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Stadien-Revolution in England Vereine starten Pilotprojekte mit Stehplätzen – auch Alkohol wieder erlaubt?

Alle Zuschauer sitzen auf ihren Plätzen, lediglich zwei Fans der Blues haben sich erhoben.

Die Zuschauer sitzen beim Heimspiel des FC Chelsea gegen den FC Everton auf ihren Sitzen. Das Foto entstand am 16. Dezember 2021 an der Stamford Bridge.

Stehplätze und Alkohol hat es in englischen Stadien über Jahrzehnte nicht gegeben. Der Grund: Hooligan-Randale und Massenpaniken mit Todesopfern. Nun gibt es ein Umdenken.

Revolution in England! Beim ersten Premier-League-Spiel im neuen Jahr, am 2. Januar 2022, werden die Fußball-Fans gebannt nach London schauen: Dort tritt Jürgen Klopps (54) FC Liverpool bei Thomas Tuchels (48) FC Chelsea an (17.30 Uhr/Sky).

Definitiv ein Genussduell, aber echte Fußball-Romantiker werden auch aus einem anderen Grund an die Stamford Bridge schauen: In England sind zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder Stehplätze erlaubt.

Premier League: Pilotprojekt mit Klappsitzen

Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, dem sich neben dem Champions-League-Sieger auch Tottenham, Zweitligist Cardiff sowie Manchester United und sein Stadtnachbar City angeschlossen haben.

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„Forschung und Beweise zeigen, dass das Stehen sicher bewältigt werden kann, und wir freuen uns darauf, dass unsere Anhänger diese verbesserte Erfahrung zum frühestmöglichen Zeitpunkt im neuen Jahr genießen können“, erklärte Chelsea-Chef Guy Laurence nun. Dafür haben die Klubs Klappsitze montiert, wie es sie auch in deutschen Arenen gibt.

Die Lizenz zur Umsetzung des Stehplatzkonzepts gilt vorerst bis zum Ende der laufenden Saison. Danach wird sich erneut zusammengesetzt.

Scheitert das Projekt an der Omikron-Variante?

Ob die sich rasant ausbreitende Omikron-Variante dem Auftakt der neuen Ära kurzfristig einen Strich durch die Rechnung macht, ist offen. In Schottland und Wales müssen Fußballspiele nach Weihnachten weitgehend ohne Zuschauer stattfinden – doch in der englischen Premier League ist noch nicht entschieden, ob, wann und wie verschärft wird.

Der schottische Spitzenklub Celtic Glasgow bietet bereits seit 2016 insgesamt 2900 Stehplätze an. Für England aber ist es ein historischer Einschnitt. Auch wenn vor allem Auswärtsfans das Verbot oft umgehen: In den Stadien der obersten zwei Ligen ist es seit 1994 gesetzlich untersagt, Stehplätze anzubieten.

Das Verbot geht im Wesentlichen auf die Hillsborough-Katastrophe in Sheffield 1989 und den Untersuchungsbericht – den „Taylor Report“ - zurück. Beim FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest war es auf einer überfüllten Tribüne zu einem Massengedränge und Panik gekommen, 97 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.

Die Folgen waren enorm. Die Eintrittspreise stiegen unaufhörlich, die Fanszenen veränderten sich. Viele Anhänger mit kleinen oder mittleren Einkommen haben kein Geld, um die hohen Kosten zu stemmen. Das machte sich auch in der einst so hoch gelobten Stimmung in den Stadien bemerkbar. Auch vor der Corona-Pandemie gab es nur wenige Ausnahmen, bei denen eine ähnliche Atmosphäre herrscht wie in der Bundesliga.

Kein Bier im Innenraum: Kommt nun die Wende?

Tatsächlich reisen zahlreiche Fans aus England jede Woche nach Deutschland, um bei vergleichsweise günstigen Preisen Fußball im Stehen zu genießen – mit einem Bier in der Hand. Ein Pint mit Blick aufs Spielfeld zu genießen, ist in den obersten fünf englischen Ligen bereits seit 1985 verboten. Regierung und Klubs wollten damit das grassierende Hooligan-Problem in den Griff bekommen.

Aber auch hier könnte es zu einer – wenn auch kleineren – englischen Revolution kommen. Denn eine unabhängige „fangeführte“ Kommission hat ein Pilotprojekt für die vierte und fünfte Liga vorgeschlagen, bei dem Fans ihr Bier wieder an ihrem Platz trinken dürften.

Einerseits kritisieren Anhänger die bisherigen Regeln als veraltet. Schließlich kehren viele Fans traditionell bis kurz vor Spielbeginn in nahe gelegene Pubs ein. Auch im Stadioninneren wird oft Alkohol verkauft, er darf nur lediglich nicht am Platz konsumiert werden – die Folge ist oft eine „Druckbetankung“ in der Halbzeitpause. Die Lage könnte also entspannt werden, argumentieren Befürworter.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Doch in Sachen Bier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem die Polizei hat erhebliche Einwände. Die geplante Änderung sei bizarr, sagte Mark Roberts, Polizeichef von Cheshire. Das Gebiet grenzt an die Fußballstädte Manchester und Liverpool. „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Alkohol und schlechtem Benehmen, nicht nur im Fußball, sondern in der Gesellschaft insgesamt“, sagte Roberts.

Mittlerweile häuften sich auch in anderen Sportarten wie Rugby und Cricket, wo der Konsum am Platz gestattet ist, negative Auswirkungen. Und auch das Chaos rund um das EM-Finale im Juni in London, als zahlreiche betrunkene Fans vor dem Wembley-Stadion randalierten und sich Dutzende illegal Zutritt verschafften, spricht aus Sicht vieler Kritiker nicht für eine Änderung des Verbots. (dpa)

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