Fortuna Düsseldorf erlebte gegen Greuther Fürth am letzten Spieltag der 2. Liga ein historisches Debakel. Aus einem Trümmerhaufen muss jetzt schnell ein frischer Kader geformt werden.
Nur zehn Spieler in der 3. Liga?Fortuna steht vor großem Scherbenhaufen

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Fassungslosigkeit nach dem 0:3 bei Greuther Fürth: Die Spieler von Fortuna Düsseldorf ließen nach dem besiegelten Abstieg in die 3. Liga die Köpfe hängen.

Viele Fortuna-Fans werden sich auch zwei Tage nach dem Abpfiff in Fürth wünschen, dass sie endlich aus dem Albtraum erwachen. Doch der unfassbar unnötige Abstieg in die 3. Liga ist bittere Realität.
Trainer Alexander Ende (46) bekam trotzdem das Vertrauen ausgesprochen und soll auch in der kommenden Saison bei Fortuna Düsseldorf an der Seitenlinie stehen. Der Kader gleicht aber einer Großbaustelle.
Fortuna-Coach Ende: „Jungs waren sehr enttäuscht und wütend“
Die Profis, die es verbockt haben, standen am Tag nach dem Debakel ratlos am Trainingsgelände. Den Akteuren stand der Schock noch immer ins Gesicht geschrieben. Viele von ihnen hatten schon ihre Sachen gepackt, Stürmer Cedric Itten (29) ging mit gesenktem Kopf und seinem schwarzen Koffer zum Auto.
Coach Ende verriet nach dem Teammeeting: „Wir sind zusammengekommen und jedem von den Jungs ging es wie mir. Sie waren sehr enttäuscht und wütend. All die Gefühle, die ich in mir trage, habe ich auch bei den Jungs wahrgenommen. Es war sicher das Gegenteil von ausgelassen.“
Für einige der Fortunen war es wohl das letzte Mal, dass sie ihre Mitspieler gesehen haben. In Kombination mit dem sportlichen Debakel war es deswegen besonders emotional: „Die Jungs waren schon sehr traurig. Da sind zum Abschied auch Tränen geflossen, das war schon emotional. Ich habe keinen wahrgenommen, der da Laisser-faire mit umgegangen ist und fröhlich durch die Katakomben gelaufen ist, wo ich das Gefühl hatte, dass es ihm am Arsch vorbeigegangen ist. Das habe ich nicht wahrgenommen.“
Wie niedergeschlagen die Spieler waren, konnte man ihnen ansehen. Besonders Itten und Matthias Zimmermann (33) – die durch ihre Gelbsperren nicht mehr in Fürth helfen konnten – waren am Boden zerstört. Beide wird man voraussichtlich nicht mehr im Trikot der Rot-Weißen sehen.
Auch der Trainer tat sich damit schwer den vermeidbaren K.o. am letzten Spieltag anzunehmen: „Die Verarbeitung wird noch ein paar Tage andauern. Das ist schwer und hart zu akzeptieren. Im Sport ist es so, dass es solche Situationen gibt, und trotzdem fühlt es sich wie ein Schlag in die Magengrube an. Damit haben wir erstens nicht gerechnet und zweitens war es auch zu verhindern“.
Trotz des historischen Absturzes nach 17 Jahren muss der Blick schnell wieder nach vorne gehen. Das große Problem dabei ist jedoch der Kader für die kommende Saison. Nur rund zehn Spieler besitzen einen gültigen Vertrag für die 3. Liga. Hinter der Zukunft von vielen Akteuren steht noch ein Fragezeichen. Die Arbeitspapiere von Shinta Appelkamp, Emmanuel Iyoha, Moritz Heyer, Matthias Zimmermann, Florian Schock und Florian Kastenmeier laufen in wenigen Wochen aus. Zudem soll der Abgang von Innenverteidiger Jordy de Wijs zu seinem Ausbildungsverein RKC Waalwijk in den Niederlanden feststehen.
Kapitän Kastenmeier ließ seine Zukunft kurz nach der Pleite am Sky-Mikrofon offen. Sichtlich betroffen erklärte der Torhüter: „Es liegt nicht nur an mir. Es gab bis jetzt keine Gespräche. Es müssen gewisse Leute gewisse Personalentscheidungen treffen. Dann können sie auch mit mir sprechen.“
Diese Personalentscheidungen muss Sportboss Sven Mislintat (53) nun treffen. Vor dem „Diamantenauge“ liegen arbeitsreiche Wochen, er muss aus dem Trümmerhaufen bis Anfang August einen neuen Kader formen. Weil nur wenige Akteure einen Vertrag für die 3. Liga besitzen, muss der Manager viele Gespräche führen. Auch finanziell wird die Kaderzusammenstellung eine große Herausforderung. Heute wird der Fortunaboss in einer Medienrunde erste Antworten für die Zukunft geben.
Klar ist auf jeden Fall, dass Ende die Truppe als Coach wieder aufbauen soll. Der Übungsleiter will den Blick nach vorne richten: „Man muss die Situation annehmen, wie sie ist. Dann musst du hart und schlau arbeiten, um eine neue Saison zu planen. Da willst du wieder erfolgreich Fußball spielen und die Arbeit beginnt heute und in den nächsten Tagen.“ Nach dem Spiel in Fürth ist allerdings auch klar, dass der Abstieg noch lange nachhallen wird. Die Verantwortlichen in Düsseldorf stehen vor einem großen Scherbenhaufen.
