3

Erstes Duell nach langer ZeitFortuna gegen Fortuna: kuriose Transfers, erschrockene Trainer

Anthony Baffoe wird von Düsseldorfer Fans gefeiert.

Copyright: imago/Horstmüller

Anthony Baffoe wird von Düsseldorfer Fans gefeiert. Er spielte für beide Fortunas.

Aktualisiert:

Die Wege von Fortuna Köln und Fortuna Düsseldorf kreuzen sich am Sonntag zum ersten Mal seit vielen Jahren.

Es ist über 20 Jahre her, dass sich letztmals die Wege von Fortuna Köln und Fortuna Düsseldorf kreuzten. Es war ein Freitagabend im Südstadion, das Spiel der Oberliga Nordrhein endete 2:2. Richtig interessiert hat es niemanden. Köln befand sich im Niemandsland und Düsseldorf war längst aufgestiegen.

Zuvor war es zwischen beiden Vereinen wesentlich spannender, oft ging es um Auf- oder Abstiege und einmal um einen Transfer, der bundesweite Beachtung fand. Das war 1989. Düsseldorf hatte es nach zwei Jahren wieder zurück in die Bundesliga geschafft und rüstete im Sommer auf. Dabei bediente sich der Verein auch gleich doppelt in der Südstadt. Torjäger Uwe Fuchs wechselte die Seiten, viel berühmter war aber der Transfer von Anthony Baffoe.

Von Fortuna zu Fortuna: „Mein rechtes Bein gehört den Toten Hosen“

Da die Fortuna aus Düsseldorf noch nie dafür bekannt war, finanziell auf Rosen gebettet zu sein, war die Ablöse von 200.000 D-Mark schwer zu stemmen. Also traten erstmals die Toten Hosen als Fortuna-Gönner auf den Plan und zahlten die Hälfte. „Mein rechtes Bein gehört den Toten Hosen“, scherzte Baffoe damals. Die Investition lohnte sich: Düsseldorf hielt sich im Oberhaus zumindest für eine Weile.

Sportlich aufregend wurde es zwischen den beiden Fortunas in der Saison 1994/95. Nach dem Totalschaden mit Abstiegs-Durchmarsch von Liga 1 in 3 schickten sich die Düsseldorfer an, gleich wieder den umgekehrten Weg zu gehen. Daher reisten sie kurz vor Weihnachten voller Aufstiegs-Euphorie und mit riesigem Anhang ins Südstadion, wo die heimische Fortuna gerade ordentlich kriselte.

Wie sehr die Gäste-Fans in der Überzahl waren, offenbarte eine Szene aus der zweiten Halbzeit. Düsseldorf führte 1:0 und war klar besser, als ein paar Hundert Kölner begannen, sich an ihrem Trainer verbal abzuarbeiten. „Linßen raus“, riefen sie und auf einmal machten die Düsseldorfer einfach mit. Hannes Linßen erschrak sichtlich, und als er sich hektisch umdrehte, flog sein Haupthaar von der einen auf die andere Seite.

Diese Euphorie transportierte Düsseldorf bis ans Saisonende. Am vorletzten Spieltag ging es erneut gegen die andere Fortuna, diesmal im Rheinstadion. Düsseldorf befand sich als Tabellenvierter in Lauerstellung, benötigte einen Ausrutscher des Dritten Mannheim (zu dieser Zeit direkter Aufstiegsplatz, da es keine Relegation gab). Den leistete sich der Waldhof tatsächlich kurz vor Schluss, was in Düsseldorf zu großem Jubel führte, denn quasi zeitgleich sorgte Vlatko Glavas mit einem Elfmeter für den 3:1-Endstand. Eine Woche später stieg seine Mannschaft durch ein 2:0 in Chemnitz auf.

Drei Jahre später gab es das Fortuna-Duell dennoch wieder in der zweiten Liga. Und im Sommer 1998 gab es vor dem Saisonstart nur ein Thema – die rheinischen Klubs und ihre neuen Trainer. Die waren nämlich als Spieler alle Superstars gewesen. Der erstmals abgestiegene FC trat mit Bernd Schuster an, Fortuna Köln mit Toni Schumacher und Düsseldorf mit Klaus Allofs. Die beiden Letztgenannten trafen gleich am ersten Spieltag im Südstadion aufeinander. Das Spiel war eigentlich recht ausgeglichen, wurde aber durch ein kurioses Tor zugunsten der Kölner entschieden. Attila Dragoner zog fast von der Mittellinie ab und der Flattermann fand tatsächlich den Weg ins Tor 2:1, die Entscheidung.

Glücklich wurden aber beide Stars als Trainer nicht. Allofs musste während der Rückrunde gehen, Schumacher wurde legendär in der Halbzeitpause eines Spiels gegen Mannheim gefeuert.

Gegen Düsseldorf: Fortuna Köln wähnte sich schon fast aufgestiegen

2000/2001 waren die Vorzeichen noch einmal anders. Diesmal gab es das Duell in der damals drittklassigen Regionalliga Nord. Es war wieder mal der vorletzte Spieltag, an dem es Fortuna gegen Fortuna hieß. Diesmal aber war die Konstellation eine ganz andere: Köln kämpfte um den Aufstieg, Düsseldorf wehrte sich verzweifelt gegen den Abstieg. Das Spiel endete 2:1 für Köln, doch richtig aufregend wurde es danach. Eine Woche, nachdem Schalke zu früh die Meisterschaft gefeiert hatte, ließen die Kölner in der Kabine die Korken knallen. Konkurrent Babelsberg hatte in Münster 1:2 verloren, damit waren die Südstädter auf Platz 2 gesprungen und hatten eine Woche später den Aufstieg in der eigenen Hand.

Doch wenig später ereilte auch sie der Schalke-Schock: Es wurde bekannt, dass die Partie in Münster zwischenzeitlich über zehn Minuten unterbrochen war, weil ein Spieler der Gastgeber kollabiert war. Als die Kölner Fortuna das Spiel als beendet wähnte, lief es noch und Babelsberg drehte es noch zu einem 3:2-Sieg. Damit waren nun alle Fortunen bedient, egal aus welcher Stadt.

Eine Woche später gab es die letzte Chance, beide mussten sich gegenseitig helfen. Düsseldorf spielte in Babelsberg und benötigte ebenso einen Sieg wie Köln gegen Werder Bremen II, das noch von F95 abgefangen werden konnte. Klappte nicht, beide verloren ihre Spiele. Im Südstadion waren sie frustriert, bei den Düsseldorfern flossen Tränen. Aber sie sollten noch einmal davonkommen: Sachsen Leipzig war pleite und stieg freiwillig ab, zwei Wochen nach dem Spiel wurde bekannt, dass der SV Wilhelmshaven seine Lizenzunterlagen zehn Minuten zu spät gefaxt hatte – Zwangsabstieg! Mal sehen, wie wild und kurios es am Sonntagabend im Südstadion wird ...

Fortuna Kölns Trainer Matthias Mink schaut nachdenklich aufs Spielfeld.
Sieg in Unterzahl
Fortuna Köln feiert ersten Dreier nach Aufstieg in die 3. Liga