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„Es war furchtbar“Deutscher Marathon-König Petros packt nach Gold-Lauf aus

Amanal Petros holt Marathon-Gold bei der Leichtathletik-EM.

Copyright: IMAGO/Chai v.d. Laage

Amanal Petros holt Marathon-Gold bei der Leichtathletik-EM.

Amanal Petros gewinnt mit einem eindrucksvollen Sololauf EM-Gold im Marathon. Dabei lässt er sich auch von der harten Strecke und einer chaotischen Einreise nicht vom Titelgewinn abbringen.

Mit dem ersehnten EM-Gold um den Hals und der Deutschland-Fahne auf dem Rücken waren für Amanal Petros auch die Probleme bei der Einreise nach Birmingham vergessen.

Erst am Samstag kam der neue Marathon-König von Europa dort an, einen Tag später stürmte der 31-Jährige mit einem unwiderstehlichen Sololauf zu seinem ersten internationalen Titel über die prestigeträchtige Distanz von 42,195 Kilometern.

„Zwei Tage lang waren wir unterwegs, hin und her“

„Es hat sehr, sehr lange gedauert, es war furchtbar. Zwei Tage lang waren wir unterwegs, hin und her“, sagte Petros, dem der Deutsche Leichtathletik-Verband tatkräftig geholfen hatte. „Ich habe dem DLV zu danken, der DLV hat das geklärt. Danke, dass die so viel Arbeit geleistet haben“, sagte der in Eritrea geborene und in jungen Jahren nach Deutschland geflüchtete Petros auf dem Victoria Square im Herzen der Stadt.

Dort war er zuvor mit einem Meisterschaftsrekord nach 2:09:11 Stunden wie ein Karatekämpfer mit einem Handkantenschlag und der schwarz-rot-goldenen Flagge um den Hals nach einem harten Rennen allein über die Ziellinie gestürmt. Anders als bei der Weltmeisterschaft im vorigen Jahr in Tokio, als er im Zieleinlauf Gold noch hauchdünn verpasst hatte, sorgte Petros diesmal frühzeitig für klare Verhältnisse.

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Als er nach gut 25 Kilometern an einer Bergaufpassage das Tempo verschärfte, sprengte Petros nach monatelanger Vorbereitung in Kenia die Spitzengruppe.

Der WM-Zweite zog davon und strebte unaufhaltsam seinem ersten internationalen Titel entgegen. Die anderen beiden deutschen Hoffnungsträger Samuel Fitwi und Richard Ringer fielen zurück und konnten in die Vergabe der weiteren Medaillen nicht mehr eingreifen. Fitwi wurde Neunter direkt vor Ringer.

„Die letzten zwei Kilometer habe ich versucht, die Atmosphäre zu genießen“, sagte Petros, dem die Strapazen nach acht Runden auf einem welligen Rundkurs mit giftigen Steigungen und vielen Kurven deutlich anzusehen waren. „Diese Strecke war furchtbar. Es tut überall weh. Ich glaube, ich muss jetzt gleich zum Physio. Die Gelenke tun richtig weh.“

Petros ist nun erstmals Marathon-Europameister und sorgte nach Gold durch Speerwerfer Julian Weber am Abend zuvor für den fünften deutschen Titel bei der Leichtathletik-EM in Großbritannien. Für das DLV-Team war es schon vor dem Abschluss am Sonntagabend eine erfolgreiche EM mit einer deutlich besseren Ausbeute als vor zwei Jahren in Rom, als es elfmal Edelmetall und nur eine Goldmedaille durch Weitspringerin Malaika Mihambo gegeben hatte.

„Die deutsche Leichtathletik ist geil. Wir sind unfassbar stark“, frohlockte Weber, nachdem ihm mit 90,40 Metern im letzten Versuch noch ein grandioser Gold-Wurf gelungen war. Bis dahin hatte überraschend der erst 21-jährige Stuttgarter Nick Thumm knapp geführt, er gewann Silber.

Wie zuvor schon die deutsche Sprint-Staffel – und das, obwohl der von einer Sperre bedrohte 200-Meter-Europameister Owen Ansah vorsichtshalber gar nicht aufgestellt wurde. Ansah war auch EM-Dritter über 100 Meter. „Das ist historisch. Wir sind einfach stolz auf uns selber“, sagte Schlussläufer Lucas Ansah-Peprah.

„Silber tröstet mich jetzt nicht“

Dagegen war Ringer, der 2022 in München Marathon-Europameister wurde, nicht glücklich über Platz zwei in der Teamwertung hinter Israel. Ihm ging es nach eigenen Worten nur um Team-Gold, deswegen lief er trotz eines stechenden Schmerzes im Oberschenkel bis ins Ziel.

„Ich bin schon enttäuscht, dass es mit Team-Gold nicht geklappt hat. Silber tröstet mich jetzt nicht. Gut, dass Amanal die Goldmedaille im Einzel, denn im Medaillenspiegel ist das natürlich auch sehr, sehr cool“, erklärte der 37-Jährige.

Bei den Frauen feierte die Finnin Alisa Vainio in 2:22:26 Stunden einen überlegenen Start-Ziel-Sieg. Beste Deutsche war Laura Hottenrott als 16. in 2:31:15 Stunden. In der Teamwertung kam die DLV-Auswahl nicht wie erhofft unter die Top drei. (dpa)

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