Frauenfußball-KolumneZDF agiert fragwürdig: TV-Sendern fehlt der Mut

Die Spielerinnen aus Deutschland gehen nach dem Abpfiff über den Rasen.

Die DFB-Frauen nach dem Test-Länderspiel gegen Nürnberg am Dienstag (11. April 2023. Das TV-Thema beschäftigt den Frauenfußball weniger als 100 Tage vor der WM ganz besonders.

Licht und Schatten für das deutsche Frauen-Nationalteam bei den beiden Test-Länderspielen gegen Holland und Brasilien. Besondere Sorgen macht rund um die DFB-Auswahl derzeit das TV-Thema.

von Alina Ruprecht (aru)

Es ist Karfreitag (7. April 2023), kurz vor 20 Uhr: Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen betritt das Spielfeld im niederländischen Sittard.

In einem attraktiven, sowie wichtigen Testspiel gegen namhafte Gegnerinnen galt es vor der WM im Sommer, nochmals letzte Probleme zu korrigieren und mehr Routine zu etablieren. Doch zu viele Menschen in Deutschland wussten gar nicht, dass die hochkarätige Partie gegen die Niederlande überhaupt stattfand.

ZDF zeigt Frauen-Länderspiel nur im Stream

Warum? Das Spiel war nur per Livestream in Internet zu verfolgen. Nach diesem mussten Fans vermehrt lange suchen, da die Übertragung im Vorfeld kaum beworben wurde.

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In der Vergangenheit kam es zu ähnlichen Situationen, als das ZDF im vergangenen Februar zwei spannende Spiele der DFB-Frauen gegen die Weltmeisterinnen aus den USA ebenfalls lieber ins Internet verfrachtete.

Es scheint ein ewiges Wechselspiel zu sein: manche Partien des deutschen Teams kommen live zur Prime-Time im Fernsehen, und erreichen dann stets hohe Einschaltquoten. Die vergangenen Monate haben mehr als deutlich gezeigt, dass das Interesse am Fußball der Frauen da ist.

Das EM-Finale zwischen England und Deutschland war das meistgesehene TV-Ereignis im Jahr 2022. Mehr als 17 Millionen begeisterte Menschen verfolgten das Spiel live im Fernsehen. Das Testspiel gegen Frankreich verfolgten im Oktober zur Prime Time durchschnittlich 3,23 Millionen Menschen in der ARD.

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Andere Partien werden dagegen nur in lieblosen Livestreams gezeigt. Oft fehlt es an Vor- und Nachberichterstattungen. Auch „Halbzeitanalyse“ scheint im Zusammenhang mit Länderspielen der Frauen-Nationalmannschaft für viele Fernsehsender ein Fremdwort zu sein.

TV-Übertragungen der Frauen-Länderspiele oft mit zu wenig Aufwand

Lieber zeigt man den enttäuschten Fans tonlose „Gleich geht es weiter“-Einblendungen. Im Live-TV laufen zeitgleich Folgen von „Der Alte“ oder „Der Bergdoktor“. Diese Prioritäten werfen drängende Fragen auf. Auch hat sich bis heute kein deutscher Fernsehsender die Übertragungsrechte an der Fußball-WM der Frauen gesichert.

Das Turnier beginnt in weniger als 100 Tagen und die Fans sind nach wie vor im Unklaren darüber, wo und ob sie die Spiele in Deutschland verfolgen können.


Alina Ruprecht ist freie Autorin bei EXPRESS.de und kümmert sich in ihren Kolumnen um das Thema Frauenfußball. Sie ist Mitglied von FRÜF - Frauen reden über Fußball.


Zeitsprung: Am Dienstag spielte das DFB-Team in Nürnberg gegen Brasilien vor mehr als 30.000 Fans. Das Spiel wurde zwar live in der ARD übertragen, aber auch hier scheute man scheinbar lieber Kosten und Mühen, und beschränkte sich bei der Berichterstattung auf das Notwendigste.

Die Übertragung der Partie wurde beispielsweise bereits wenige Minuten nach Abpfiff beendet. Stattdessen zeigte man Werbung, im Anschluss dann die Tagesschau. Dabei war es ein besonderes Spiel: Fußball-Legende Dzsenifer Marozsán beendete nach 113 Partien und 33 Toren im DFB-Dress ihre internationale Karriere.

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Tränenreich wurde sie von ihren Teamkolleginnen und den deutschen Fans im Stadion verabschiedet. Es waren emotionale Augenblicke, die die Zusehenden vor den Fernsehbildschirmen gerne gesehen hätten. Doch die Szenen wurden nur noch auf Social Media verbreitet, im Live-Programm waren andere Dinge wichtiger.

Vor Frauen-WM: TV-Sender müssen mehr Überzeugung aufbringen

Die mediale Aufbereitung und Berichterstattung über den Fußball der Frauen trägt viel dazu bei, wie der Sport beim Publikum wahrgenommen wird. Nähmen die Fernsehsender den Fußball der Frauen ernst und gleichberechtigt wahr, und stünden sie sich endlich ein, dass das sichtbare Interesse der Öffentlichkeit keine Eintagsfliege ist, würde sich das entsprechend in der Berichterstattung widerspiegeln.

Werden wichtige Ereignisse, wie Marozsáns Abschied, nicht gezeigt, fehlen kundige Analysen oder Berichte, die im Fußball der Männer längst an der Tagesordnung sind, zeichnet das ein lustloses Bild. Dieses schadet im Umkehrschluss massiv dem Fußball der Frauen im Allgemeinen, sowie dessen Sichtbarkeit und sportlicher Anerkennung. Ja, die Spiele werden übertragen und sind zugänglicher als in vorherigen Jahren. Aber die Art und Weise der Berichterstattung reicht so bei weitem nicht.

Es fehlt nach wie vor an Konsistenz und Bemühungen der Medien, ernsthaft und gleichberechtigt über den Fußball der Frauen zu berichten. Bei Einschaltquoten, die mehrere Millionen betragen, ist es kein Argument mehr, dass sich niemand für den Sport interessiere und man deswegen die Berichterstattung auf das Minimum reduzieren würde. Wo also ist der Mut der Medien zum Fußball der Frauen in Deutschland? Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um ihn aufzubringen.