Wilde Diskussionen DFB-Protest polarisiert – große Geste oder „devote Haltung“?

Vor dem Auftaktspiel der DFB-Auswahl gegen Japan haben die deutschen Nationalspieler mit einer Protestaktion auf das FIFA-Verbot der „One Love“-Binde reagiert.

Die Startelf beim offiziellen Mannschaftsfoto mit der Hand vor dem Mund – dieser Protest vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan am Mittwoch (23. November 2022) ist schnell zum Gesprächsthema geworden. 

Im Gespräch mit ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek (36) und Bastian Schweinsteiger (38) deutete Bundestrainer Hansi Flick (57) eine Protestaktion seiner Mannschaft an – dazu kam es dann unmittelbar vor Anpfiff.

DFB-Protest gegen die FIFA: Lob aus dem Ausland, Kritik aus Deutschland

Alle elf Spieler, die von Beginn an gegen Japan auf dem Rasen standen, hielten sich den Mund vor den versammelten Fotografen zu. Auch einige Mitglieder der deutschen Delegation auf der Ersatzbank machten mit.

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Gerade im Ausland sind die Reaktionen darauf überwiegend positiv. „Deutschland sagt, wie es ist. Die Deutschen sind zwar langsam in das Spiel gestartet, waren aber schnell bei ihrem Statement vor dem Anpfiff“, schreibt der englische „Guardian“.

Die Journalisten von „The Mirror“ („Eine mächtige Geste und ein klares Statement“) und der italienischen „Gazzetta dello Sport“ („Keine Regenbogenbinde für den deutschen Kapitän, aber eine starke Geste gemeinsam mit seinen Mitspielern“) sind sich in ihrer Reaktion weitestgehend einig. 

So interpretiert die Zeitung „A Bola“ aus Portugal die Aktion: „Auch ohne Armbinde leisten wir Widerstand. Deutschland hält an dem Protest gegen die FIFA fest.“

Einen prominenten deutschen Unterstützer haben die Nationalspieler in Bastian Schweinsteiger auch: „Das war eine gute Aktion der Mannschaft. Das war richtig so.“

So positiv sind aber nicht alle Reaktionen aus Deutschland, die in Folge des Protestes im Netz zu lesen sind. Einige User auf Twitter gehen hart mit dem DFB-Team ins Gericht, von anderen gibt es hingegen lobende und unterstützende Worte.

  • „Die Deutsche Nationalmannschaft gesteht offensichtlich ein, sich den Mund verbieten zu lassen. Schwach.“
  • „Mund aufmachen wäre besser gewesen. Aber die devote Haltung in der ersten Reihe passt zu den letzten Tagen.“
  • „Den Mund zu halten, ist kein Protest, sondern das genaue Gegenteil. Protest heißt laut sein und stören!“
  • Den Mund zuzuhalten ist das neue Greenwashing beim Thema Haltung. Die „One Love“-Binde zu tragen, wäre ein echter Protest gewesen.
  • „Darauf aufmerksam zu machen, dass man zum Schweigen gebracht wird, ist dann legitimer Protest, wenn man sich dagegen nicht wehren kann und machtlos ist. Das ist die DFB-Elf nicht und die Geste deshalb schwach und anmaßend.“
  • „Vielleicht eine unpopular opinion, aber diese Form der Kritik, die sich konkret gegen die Fifa richtet, ist eine überraschend starke Geste. Stärker als es eine nahezu bedeutungslose, unpolitische „One Love“-Binde jemals hätte sein können.“
  • „Beim DFB hat man Wort gehalten. Man findet einen Mittelweg zwischen Regeln mitspielen, soweit es sein muss und Protest zeigen, soweit möglich. Die Wirkung wird sich zeigen.“

Eine Reaktion der FIFA, an die offensichtlich der Protest der DFB-Mannschaft gerichtet war, gab es zunächst noch nicht.

Sportlich lief es für die deutsche Mannschaft im Anschluss an die Aktion alles andere als rund. Zwar ging die DFB-Auswahl durch in der 33. Minute durch einen Elfmeter von Ilkay Gündogan (32) in Führung.

Nach dem Seitenwechsel verpasste die Flick-Elf, den Vorsprung auf 2:0 zu erhöhen. In der Schlussviertelstunde gelang es Japan, das Spiel zu drehen.

Für den zwischenzeitlichen Ausgleich sorgte Ritsu Doan (24) vom SC Freiburg in der 75. Minute Den Siegtreffer für Japan erzielte der Bochumer Takuma Asano (28) in der 83. Minute.

Nach der 1:2-Niederlage (1:0) gegen Japan ist die deutsche Nationalmannschaft im zweiten Spiel in Gruppe E gegen Spanien am Sonntag (27. November, 20 Uhr) bereits unter Zugzwang. (dth/sid)

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