Stale Solbakken führt Norwegen ins WM-Viertelfinale. Jürgen Klopp lobt den früheren Kölner anschließend vor allem für eine mutige Aktion.
Beim FC geflopptKlopp zieht den Hut vor Solbakken: „Geil“

Brasiliens Angstgegner Norwegen hat wieder zugeschlagen. Nach dem 2:1-Erfolg im Achtelfinale gegen die Selecao haben die Skandinavier erstmals in ihrer Geschichte das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft erreicht – auch, weil Stale Solbakken ein goldenes Händchen bewies.
Norwegens Nationaltrainer stand vor zweieinhalb Jahren nach der verpassten EM-Qualifikation schon vor dem Aus stand. Seitdem schreibt er eine Erfolgsgeschichte. Erstmals seit 1998, damals stand Solbakken noch als Spieler im Kader, führte er Norwegen zur WM. Dort wurde nun die bisherige Bestmarke, das Erreichen des Achtelfinals bei einer Endrunde, getoppt.
Klopp über Solbakken: „Das ist eine WAHNSINNS-Geschichte“
Das liegt vor allem an Superstar Erling Haaland, der gegen Brasilien einen Doppelpack erzielte und mit sieben WM-Toren mittendrin ist im heißen Rennen um die Torjägerkrone ist.
Von den zwölf Toren der Norweger hat Haaland mehr als die Hälfte geschossen. „Was auffällig ist, und das ist nicht negativ gemeint“, sagte MagentaTV-Experte Jürgen Klopp, „wie abhängig Argentinien von Lionel Messi ist, wie abhängig England von Harry Kane ist und wie abhängig Norwegen von Haaland ist. Was ein Spieler für einen Einfluss haben kann.“
Doch der wahrscheinliche neue Bundestrainer war nicht nur voll des Lobes für den Stürmerstar von Manchester City, sondern auch für Solbakken. Denn der frühere Coach des 1. FC Köln, der bei den Geißböcken wegen Erfolglosigkeit nicht mal eine ganze Saison durchhielt, hatte in der Halbzeitpause den richtigen Riecher.
Zur zweiten Halbzeit brachte Solbakken Andreas Schjelderup für den Leipziger Antonio Nusa und Oscar Bobb für Alexander Sörloth. Durchaus mutige Wechsel, schließlich gehören Nusa und Sörloth zu den größten Namen im Team. „Solbakken hat geil gewechselt, muss man sagen“, lobte Klopp: „Er bringt zur Halbzeit schon zwei neue Flügel!“ Schjelderup bereitete als Joker beide Haaland-Treffer vor.
Hier an der EXPRESS.de-Umfrage teilnehmen:
Wie weit geht es noch für Norwegen bei der WM?
Völlig zu Recht durfte sich also auch Solbakken von den Fans feiern lassen. Wie er mit hochgereckter Faust in die Kurve lief, erinnerte stark an seinen Jubel am 25. Spieltag der Saison 2011/2012, als er mit einem 1:0-Sieg gegen Hertha BSC seinen Job beim FC gerettet hatte – zumindest vorerst – und in fast identischer Pose vor der Kölner Südkurve jubelte.
Als Solbakken von seinem Team vor die Fans geschickt wurde, erzählte Moderator Johannes B. Kerner natürlich auch nochmal die persönliche Geschichte des Norwegers, der 2001 fast gestorben wäre. „Jetzt wird der Trainer vorgeschoben, der selbst '98 bei der WM in Frankreich für Norwegen mit dabei war. Der einen Herzstillstand erlitten hat auf dem Platz. Er war klinisch tot, lebt mit einem Herzschrittmacher“, berichtete Kerner.
Solbakken war damals beim Training mit dem FC Kopenhagen zusammengebrochen und sieben Minuten lang reanimiert worden. Seine Mutter plante im Flieger von Norwegen nach Kopenhagen gedanklich schon seine Beerdigung.
Doch der Familienvater überlebte, steht nun mit Norwegen im Viertelfinale. Nach dem Spiel zog es ihn zu seiner Frau Anniken und seiner Tochter, die ihn vor lauter Freudentränen gar nicht mehr loslassen wollten.

Copyright: IMAGO/NTB
Stale Solbakken küsste nach dem Spiel seine Frau Anniken.
„Das ist unglaublich auch für Solbakken. Das ist eine Wahnsinns-Geschichte. Das ist eine WAHNSINNS-Geschichte“, schwärmte Klopp: „Eine dieser wundervollen Fußball-Geschichten.“
Das ließ er Solbakken auch noch persönlich übermitteln – durch dessen Co-Trainer, der nach dem Spiel bei Klopp und Co. vorbeilief und den ehemaligen Coach von Mainz, Dortmund und Liverpool umarmte. „Ich habe ihm gesagt, er soll dem Trainer bitte schöne Grüße ausrichten: Hut ab!“
