Sven Mislintat muss bei Fortuna Düsseldorf einen Scherbenhaufen zusammenkehren. Nur ein Drittel des Kaders hat noch Vertrag, die Einnahmen brechen derweil im Vergleich zur 2. Liga ein.
Kader-Fiasko in DüsseldorfFast die ganze Mannschaft weg: So plant Mislintat jetzt

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Sven Mislintat hat bei Fortuna Düsseldorf viel Arbeit vor sich.

Mit dem Abpfiff in Fürth ist für Fortunas Sportboss Sven Mislintat (53) der absolute Worst Case eingetreten. Durch den unerwarteten Abstieg hat der Verein zahlreiche Spieler verloren und steht aktuell nur mit zehn Akteuren da.
Vor dem „Diamantenauge“ liegt nicht nur ein großer Trümmerhaufen, sondern auch ganz schön viel Arbeit. Jetzt muss der angezählte Manager liefern. Konkret bedeutet das, dass die Verträge von gut zwei Dritteln des Kaders durch den Abstieg ausgelaufen sind.
Fortuna hofft auf Verbleib mehrerer Profis
Aus der aktuellen Mannschaft verbleiben nur Elias Egouli, Sima Suso, Satoshi Tanaka, Tim Oberdorf, Jordi Paulina, Kilian Sauck und Hamza Anhari. Zusätzlich dazu kommen dann noch die mit einem Profivertrag ausgestatteten Jugendspieler der Rot-Weißen.
Auf einen Schlag hat der Verein also einen Kaderwert von rund 30 Millionen Euro verloren. Leistungsträger wie Cedric Itten oder Anouar El Azzouzi können den Klub ablösefrei verlassen und werden sich sicher bereits nach einem neuen Arbeitgeber umsehen.
Für Mislintat ein schwerer Schlag: „Der Wertverlust mit dem Kader, der nach dem Abstieg noch übrig geblieben ist, ist extrem belastend und eine Riesen-Bürde.“ Nicht nur weil der Manager über die Hälfte seiner Spieler verloren hat, sondern auch weil er für die kommende Saison kreativ werden muss.
Trotz der großen finanziellen Einschnitte wie beim TV Geld (von 16 bis 17 Millionen Euro auf rund zwei Millionen Euro) wird er mindestens 15 neue Spieler verpflichten müssen.
Trotzdem zeigt sich der Sportboss kämpferisch: „Wir sind nicht mit einem blauen Auge davongekommen, sondern wir haben einen klaren Knockout bekommen. Jetzt ist die Frage, wie wir trainieren, damit wir im nächsten Kampf wieder anders dastehen.“
Dabei stellte Mislintat jedoch auch klar: „Das ist keine Reparaturarbeit, die man in einer Transferperiode macht.“ Eine Möglichkeit, schnell an Spieler zu kommen, sind die Profis, deren Vertrag regulär auslaufen wird. Akteure wie Florian Kastenmeier oder Matthias Zimmermann gelten als absolute Identifikationsfiguren und würden der Mannschaft beim Neustart sicherlich helfen.
Fortunas Sportboss beschäftigt sich damit: „Es gibt die Spieler, die da Bock drauf haben und auch die Spieler, die sich in einem solchen Szenario nicht sehen. Die Gespräche laufen. Ich bin rund um die Uhr genau in diesen Themen unterwegs und vergesse da auch die Jungs nicht, die bei uns Verträge hatten.“
Mislintat kann in Düsseldorf keine Aufstiegs-Garantie geben
Einige Transfers, die der Manager für die kommende Saison vorbereitet hatte, dürften durch die Katastrophe in Fürth geplatzt sein. Trotzdem hat sich Mislintat alleine schon wegen seiner Sorgfaltspflicht auch auf das Szenario Abstieg vorbereitet.
Dass daraus die bittere Realität werden würde, hat das „Diamantenauge“ jedoch nicht gehofft. Jetzt muss der Sportchef beweisen, dass er eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen bringen wird. Die Fans werden jedenfalls erwarten, dass die Fortuna mit dem neuen Kader schnell wieder oben angreift.
Für Mislintat steht aber eher die Entwicklung im Fokus: „Wir können alles schönreden und sagen: Morgen steigen wir auf! Unsere Ambition wird auch sein, maximal erfolgreich Fußball zu spielen, aber bis dahin haben wir echt noch einen Job zu machen und den müssen wir erstmal erledigen.“
Einen klaren Aufruf zum Aufstieg, wie von seinen Vorgängern Klaus Allofs und Christian Weber, wird es deswegen nicht geben: „Wir sagen auch nicht, dass wir 40 Punkte holen wollen, um in der 3. Liga zu bleiben. Das ist nicht unsere Ambition. Man wird von mir aber auch nicht hören, dass ich das Ergebnis plane für den 38. Spieltag nächstes Jahr.“
Der Manager weiß, was ihn und seinen neuen Kader in der kommenden Saison erwartet: „Die 3. Liga ist kein Selbstläufer. Wir müssen aufhören uns Dinge schön und großzureden, weil wir Fortuna Düsseldorf sind. Das nützt uns gar nichts. Als Absteiger hast du einen Weg zu gehen, der ist brutal.“
