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Zehn Millionen Schulden KFC Uerdingen: Ponomarev hinterließ Scherbenhaufen

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Mikhail Ponomarev (hier im Oktober 2019) hat beim KFC Uerdingen einen Schuldenberg angehäuft.

Krefeld – Sportlich steht dem KFC Uerdingen das Wasser bis zur Unterlippe. Sechs Spiele haben die Krefelder noch zu absolvieren, die Mannschaft steht auf einem Abstiegsplatz der 3. Liga und hat zwei Zähler auf das rettende Ufer. Es droht also der Abstieg in die Regionalliga West.

  • Der KFC Uerdingen kämpft gegen den Abstieg aus der dritten Liga
  • Die GmbH ist finanziell komplett überschuldet
  • Der Insolvenzverwalter hat einen Insolvenzplan an die Gläubiger verschickt

Aber nicht nur auf dem Rasen hat der Verein Mega-Probleme, auch finanziell steht der Kollaps bevor, am 22. April wurden weitere Details öffentlich.

Der Klub musste Anfang Februar vor dem Amtsgericht Krefeld Insolvenz einreichen, laut eines Dokumentes des Insolvenzverwalters Dr. Claus-Peter Kruth hat die KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH einen Schuldenberg von knapp zehn Millionen Euro angehäuft.

Für die Entschuldung und die Rettung hat Kruth nun einen Insolvenzplan aufgestellt und an die Gläubiger versendet. Die 70 Seiten des Schreibens könnten für großen Sprengstoff sorgen, denn der Verwalter macht den Geldgebern Hoffnung, dass sie zumindest einen Teil ihrer Kohle zurückbekommen könnten. Das berichten der kicker und die Westdeutsche Zeitung.

KFC Uerdingen: Abhängigkeit von Mikhail Ponomarev

Der Auslöser für den Absturz in die finanzielle Krise sieht Kruth in der Abhängigkeit von Mikhail Ponomarev. Der ehemalige Investor hatte sich kaum um neue Sponsoren gekümmert, in der Aufstellung des Etats waren weniger als zehn Prozent an Werbegeldern eingeplant gewesen.

Jedoch war der Etat für Spieler, Verwaltung und Stadionmiete exorbitant für einen Drittligisten. Allein für den Posten Personalaufwand Spielbetrieb wurden 7,8 Millionen Euro im Etat verankert.

Eine Misswirtschaft, die sich dauerhaft ohne Hilfe nicht ausgleichen ließ. Laut Dokument war der KFC „schon seit geraumer Zeit nicht ausreichend finanziert“.

So war nicht die Corona-Pandemie, sondern fehlende Liquidität der Grund für die Überschuldung der GmbH.

Sogar die KFC-Fans sammelten Geld, um dem Verein irgendwie zu helfen. Und die ehemalige Krefelder Kultfigur, Friedhelm Funkel, der aktuelle Trainer des 1. FC Köln, äußerte sich im Februar besorgt über die Zustände seines Herzensvereins.

KFC Uerdingen: Etat war nicht ausreichend gedeckt

Denn schon vor dem Ausbruch des Virus war der Etat nicht ausreichend gedeckt. Deswegen habe man die Lizenzierung beim DFB „maßgeblich auf die Erklärung des Investors" stützen müssen.

Bereits zu Beginn des Jahres 2020 pumpte die Energy Consulting Europe GmbH von Ponomarev insgesamt 815.000 Euro in den Klub, listet Kruth in seinem Insolvenzplan auf. Lediglich 163.000 Euro erhielt der Russe zurück.

Reisinger-KFC

Interimstrainer Stefan Reisinger soll den KFC Uerdingen vor dem Abstieg retten.

Der Schuldenberg türmte sich so immer weiter auf. Verbindlichkeiten gegenüber den Arbeitnehmern beliefen sich auf 2,4 Millionen Euro, bei Sozialversicherungsträgern seien mehr als 2,6 Millionen Euro fällig. Insgesamt 172 Gläubiger warten auf Geld von den Krefeldern, darunter Profis, die auf Handgeld warten, es gibt offene Ticket-Rechnungen bis hin zu riesigen Posten nicht abgeführter Sozialversicherungsbeiträge.

Kruth bezifferte die Schulden zwischen 9,6 bis 9,9 Millionen Euro – je nach Zugehörigkeit der Liga in der kommenden Saison.

KFC Uerdingen: Mikhail Ponomarev unter Druck

Um zumindest einen Teil des Geldes zurückzubekommen will der Insolvenzverwalter nun Ponomarev unter Druck setzen. Denn der Investor hatte in den letzten Jahren immer wieder mit Patronatserklärungen ausgeholfen. Die könnten nun greifen, da der Unterzeichner bei einer Insolvenz haftet.

Durch die Ansprüche könnten so zumindest 17 Prozent der Summe zusammenkommen. 1,5 Millionen Euro will der Liquidator eintreiben, um die Gläubiger von einer Fortführung der GmbH zu überzeugen.

Zudem sollen ehemalige Krefelder Spieler einen Teil ihrer Gehälter zurückzahlen. Der Grund: Kruth geht davon aus, dass die Profis von der finanziell desaströsen Lage wussten. Laut des Schreibes hat der Insolvenzverwalter bereits knapp eine halbe Million Euro erfolgreich vom Finanzamt Krefeld zurückfordern können.

Auch die ehemaligen Geschäftsführer Nikolas Weinhart und Frank Strüver, der bereits Ende 2020 zurücktrat, könnten möglicherweise haftbar gemacht werden.

KFC Uerdingen: Ziel ist Entschuldung

Weder Kruth noch der Verein wollten sich auf Nachfrage von kicker und Westdeutscher Zeitung genauer zu dem Bericht an die Gläubiger äußern. Einen Sprecher ließ der Insolvenzverwalter aber mitteilen: „Unser Ziel ist nach wie vor die Entschuldung der KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH, für die der Insolvenzplan die Grundlage darstellt. Wie bereits mitgeteilt, wurden die Lizenzunterlagen sowohl für die 3. Liga als auch für die Regionalliga fristgerecht eingereicht."

Ob es weitergeht in Krefeld, wird sich Anfang Mai zeigen. Dann steigt die Gesellschafterversammlung, die den Insolvenzplan bestätigen muss. (fne)

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