Nach WM-Scheitern Matthäus zählt DFB-Schwergewichte an und denkt über Konsequenzen nach

Auch Lothar Matthäus ist vom DFB-Auftritt bei der WM 2022 bitter enttäuscht. Der Rekordnationalspieler äußerte sich kritisch über die Auftritte in Katar und zählte mehrere Größen beim Verband an.

Rekordnationalspieler-Rundumschlag gegen den DFB! Lothar Matthäus (61) hat sich nach dem erneuten Vorrunden-Aus bei der WM kritisch über die Arbeit rund um die deutsche Nationalmannschaft geäußert und eine schonungslose Analyse gefordert.

Matthäus nannte mehrere Brennpunkte, die der Deutsche Fußball-Bund anderthalb Jahre vor der mit Spannung erwarteten Heim-EM 2024 in Angriff nehmen müsse. In seinen Überlegungen mahnte er an, dass auch personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen werden dürfen.

Lothar Matthäus für Verbleib von Hansi Flick trotz WM-Aus

„Alle Beteiligten“ hätten „zu viele Fehler“ gemacht, schrieb Matthäus in einer „Bild“-Kolumne. Bundestrainer Hansi Flick (57) würde der Weltmeister von 1990 weiterhin das Vertrauen schenken. „Er ist erst 16 Monate im Amt, er hat nicht die besten Bedingungen vorgefunden. Daran muss gearbeitet werden“, so Matthäus.

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„Ich bin überzeugt, dass er die Nationalmannschaft in eine bessere Zukunft führen kann. Hansi ist selbstkritisch genug, um aus seinen Fehlern zu lernen.“ Allerdings sehe er auch „keine bessere, verfügbare Alternative“, führte Matthäus weiter aus. Prominentester Trainer-Name auf dem Markt wäre aktuell wohl Thomas Tuchel (49). Allerdings ist fraglich, ob der aktuell beschäftigungslose Vereinscoach ins Amt des Nationaltrainers wechseln wollen würde.

Flick hatte ohnehin schon gleich nach dem Aus seinen Willen zum Verbleib verkündet und erklärt: „Von meiner Seite gibt es keinen Grund, nicht weiterzumachen. Mir macht es Spaß, wir haben gute Spieler, die nachkommen, an mir wird’s nicht liegen. Wer mich kennt, der weiß, dass wir es sehr schnell aufarbeiten. Dann gucken wir, was die Zukunft bringt.“

Lothar Matthäus zählt DFB-Präsident Bernd Neuendorf an

Als Hauptschuldigen machte Matthäus ohnehin die Verbandsführung aus. „Wie kann es sein, dass es dem DFB nicht gelingt, das Problem zu lösen, bevor der erste Ball rollt“, sagte Matthäus mit Blick um die „One Love“-Binde.

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Ihm stieß zudem auf, dass Präsident Bernd Neuendorf (61) „nach all dem Theater mit der FIFA“ mit Weltverbandboss Gianni Infantino (52) geredet, gelacht und „für Fotos mit ihm posiert“ habe. Matthäus zählte Neuendorf daher öffentlich an, fragte: „Wie glaubwürdig ist Neuendorf, wie glaubwürdig ist der DFB?“

Auch dessen Geschäftsführer Oliver Bierhoff (54) stehe „zu Recht in der Kritik“. Aufgrund seiner Position sei Bierhoff „hauptverantwortlich dafür, die Voraussetzungen für Erfolg zu schaffen. Aber seit fünf Jahren stimmen die Ergebnisse nicht mehr.“

Lothar Matthäus sieht DFB-Arbeit von Oliver Bierhoff kritisch

Matthäus lastete Bierhoff auch wie schon 2018 in Russland eine schlechte Quartierwahl an. Die Entscheidung, die Spielerfrauen und Familien früh zu den Spielern zu lassen, habe zudem die „Grüppchenbildung gefördert“ und „viel zu viel Ablenkung“ geschaffen. Dem DFB sei die Harmonie „vielleicht zu wichtig“.

Er habe den Eindruck, „dass der DFB und die Nationalmannschaft ein geschlossener Zirkel sind, in dem andere Meinungen und Sichtweisen unbequem und nicht erwünscht sind“. Ebenso wie Flick hatte auch Bierhoff in seinen ersten Reaktionen nicht den Eindruck erweckt, sich selbst als Hauptverantwortlichen zu sehen und persönliche Konsequenzen in Erwägung zu ziehen.

Deswegen forderte Matthäus den Verband auf, sich Expertise von außen zu holen, etwa indem DFB-Vize Hans-Joachim Watzke (63) „die Nationalmannschaft zur Chefsache erklärt“. Auch täte ein „Um-die-Ecke-Denker“ wie der frühere DFB-Sportdirektor Matthias Sammer (55) dem Verband gut. (sid/bc)

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