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Trotz Sieg zum Start ins WM-JahrNagelsmann bleibt stur und zeigt sich schwer genervt

Bundestrainer Julian Nagelsmann schaut sich das Länderspiel seines Teams an.

Copyright: AFP

Totale Anspannung: Julian Nagelsmann beim WM-Test gegen die Schweiz am Freitagabend (27. März 2026) in Basel.

Deutschland siegt zum Start ins WM-Jahr in der Schweiz. Doch trotzdem muss sich Julian Nagelsmann einige kritische Fragen gefallen lassen. Das wiederum gefällt dem Bundestrainer nicht. Ein Kommentar dazu.

Zweimal zurückgelegen, trotzdem immer wieder die schnelle Antwort gefunden. Vier Tore gegen eine Mannschaft, die in den vergangenen zehn Länderspielen lediglich sechs Gegentreffer kassiert hat.

Dazu eine Fußball-Gala von Florian Wirtz mit vier Scorer-Punkten. Der 4:3-Sieg der Nationalmannschaft in der Schweiz war ein vielversprechender Auftakt ins WM-Jahr. Trotz einiger kurzfristiger Ausfälle bestand das DFB-Team die Charakterprüfung in Basel.

Julian Nagelsmann bleibt stur bei Rüdiger, Undav und Sané

Beim Turnier im Sommer braucht es diese Mentalität. Dass es am Ende aber vor allem die Genialität des Liverpool-Stars war, der die Mannschaft fast im Alleingang zum Sieg schoss, wurde in den Bewertungen immer wieder hervorgehoben.

Julian Nagelsmann musste sich hingegen trotz des Auswärtssieges viele kritische Fragen gefallen lassen. Seine gereizten Reaktionen zeigten, wie sehr es den Bundestrainer elf Wochen vor WM-Start schon jetzt nervt, dass seine Entscheidungen und Äußerungen von der ganzen Fußball-Republik seziert werden.

Bereits bei den RTL-Interviews war dem 38-Jährigen anzumerken, wie ihn die kritischen Fragen von Laura Wontorra nervten. Da ist die Personalie Antonio Rüdiger. Dass der Verteidiger von Real Madrid trotz etlicher Fehltritte auf und neben dem Platz wieder im Kader ist, verstehen viele nicht. „Das haben wir, glaube ich, 8000-mal besprochen in 7000 Pressekonferenzen“, blaffte der Bundestrainer auf die berechtigte Frage.

Nach der Partie hatte sich die angespannte Haltung nicht gelegt. Kai Havertz war anzumerken, dass er seit November 2024 verletzungsbedingt nicht mehr im DFB-Team gespielt hatte. Der Arsenal-Profi bemühte sich, kam zu Chancen, blieb aber glücklos. Für ihn kam Nick Woltemade in die Partie, obwohl der derzeit bei Newcastle nur noch Joker ist und seit Dezember nicht getroffen hat.

Der aktuell in der Bundesliga groß aufspielende Deniz Undav (sieben Tore in den vergangenen sechs Spielen) blieb komplett auf der Bank. „Jetzt habe ich eben die Wahl: einem Topstürmer, der gut drauf ist, noch weiter Selbstvertrauen zu geben, oder einen Topstürmer, der gerade nicht ganz so gut drauf ist, fallen zu lassen“, begründete Nagelsmann seine Entscheidung.

Die abermaligen Nachfragen ließen den Coach wieder brodeln: „Wir können ja ein paar Psychologen fragen, was die dazu sagen. Wahrscheinlich das Gegenteil von mir. Es ist ja das Hobby mancher Psychologen, immer das Gegenteil von allen Trainern zu behaupten.“

Dass Leroy Sané mit einer Nicht-Leistung den Kritikern rechtgab, die seine Startelf-Nominierung trotz aktuell schwacher Phase bei Galatasaray von Anfang an nicht verstanden hatten, blendete Nagelsmann ebenfalls aus. „Ich erwarte nicht immer zwei Tore und drei Vorlagen“, antwortete der Bundestrainer trotzig. „Er bekommt noch weitere Chancen.“

Bundestrainer Julian Nagelsmann umarmt Leroy Sané nach dessen Auswechselung.

Copyright: Tom Weller/dpa

Julian Nagelsmann (l.) hält weiterhin zu Leroy Sané, auch wenn der bei seinem Startelf-Einsatz in der Schweiz kaum nennenswerte Aktionen lieferte.

Ähnlich klang die Argumentation bei Leon Goretzka, der ebenfalls erkennen ließ, warum er beim FC Bayern nicht erste Wahl ist. „Das war insgesamt in Ordnung“, lautete das Trainer-Urteil. Und auch Nico Schlotterbeck muss sich keine Sorgen machen, obwohl er zwei Gegentore mit schlimmen Fehlpässen eingeleitet hatte. „Haken dran. Ich will, dass die Jungs Dinge probieren und mutig sind, er kriegt keinen Rüffel“, sagte Nagelsmann.

Die deutsche Mannschaft feiert nach dem Abpfiff den Sieg.

Copyright: Tom Weller/dpa

Die Nationalmannschaft durfte sich nach dem Abpfiff von den deutschen Fans feiern lassen. Florian Wirtz (r.) hatte dem Team durch geniale Aktionen zum Sieg verholfen.

Der sechste Sieg in Folge sorgt gut zwei Monate vor dem Start in das WM-Abenteuer dafür, dass sich der Bundestrainer bereits in seine Wagenburg verzogen hat und die Außenwelt ignoriert. Er bastelt an seinem Titelplan und lässt sich dabei nicht von anderen Meinungen abbringen. Angesichts dieser selbstbewussten Haltung muss er sich am Ende auch am Abschneiden messen lassen.

„Wir müssen uns vor keinem verstecken, wir haben einen sehr guten Kader“, gab auch Matchwinner Florian Wirtz als Devise aus. Über sieben Millionen deutsche Fans schauten sich die Übertragung der Partie gegen die Schweiz im Fernsehen an. Sie sehen das WM-Unternehmen sicherlich skeptischer als die Verantwortlichen.

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