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Bayern-Krise Nagelsmann kleinlaut, Kahn tobt, Salihamidzic schimpft – und Tuchel lauert

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann steht im Stadion des FC Augsburg.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann schaut nachdenklich. Das Foto entstand am 17. September 2022 beim Spiel in Augsburg.

Der FC Bayern hat beim FC Augsburg 0:1 verloren. Nach drei Unentschieden zuvor brennt beim Rekordmeister zum Wiesn-Auftakt der Baum. Trainer Julian Nagelsmann wirkt angeschlagen. Ein potenzieller Nachfolger hätte Zeit.

„Der Trend heißt nichts Gutes. Über alles denke ich nach – über mich, über die Situation, über alles“ – der sonst so wortgewaltige Bayern-Coach Julian Nagelsmann (35) gab sich nach der 0:1-Pleite in Augsburg äußerst kleinlaut. Nach den jüngsten Unentschieden in der Bundesliga hatte er noch großspurige Töne angeschlagen. Doch die Niederlage bei Abstiegskandidat Augsburg hat beim Münchner Trainer offensichtlich Spuren hinterlassen.

Uli Hoeneß (70), immer noch allgegenwärtiger Bayern-Boss im Hintergrund, pflegte in solchen Situationen auf den Trend zu verweisen. „The trend is your friend“, sagte Hoeneß gerne. Doch der Trend ist derzeit nicht der Freund der Bayern und von Nagelsmann. Nach drei Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach, Union Berlin und den VfB Stuttgart setzte es am Samstag (17. September 2022) die erste Niederlage der Saison.

„Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, jetzt müssen Siege her!“

Erstmals seit 87 Bundesliga-Spielen blieben die Bayern ohne eigenen Treffer, auf der Tribüne tobte Vorstandsboss Oliver Kahn (53), litt für alle sichtbar unter der Leistung der Mannschaft. Nach dem Spiel äußerte sich Kahn nicht. Kein besonders gutes Zeichen für Nagelsmann. Dafür sprach Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45). 

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„Die Stimmung ist am Boden“, sagte Salihamidzic ernüchtert. Der Bayern-Boss wurde gefragt, was die erste Saisonniederlage für Nagelsmann bedeute. „Genau das Gleiche, was es für uns alle bedeutet“, sagte er und stellte dann ein Ultimatum: „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, jetzt müssen Siege her!“

Und das Programm der Bayern hat es in sich. Nach der Länderspielpause geht es in zwei Wochen zunächst gegen Bayer Leverkusen und dann zum Klassiker nach Dortmund, anschließend kommen die unbequemen Freiburger nach München.

„So können wir die Spiele in der Bundesliga nicht gewinnen“

Salihamidzic fordert eine sofortige Wiedergutmachung. „Wir müssen das Zielwasser trinken und dann diszipliniert, fokussiert und gierig, Tore zu machen, in die Spiele gehen“, sagte er, „weil so können wir die Spiele in der Bundesliga nicht gewinnen“.

Und wie soll die Trendwende gelingen? „Wenn ich die Statistik sehe, hätten wir gewinnen müssen. Nach dem 1:0 war es sehr schwer, wir hätten mit simplen Mitteln den Raum hinter der Kette bespielen können, haben aber sehr viele Überzahlsituationen hergeschenkt und im letzten Drittel sehr laissez-faire gespielt“, fasste Nagelsmann seine Gefühlswelt nach dem 0:1 beim FC Augsburg zusammen. Ob diese Art der Analyse allerdings Früchte trägt, bleibt abzuwarten. Schließlich verweist Nagelsmann seit Wochen darauf, dass seine Mannschaft die Spiele hätte gewinnen müssen. Tat sie aber nicht. 

Ein Grund dafür ist die mangelnde Chancenverwertung. Der Abgang Robert Lewandowski (34) wiegt deutlicher schwerer als gedacht. Es fehlt ein echter Torjäger. Leroy Sané (26), Sadio Mané (30), Jamal Musiala (19) und auch Thomas Müller (33) haben nicht die eingebaute Tor-Garantie, wie sie der polnische Torjäger jahrelang zur Schau stellte. Die Bayern brauchen einfach viel zu viele Chancen.

Doch die fehlenden Treffer scheinen nicht das einzige Problem der Bayern zu sein. Denn schon in der abgelaufenen Rückrunde schwächelten die Nagelsmann-Bayern auffällig oft, der Tiefpunkt war dabei das peinliche Aus in der Champions League gegen den spanischen Vertreter FC Villarreal. Und da war Lewandowski ja noch da. Es fehlt eine echte Spielidee, ein echter Taktgeber im Mittelfeld – wie einst Thiago (31) – würde der Balance des Bayern-Spiels guttun.

Tuchel, Pochettino oder Zidane? Wer könnte auf Nagelsmann folgen

Doch die Transferphase ist bereits beendet, personell nachlegen kann der Serienmeister der vergangenen Jahre erst wieder im Winter. Anders auf der Trainerposition, da sind Wechsel ganzjährig erlaubt. Und in Thomas Tuchel (49) steht der begabteste deutsche Trainer nach seinem Rauswurf beim FC Chelsea theoretisch schon bereit. Ob sich die Bayern jedoch den nicht als besonders pflegeleicht geltenden Tuchel ins Haus holen, ist zumindest fraglich.

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Weitere klangvolle Namen, die bereits im Umfeld kursieren, sind Zinedine Zidane (50, zuletzt Real Madrid) und Mauricio Pochettino (50, zuletzt Paris Saint-Germain). Beiden wird zugetraut, die Stars aus der Bayern-Kabine hinter sich zu bringen, doch bei beiden gibt es eine nicht zu verachtende Sprachbarriere.

Doch so weit ist es ohnehin noch nicht. Noch wird intern nicht an Nagelsmann gerüttelt, aber die Zweifel dürften größer werden. In der Länderspielpause haben die Bayern genügend Zeit, um sich um einen Plan B für den Fall der Fälle zu kümmern. Klar ist: Bei einer weiteren Niederlage in der Bundesliga gegen Leverkusen oder in Dortmund wird es eng für Nagelsmann in München.

„Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit irgendwelchen anderen Trainern. Wir sind von Julian total überzeugt“, sagte der Oliver Kahn am Sonntag beim Besuch des deutschen Fußball-Rekordmeisters auf dem Oktoberfest.

Natürlich sind wir alle unzufrieden, übel gelaunt“, räumte der 53-Jährige ein und kündigte eine intensive Analyse der sportlichen Situation an. „Wir müssen dem Ganzen auf den Grund gehen. Und gehen sie davon aus, dass sobald es wieder losgeht gegen Leverkusen, wir voll angreifen werden und auch voll angreifen müssen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. (can)

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