„Brutale Entscheidungen“Halbfinal-Hit in Leverkusen: Streicht Thioune diese fünf Fortuna-Profis?

Fortuna Düsseldorfs Trainer Daniel Thioune steht im Spiel beim 1. FC Kaiserslautern nachdenklich an der Seitenlinie.

Fortuna Düsseldorf und Trainer Daniel Thioune treffen im Halbfinale des DFB-Pokals auf Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen. Hier steht der Coach am 30. März 2024 beim Spiel in Kaiserslautern an der Seitenlinie.

Fortuna Düsseldorf tritt im Halbfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen an. Vor der Partie sprachen Trainer Daniel Thioune und Sportdirektor Christian Weber über die Chancen aufs Finale.

von Anton Kostudis (kos)

Es ist das absolute Highlight-Spiel der bisherigen Saison: Fortuna Düsseldorf tritt am Mittwochabend (3. April 2024, 20.45 Uhr) im Halbfinale des DFB-Pokals beim Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen an. Und die Fans der Rot-Weißen träumen von der großen Sensation.

Erstmals seit 44 Jahren könnte die Fortuna wieder in ein Pokal-Finale einziehen. Seinerzeit, am 4. Juni 1980, sicherten sich die Düsseldorfer durch ein 2:1 gegen den rheinischen Rivalen 1. FC Köln den Pott.

DFB-Pokal: Fortuna Düsseldorf will Sensation bei Bayer Leverkusen

Allerdings: Auf dem Papier ist die Fortuna gegen den in dieser Saison noch ungeschlagenen Erstliga-Primus krasser Außenseiter. Das weiß auch Fortuna-Coach Daniel Thioune (49). „Wir alle in Fußball-Deutschland schauen gerade mit viel Respekt nach Leverkusen“, erklärte der Düsseldorf-Trainer am Dienstag (2. April).

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Thioune weiter: „Wenn Sie mich vor ein paar Jahren gefragt hätten, dann hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass wir als Zweitligist neun von zehn Spielen gegen Leverkusen verlieren.“ Mit dem Amtsantritt des spanischen Trainer-Durchstarters Xabi Alonso (42) beim rheinischen Nachbarn zu Saisonbeginn habe sich diese Wahrscheinlichkeit jedoch noch mal verändert. „Seit Xabi Alonso da ist, ist das eine andere Bayer-Mannschaft. Aktuell würde ich daher sagen: Von 100 Spielen würden wir 99 verlieren“, führte Thioune weiter aus, ergänzte aber mit einem Augenzwinkern: „Es ist trotzdem noch ein kleiner Prozentsatz da, dass es möglich ist.“

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In Sachen Personal musste Thioune vor dem Halbfinal-Hit derweil keine weiteren Hiobsbotschaften verkünden – im Gegenteil. Zwar fallen Linksverteidiger Nicolas Gavory (29, muskuläre Probleme) und Abwehr-Youngster King Manu (20, Kniebeschwerden) weiter aus. Doch in Mittelfeld-Arbeiter Marcel Sobottka (29) meldete sich zu Wochenbeginn noch ein weiterer Akteur rechtzeitig fit.

Fortuna Düsseldorf: Thioune muss „brutale“ Kader-Entscheidung treffen

Das allerdings stellt Thioune nun auch vor ein handfestes Problem: Denn während der Coach über viele Seuchen-Monate hinweg froh gewesen war, wenn er seinen Spieltags-Kader überhaupt voll bekommen hatte, muss er einigen seiner Schützlinge nun eine bittere Nachricht überbringen.

Denn: 20 Spieler darf der Düsseldorf-Trainer am Mittwochabend auf den Spielberichtsbogen schreiben. 25 nominelle und fitte Profis stehen ihm jedoch zur Verfügung. „Es sind brutal schwere Entscheidungen“, gab Thioune zu. Sicher ist, dass Ersatz-Keeper Dennis Gorka (21) und der noch verletzte Mittelfeld-Youngster Daniel Bunk (20, Schlüsselbeinbruch) den Sprung ins Aufgebot nicht schaffen werden. Allerdings muss Thioune noch drei weitere Akteure enttäuschen.

Ein weiterer Streich-Kandidat ist dabei Jung-Profi Sima Suso (18). Der Mittelfeld-Akteur sammelte nach überstandenem Innenbandteilanriss im Knie am vergangenen Samstag (30. März) 45 Minuten Spielpraxis bei der Regionalliga-Mannschaft, half mit, einen 4:2-Erfolg gegen Rot Weiss Ahlen einzufahren. Der Traum vom Pokal-Kracher in Leverkusen wird für ihn am Mittwochabend aber wohl nicht in Erfüllung gehen.

Darüber hinaus wird es aber noch zwei „gestandene“ Profis treffen. Womöglich sogar Trainings-Comebacker Sobottka. „Ich werde mit Marcel das Gespräch noch einmal suchen. Er glaubt, dass es kräftemäßig kein Problem ist“, sagte Thioune, der jedoch ankündigte: „Ich werde dann entscheiden, ob es sinnvoll ist für den Kader.“

Ansonsten könnte Thioune noch einen seiner fünf Innenverteidiger oder aber einen zentralen Angreifer aus dem Kader nehmen. Abwehr-Youngster Joshua Quarshie (19) und der zuletzt in der Liga zweimal ohne Einsatzminuten gebliebene Winter-Zugang Christoph Daferner (26) wären die naheliegendsten Kandidaten.

Klar ist: Thioune wird die finale Entscheidung wohl noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Zumal der Coach betonte: „Auf der einen Seite bin ich Mensch und ich weiß, dass manche Entscheidung, die ich treffe, verletzt. Und wenn ich einen Spieler nicht für den Kader nominiere, dann wird er mir sicher nicht in die Arme fallen. Das will ich auch gar nicht.“

Dennoch muss Thioune sich festlegen: „Da bin ich dann rational. Ich habe mich entschieden, in meinem Job Entscheidungen zu treffen. Das müssen die Spieler dann respektieren. Ob sie es akzeptieren, das müssen wir dann mal abwarten.“

Davon, dass die Partie für seine Jungs eine einmalige Gelegenheit sein wird, will der Düsseldorf-Trainer derweil nichts wissen. „Keiner meiner Spieler sollte ausschließen, dass er in der nächsten Saison wieder im Halbfinale des DFB-Pokals steht. Und auch nicht für die Zukunft. Man sollte als Fußballer nie etwas ausschließen“, stellte Thioune klar.

Derweil weiß Thioune natürlich um die enorme sportliche Herausforderung gegen die Werkself, die unter Alonso in dieser Saison wettbewerbsübergreifend in 39 Partien ungeschlagen geblieben ist (34 Siege, fünf Remis). „Wir haben maximalen Respekt. Wir gehen demütig in das Spiel“, erklärte der Fortuna-Trainer und ergänzte: „Letztendlich entscheidet auch der Gegner darüber, ob man eine Taktik umsetzen kann. So ehrlich wollen wir sein: Ihre individuelle Qualität ist deutlich höher als unsere. Also wird Bayer Leverkusen darüber entscheiden, wie das Spiel morgen läuft.“

Fortuna Düsseldorf: Daniel Thioune träumt vom Finale des DFB-Pokals

Schon im Vorfeld geschlagen geben will sich der Düsseldorf-Coach freilich nicht. „Es ist eine Riesen-Möglichkeit für uns. Ich rechne mir schon etwas aus, dass ich danach nicht mehr in der Verlosung bin, aber noch ein Auswärtsspiel habe.“ Thioune erklärte mit zudem einem Lächeln: „Man kann gegen Leverkusen verlieren, muss man aber nicht.“

Ob allein mit dem Erreichen des Halbfinales für den Fortuna-Trainer schon ein kleiner Traum in Erfüllung gehe? Thioune: „Mein Traum ist es, am 25. Mai irgendwann abends im Olympiastadion mit dem goldenen Ding zu sitzen. Das ist mein Traum.“ Der Düsseldorf-Coach stellte weiter klar: „Ich habe nie davon geträumt, im Halbfinale zu stehen. Sondern ich will dann auch bis ans Ende kommen. Bei allem Respekt vor dem Gegner: Wir werden alles dafür tun, ich werde alles dafür tun.“

Sportdirektor Christian Weber (40) ist sich des Rückhalts der Fortuna-Fans derweil sicher: „Es ist ein ganz, ganz besonderes Spiel. Wir können etwas Historisches erreichen. Die Vorfreude in der Stadt und im Umfeld ist deutlich zu spüren. Wir sind maximal motiviert, den Leverkusenern einen harten Kampf zu liefern.“

So könnte Fortuna Düsseldorf bei Bayer Leverkusen spielen: Kastenmeier – Zimmermann, Siebert, de Wijs, Iyoha – Engelhardt – Klaus, Tanaka, Johannesson, Tzolis – Vermeij.