Das Gebaren von Fifa-Boss Gianni Infantino entsetzt auch dessen Vorgänger. „Er regiert wie ein Sonnenkönig“, schimpft Sepp Blatter.
Gerüchte aus der Fifa-ZentraleBlatter ledert gegen Nachfolger Infantino: „Komplize“
Sepp Blatter (89) war als Fifa-Präsident selbst nicht unumstritten. Was sein Nachfolger veranstaltet, macht den Schweizer aber fassungslos.
Der ehemalige Boss des Fußball-Weltverbandes kritisierte Gianni Infantino (55) nun in einem Interview als selbstherrlich und unterwürfig.
Blatter packt über Infantino-Gerüchte aus: „Ich habe aus der Fifa gehört ...“
„Er regiert wie ein Sonnenkönig. Ich habe aus der Fifa gehört, dass er nicht begrüßt werden will, wenn er in der Fifa-Zentrale auftaucht, was selten der Fall ist. Weil ihn irgendwann jemand mit ‚Bonjour, Monsieur Blatter‘ angesprochen haben soll“, meinte Blatter zur „Sport Bild“ in einem Interview. Infantino schotte sich „total ab. Aber der Fußball wird auch Infantino überleben.“
Blatter ist empört über den Zustand des Fußball-Weltverbandes. „Wer ist heute die Fifa? Sie besteht nur noch aus ihrem Präsidenten Infantino. Die Fifa ist eine Diktatur! Der Fifa-Rat mit fast 40 Personen hat nichts zu sagen“, meinte Blatter weiter.
Blatter war von 1998 bis 2015 selbst Fifa-Präsident. Infantino ist sein Nachfolger. Blatter, der am 10. März 90 Jahre alt wird, war im Zuge von Korruptionsermittlungen abgetreten. Seine Amtsführung war ebenfalls hochumstritten.
Blatter kritisierte weiter, wie sich Infantino und vor allem US-Präsident Donald Trump vor der WM in den USA, Mexiko und Kanada im Sommer in der Öffentlichkeit geben würden. „Natürlich wird sich Trump inszenieren, das macht er doch jetzt schon! Dafür braucht er seinen neuen Freund, den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino“, sagte Blatter. „Wobei der Ausdruck ‚Komplize‘ besser passt als ‚Freund‘.“
Blatter nimmt Infantino gegenüber Trump als hörig wahr. „Als unterwürfig“, bezeichnete es der langjährige Fifa-Boss. „Der Friedenspreis für Trump ist eine unverständliche Angelegenheit. Infantino biedert sich bei Trump an, weil er ihn braucht.“
Blatter hat nach jahrelangem Streit mit der Fifa noch ein großes Ziel. „Ich möchte auf dem Fifa-Kongress verabschiedet werden – ehrenhaft. Ich bin de jure nie zurückgetreten oder abgewählt worden, sondern habe mein Amt 2015 zur Verfügung gestellt“, sagte er. „Mit einer ehrenhaften Verabschiedung wäre die Ära Blatter bei der Fifa endgültig vorbei.“ (dpa)

