Neue WM-Regel spaltet die Fußballwelt: Ist die Trinkpause ein Segen für die Spieler oder nur reine Geldmacherei?
Zoff um die WM-PauseSegen für Trainer, Fluch für die Fans: Neue Regel spaltet alle

Copyright: Eakin Howard/AP/dpa
Beim Spiel der Schweiz gegen Katar hatte es über 30 Grad Celsius.
Die Fußballwelt ist gespalten wegen einer neuen WM-Vorschrift. Eigentlich soll die Trinkpause die Gesundheit der Kicker sichern, aber viele sehen darin nur Profitgier. Bundestrainer Julian Nagelsmann fand die Unterbrechung jedoch goldrichtig.
Für Julian Nagelsmann kam die Erfrischungspause in der Partie gegen Curaçao wie gerufen. Der Bundestrainer nutzte die Unterbrechung nach dem unerwarteten Gegentor des Underdogs, um seine Mannschaft neu auszurichten. Das funktionierte: Die deutsche Nationalmannschaft lag zur Pause mit 3:1 vorn. Der DFB-Trainer erläuterte: „Da war die Trinkpause tatsächlich gut, um einfach Dinge auf der Tafel zu zeigen“.
Diese Neuheit bei der WM verwandelt zwei Spielhälften praktisch in vier Abschnitte. Der Unparteiische stoppt das Spiel in jedem Durchgang nach 22 Minuten für einen Zeitraum von drei Minuten. Der Gedanke dahinter war die Sorge um das Wohl der Akteure. Eine heftige Diskussion ist aber entfacht, da zahlreiche Beobachter darin ein reines Business-Modell erkennen.
Der Vorwurf: Es geht nur ums Geld
Die Fernsehsender sehen in den Erfrischungspausen eine wahre Geldquelle. Es entstehen neue Slots für Werbung, die komplett belegt werden. Kritiker monieren: Hier geht es nur um Profit. Beim Auftaktmatch hat der amerikanische Kanal Fox nach einer Werbeunterbrechung sogar den erneuten Anpfiff verpasst.
Auch in Deutschland sprudeln die Einnahmen. Arnim Butzen, der Chef von Telekom-TV, offenbarte gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, dass MagentaTV sämtliche 208 Werbespots in den Unterbrechungen verkauft hat. Das britische Fernsehnetzwerk ITV rechnet mit der kommerziell lukrativsten Fußball-Ausstrahlung, die es je gab. In Australien besitzt die Unterbrechung mit dem „Maccas Match Break“ sogar einen eigenen Geldgeber, der von McDonald's bezahlt wird.
Unmut im Stadion und zweifelhafte Vorschriften
Die Erfrischungspausen sind universell gültig, obwohl das Turnier in unterschiedlichen Wetterregionen ausgetragen wird – selbst in Arenen mit Klimaanlage wie in Atlanta. Damit sollen identische Voraussetzungen für jede Mannschaft hergestellt werden. Bei der Begegnung von Spanien gegen Kap Verde erntete diese Regelung jedoch lauten Unmut vom Publikum.
Deshalb verlangt der Kapitän der Niederlande, Virgil van Dijk: „Man sollte jedes Spiel unterschiedlich betrachten“. Die Vorschrift wurde von ARD-Fachmann Bastian Schweinsteiger als „fragwürdig“ bezeichnet. Der amerikanische Trainer Mauricio Pochettino würde Unterbrechungen nur gestatten, „wenn die Bedingungen extrem sind“.
Das Pro-Argument: Die Gesundheit der Kicker hat Vorrang
Eingeführt wurden die Erfrischungspausen von der FIFA als Antwort auf die gewaltige Hitze bei der Klub-Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres. Der Weltfußballverband erklärte: „Die FIFA bekräftigt damit ihr Engagement für das Wohlbefinden der Spieler“. Bei über 28 Grad Celsius hatten Forscher sogar Unterbrechungen von wenigstens sechs Minuten verlangt, damit Gefahren wie ein Flüssigkeitsmangel verhindert werden.
Speziell an Austragungsorten wie Miami und Monterrey stellen die Gegebenheiten mit großer Hitze und sehr hoher Luftfeuchte eine Belastung dar. Luis de la Fuente, der spanische Coach, meint: „Für mich geht die Gesundheit der Spieler immer vor“. DFB-Ass Kai Havertz erkennt ebenfalls Pluspunkte: „In manchen Stadien wird es schon sehr heiß. Deswegen finde ich eine Trinkpause ganz gut.“
Nagelsmanns cleverer Schachzug: Die Geheimwaffe für Trainer
Insbesondere die Coaches begrüßen die zusätzliche Pause. Taktische Anpassungen sind möglich, falls es auf dem Spielfeld mal nicht rundläuft. DFB-Angreifer Deniz Undav findet auch: „Ich glaube, es kann gut sein, dass du etwas umstellen kannst, wenn der Trainer das durch Reinrufen nicht erreichen kann“. Es wirkt nicht wie ein Zufall, dass Mannschaften wie Brasilien, Australien, Deutschland oder Schottland häufig direkt nach der Unterbrechung erfolgreich waren.

Copyright: Federico Gambarini/dpa
Taktik-Besprechung: Julian Nagelsmann justierte seine Mannschaft neu.
Der belgische Trainer Rudi Garcia beurteilte die WM-Innovation mit den Worten: „Für mich ist es mehr ein Coachingbreak als eine Trinkpause. Deshalb ist es für mich sehr wichtig“. Damit teilte er die Ansicht von Ralf Rangnick: „Weil wir die Möglichkeit haben, ein paar Dinge anzusprechen und zu korrigieren. Sonst kannst du sie ja von außen kaum erreichen“, äußerte sich der Coach der österreichischen Nationalelf.
Welch drastische Auswirkung die Unterbrechung haben kann, wurde im Aufeinandertreffen von Südkorea und Tschechien deutlich. Zuerst beherrschten die Tschechen das Match, doch nach der Pause verloren sie komplett ihren Rhythmus und unterlagen schließlich mit 1:2. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
