag der EM gab es aber nicht nur im Hindernislauf Medaillen. Die gemischte deutsche Sprint-Staffel holte sich die Silbermedaille. Kevin Kranz, Rebekka Haase, Heiko Gussmann und Gina Lückenkemper kamen über die 4x100 Meter nach 40,11 Sekunden ins Ziel.
Den Sieg holte sich mit einem Europarekord in 39,97 Sekunden das Mixed-Team von Gastgeber Großbritannien. Die nun vierfache Europameisterin Amy Hunt brachte die Führung auf der Zielgeraden gegen Lückenkemper ins Ziel. „Ich habe einfach nur Gas gegeben und ich wollte sie mir krallen.“, sagte Lückenkemper in der ARD über das Duell mit Hunt und fügte hinzu: „Es ist mir leider nicht gelungen.“ Bronze ging an Spanien in 40,42 Sekunden. Die 4x100-Meter im Mixed waren erstmals Teil der Leichtathletik-Europameisterschaften.
Für Kranz und Gussmann ist es schon die zweite Medaille in Birmingham nach Silber mit der 4x100-Meter-Staffel der Männer am Samstag. Im Einzel hatte der von einer Sperre bedrohte Owen Ansah den Titel über 200 Meter und Bronze über 100 Meter gewonnen. Wegen einer drohenden Sperre hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband Ansah vorsichtshalber nicht für die Staffeln aufgestellt, um keine nachträgliche Disqualifikation zu riskieren.
Haase und Lückenkemper entschädigten sich für das Aus der deutschen Frauen-Staffel im Vorlauf. Dort hatte der letzte Wechsel von Sophia Junk auf Lückenkemper nicht geklappt. Die DLV-Sprinterinnen hatten zuletzt jeweils Bronze bei Olympia 2024 in Paris und der WM im Vorjahr in Tokio geholt. Bei der Heim-EM 2022 in München gehörten Haase und Lückenkemper zum Gold-Team.
Überraschungs-Silber für Speerwerferin Julia Ulbricht
Eine ganz große Überraschung gab es im Speerwurf der Frauen. 24 Stunden nach dem Doppelsieg von Julian Weber und Nick Thumm hat völlig überraschend auch Julia Ulbricht (Rostock) bei der Leichtathletik-EM eine Medaille im Speerwurf gewonnen. Die 25 Jahre alte deutsche Meisterin kam bis auf fünf Zentimeter an ihre Bestleistung heran und sicherte sich mit ihren 61,53 m Silber.
„Ich wollte schon immer eine Medaille auf internationaler Bühne und ich bin einfach nur happy“, sagte Ulbricht in der ARD: „Oh mein Gott, ich kann es immer noch nicht fassen. Ich bin ein bisschen sprachlos.“ Gold ging an Rio-Olympiasiegerin Sara Kolak, die Kroatin setzte sich mit 62,43 m durch. Bronze gewann Adriana Vilagos aus Serbien (60,93). Luisa Tremel (München) wurde Zwölfte (53,19). Topfavoritin Sigrid Borge (Norwegen) blieb nur Platz vier. Titelverteidigerin Victoria Hudson (Österreich) war wegen ihrer Babypause nicht am Start.
Deutschlands Leichtathletik-Queen Mihambo geht überraschend leer aus
Ohne Medaille blieb dagegen Weitspringerin Malaika Mihambo, die vor zwei Jahren in Rom noch das einzige EM-Gold für Deutschland geholt hatte. Die 32-Jährige kam im Alexander Stadium nicht über 6,94 m hinaus und landete damit in einem hochklassigen Wettbewerb nur auf Platz fünf.
Und so musste Mihambo, die als Titelverteidigerin gestartet war und als Mitfavoritin galt, erstmals seit zehn Jahren wieder die Heimreise von einer großen Meisterschaft ohne Edelmetall antreten.
Zur neuen Europameisterin krönte sich in einem packenden Zentimeter-Krimi die Italienerin Larissa Iapichino mit 7,00 m. Dahinter sicherte sich Jazmin Sawyers (6,99/Großbritannien) Silber wie schon vor zehn Jahren, Bronze holte Hilary Kpatcha aus (Frankreich) mit 6,98 m.
Beste Medaillen-Ausbeute seit 28 Jahren
Nach den zwei Goldmedaillen am Schlusstag verabschiedet sich das deutsche Team mit insgesamt 21 Medaillen (6-10-5) und dem besten EM-Ergebnis seit 28 Jahren aus Birmingham. Schon am Morgen hatte Marathon-Läufer Amanal Petros souverän Gold gewonnen. Es war das beste deutsche EM-Ergebnis seit Budapest 1998, als Stars wie Heike Drechsler, Grit Breuer und Lars Riedel 23 Medaillen (8-7-8) einfuhren. (sid/dpa)

