„Ist nervig, wir sind sauer“ Flick muss gegen England liefern: Stimmungs-Finale in Wembley

Bundestrainer Hansi Flick (M) und die Spieler Serge Gnabry (l-r), Benjamin Henrichs und Timo Werner stehen während des Trainings im Stadion.

Hansi Flick versucht beim Abschlusstraining der Nationalmannschaft am 25. September 2022 die Stimmung seiner Sorgenkinder Serge Gnabry (l.) und Timo Werner zu bessern. Dazwischen Benjamin Henrichs.

Die EM-Revanche soll zum WM-Mutmacher werden. Im Duell der Enttäuschten bei Nations-League-Absteiger England muss Hansi Flick die plötzlichen Zweifel am Nationalteam ganz rasch beseitigen.

Von ihren Zimmern im Hilton-Hotel können die deutschen Nationalspieler jederzeit den Ort des Geschehens sehen. Direkt neben dem Wembley-Stadion verbringen die DFB-Kicker die Zeit vor dem letzten wichtigen Testlauf vor der WM.

Das Duell gegen England am Montag (26. September 2022, 20.45 Uhr, RTL) hat für die Tabelle in der Nations League keine Bedeutung mehr. Dennoch ist das Traditionsduell vor 90.000 Fans in London ein echtes Stimmungsfinale für Hansi Flick (57).

Acht Wochen vor WM-Start will Flick gegen England eine Reaktion sehen

Im 15. Länderspiel als Bundestrainer will er eine Reaktion auf die 0:1-Niederlage gegen Ungarn sehen und zudem bei den deutschen Fans ein gutes Gefühl vor der WM hinterlassen. „Es hat uns alle mitgenommen, das war nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Daher haben wir was gutzumachen nach dem Spiel am Freitag gegen Ungarn und das wollen wir auf dem Platz zeigen“, sagte er nach der Ankunft in London.

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„Ich will eine Mannschaft sehen, die überzeugt ist, die weiß, was sie zu tun hat, die Spaß hat am Fußballspielen. Wenn das der Fall ist, kann man mehr Leistung abrufen. Gegen einen Gegner wie England wäre ein Erfolg umso schöner.“

Jamal Musiala: „Die Stimmung ist nicht die Beste nach Ungarn“

In gut acht Wochen steht der Turnier-Auftakt gegen Japan an. Da soll vorher noch einmal durch eine gute Generalprobe Rückenwind her. Dazu muss sein Team raus aus der Lethargie, vor allem die aus dem Verein verunsicherten Bayern-Stars. „Es ist immer wichtig, wenn man gewinnt. Das gibt der Mannschaft Vertrauen in ihre Qualität“, sagt Flick. „Was mir in der ersten Halbzeit gegen Ungarn gefehlt hat, war die Überzeugung. Ich hatte das Gefühl, jeder war ein bisschen unsicher in seinen Aktionen.“

Dem konnte Hoffnungsträger Jamal Musiala (19) zur zustimmen. „Die Stimmung ist nicht die Beste nach Ungarn. Es ist nervig, wir sind sauer, weil wir wissen, dass wir es besser können. Aber jetzt schauen wir nach vorne aufs England-Spiel. England hat viel Qualität, es ist für beide ein perfektes Spiel, beide wollen mit Selbstvertrauen in die WM gehen. Jeder war etwas geschockt über die letzten Resultate.“

Das Duell gegen England birgt aus mehrfacher Hinsicht Brisanz. In Wembley endete im Vorjahr für Deutschland die EM und für Joachim Löw (62) die Ära als Bundestrainer. Der Niederländer Danny Makkelie (39), der am Montag die Partie leitet, pfiff auch bei der EM-Niederlage. Eine weitere Pleite wäre schwerwiegender Ballast vor Katar. Flick ließ am Sonntag schon einmal kurz die leere Arena auf sich wirken – „eines der schönsten Stadien auf dieser Erde“, sagte er.

„Wir wollen Wiedergutmachung, zu unserem Spiel finden und natürlich Vertrauen sammeln“, fordert Oliver Bierhoff (54). „Wir müssen mehr an uns glauben. Und da hilft so ein Spiel gegen Ungarn nicht. Da müssen wir schauen, dass wir gegen die Engländer bestehen und auch die Dinge umsetzen, die von den Trainern gefordert werden“, lautete der klare Appell des DFB-Direktors.

Flick will seine Spieler nicht noch durch zu starke Forderungen weiter unter Druck setzen. „Wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, dann fällt auf, dass die Mannschaft verunsichert war. Es geht darum, den Spielern das Vertrauen zu schenken, sie zu stärken. Wir wissen, dass die Spieler auch noch ein paar andere Dinge im Kopf haben“, sagt er angesichts des harten Programms, dass noch bis zur WM auf seine Kicker wartet.

Hansi Flick kennt das harte Programm seiner Spieler bis zur WM

13 Pflichtspiele in sechs Wochen stehen noch in den Vereinen an. „Auch Spanien hat gegen die Schweiz verloren. Viele Nationen haben Spieler, die auch Champions League spielen und eine hohe Belastung haben. Wenn am Ende der 26-Mann-Kader feststeht, dann bin ich der Überzeugung, dass das nochmal einen richtigen Schub gibt.“ Aber vorher soll in Wembley noch der WM-Schub her.

Die voraussichtliche Aufstellung Deutschlands im Duell gegen England: ter Stegen - Kehrer, Süle, Schlotterbeck, Gosens –Kimmich, Gündogan - Müller, Musiala, Sané - Havertz.

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