FCK-Kapitän Jean Zimmer Ex-Fortune über Düsseldorf und Leidenszeit: „Komplett aus der Welt gerissen“

Jean Zimmer jubelt am 24. Mai 2022 mit einem Schal über den Aufstieg des 1. FC Kaiserslautern

Glückselig: Jean Zimmer jubelt am 24. Mai 2022 über den Aufstieg des 1. FC Kaiserslautern nach dem Relegationsspiel bei Dynamo Dresden.

Der 1. FC Kaiserslautern hat über die Relegation die Rückkehr in die 2. Bundesliga geschafft. Im EXPRESS.de-Interview spricht FCK-Kapitän Jean Zimmer über den großen Aufstiegs-Coup und Ex-Klub Fortuna Düsseldorf.

Der 1. FC Kaiserslautern ist zurück in der 2. Fußball-Bundesliga. Und ein Ex-Fortune hat daran großen Anteil: Jean Zimmer (28). EXPRESS.de hat mit dem FCK-Kapitän über den großen Erfolg in der Relegation gegen Dynamo Dresden, seine lange Leidenszeit und seine Beziehung zu F95 gesprochen.

Als wir Zimmer am Freitag (27. Mai 2022) telefonisch erreichen, ist seine Stimme etwas angekratzt: „Geschlafen habe ich die letzten Tage echt nicht viel – gesungen dafür umso mehr!“ Nach den Feierlichkeiten in Dresden und Kaiserslautern am Dienstag und Mittwoch ist er mit seinen Teamkollegen derzeit am Ballermann auf Mallorca, noch einmal die Sau rauslassen, bevor es dann mit Frau Sara und Töchterchen Charlotte in den Entspannungsurlaub geht.

Herr Zimmer, wieder Aufstieg in Dresden – wie 2018 mit Fortuna. Kamen da Erinnerungen hoch?

Jean Zimmer: Na klar! Ich saß fast auf dem gleichen Platz in der Kabine wie damals. Ich hatte viele Flashbacks am Dienstag!

Haben Sie denn schon realisiert, was Sie erreicht haben?

Zimmer: Das ist sehr schwer! Das wird noch ein paar Tage dauern. Jeder, der mich nach dem Spiel gesehen hat, weiß aber, was mir das bedeutet. Mich hat dieser Moment komplett aus der Welt gerissen – unglaublich. Es waren so viele Emotionen da – dann noch meine persönliche Geschichte dazu...

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Sie sprechen es an. Sie haben sich die Saison davor trotz einer Darmerkrankung für Ihren FCK aufgeopfert, diese Saison dann dafür den Preis bezahlt, fielen lange aus. Wie schwer war diese Zeit?

Zimmer: Das war schon extrem. Fußball kam bei mir immer direkt hinter der Familie. Mittlerweile hat die Gesundheit aber auch einen höheren Stellenwert eingenommen. Das hat mich in dieser Hinsicht schon nachdenklicher gemacht. Die Zeit im Krankenhaus war hart und hat mich noch mal mehr für den Umgang mit meinem Körper sensibilisiert.

Jean Zimmer im Zweikampf mit Joelinton

Jean Zimmer (r.) im Bundesliga-Spiel für Fortuna Düsseldorf am 15. September 2018 gegen Hoffenheims Joelinton.

In den Relegationsspielen waren Sie dann wieder 180 Minuten dabei. Wie schön fühlt sich dieses Happy End an?

Zimmer: Gerade als Kapitän der Truppe ist das schon speziell. Am Anfang der Reha im März hätte ich mir das nicht erträumen können, aber das war dennoch mein Ziel! Dieser Anreiz, in der Schlussphase der Saison noch mal helfen zu können, hat mich enorm gepusht. Das war so fest in meinem Kopf verankert. Ich war echt verbissen. Ich möchte mich da auch wirklich ganz speziell bei meiner Familie bedanken, sie hat mich mit vielen Stimmungsschwankungen ertragen müssen und mich durch diese schwierige Zeit getragen. Überragend!

Im Winter der Saison 2020/2021 sind Sie von Fortuna zurück zu ihrem Herzensverein in die Pfalz gewechselt. Für viele war das ein romantischer Schritt, aber eben auch ein Rückschritt in die 3. Liga. Wie bewerten Sie das nun?

Zimmer: Im Endeffekt: Sportlich hätte es nicht besser laufen können. Erst haben wir das große Ziel Klassenerhalt gepackt, jetzt feiern wir diesen geilen Aufstieg. Ich habe nicht alle Spiele gemacht, aber auch meinen Anteil auf dem Feld beigesteuert. Generell habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Gestern hat mich hier auf Malle ein Nürnberg-Fan angesprochen, der meinen Weg verfolgt hat und mir gut zugesprochen hat. Es ist schon sehr schön, dass man merkt, dass Fans diese Fußball-Nostalgie wertschätzen.

Was bedeutet Ihnen denn nun dieser Aufstieg mit ihrem Herzensklub?

Zimmer: Stolz ist der Überbegriff: Stolz auf unsere Leistung, Stolz auf diesen Klub, der jetzt wieder zweite Liga spielt. Und Stolz, Teil dieser Fans zu sein. Was die da in den vergangenen Wochen abgerissen haben, ist brutal.

Diese Wucht der Fans. Beschreiben Sie das mal.

Zimmer: Für mich sind da eben auch viele Freunde und Bekannte dabei. Ich freue mich, in den Block zu schauen und die bekannten Gesichter zu sehen. Ich weiß auch, wie viel Arbeit und Geld in diesen fantastischen Choreos steckt. Das ist schon Wahnsinn. Ich bin froh, dass wir für diesen enormen Aufwand etwas zurückgeben konnten.

Das Ziel wird nun der Klassenerhalt sein. Was muss passieren, damit das klappt?

Zimmer: Wir müssen das fortführen, was wir dieses Jahr gestartet haben. Der Betze muss wieder eklig sein. Da muss jeder Gegner hinfahren und sich denken: ‚Da hab’ echt ich keinen Bock zu spielen.‘ Diese Geschlossenheit zwischen Mannschaft und Fans diese Saison war sehr geil. Das muss auch dann noch so sein, wenn mal Misserfolge kommen sollten. Wir brauchen die volle Unterstützung, und wir müssen weiter so eklig spielen wie in den Relegationsspielen.

Jetzt geht es dann auch gegen Fortuna. Verfolgen Sie Ihren Ex-Klub noch?

Zimmer: Natürlich, soweit sie nicht parallel mit uns spielen, gucke ich die Spiele. Rouwen (Hennings, Anm. d. Red.) ist ein sehr enger Freund, der Draht zur Fortuna ist noch da. Ich freue mich auf das Spiel in Düsseldorf, auf das Stadion und die Fans. Das wird ein Fest! Meine Frau und ich haben uns in der Stadt immer wohlgefühlt, wir sind im Guten gegangen.

Ist noch Kontakt zu F95-Fans da?

Zimmer: Auf jeden Fall. Ich habe bei meinem Wechsel schon sehr viele Nachrichten bekommen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber die Leute haben wohl honoriert, dass ich immer Vollgas gegeben habe, wenn ich auf dem Rasen stehen durfte. Wir hatten ja auch wirklich geile Zeiten, ich denke gerne an die erste Bundesliga-Saison an die geile rechte Seite mit „Zimbo“ zurück. Auch jetzt haben mir viele Fortunen geschrieben und zum Aufstieg gratuliert. Das hat mich sehr gefreut und mir gezeigt, dass ich bei Fortuna wohl vieles richtig gemacht habe.

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