Rekorde, Emotionen und reichlich Kritik: Kaum eine Weltmeisterschaft hat so unterschiedlich polarisiert wie diese. ZDF-Kommentator Oliver Schmidt verabschiedete sich mit gemischten Gefühlen aus dem Turnier.
„Abscheu und Abneigung“Bitterer Abschied von ZDF-Kommentator bei der WM

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ZDF-Kommentator Oliver Schmidt kommentierte das Finale der WM 2026 live.
Nach Mitternacht deutscher Zeit ging am Montag (20. Juli 2026) die längste Weltmeisterschaft aller Zeiten zu Ende. 39 Tage lang rollte in den USA, Mexiko und Kanada der Ball, die mit Spannung erwartete XXL-WM ging mit gemischten Gefühlen über die Bühne.
Volle Stadien und herausragende Auftritte der größten Stars des Sports gehörten zu den positiven Seiten der Endrunde, die verweigerte Einreise für einen Schiedsrichter sowie zahlreiche politisch geprägte Nebenschauplätze sorgten aber auch für mehrere Tiefpunkte.
Schmidt bei WM-Finale im und nach dem Spiel kritisch
Besonders kritisch gesehen wurde dabei der Wirbel um die Rücknahme der Roten Karte für Folarin Balogun (25) nach einem Telefonat von Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) mit US-Präsident Donald Trump (80). Ein Vorgang, der bei vielen Beobachtern Zweifel an der Unabhängigkeit des Turniers aufkommen ließ.
Zum Ende seiner Reportage des WM-Endspiels verabschiedete sich ZDF-Kommentator Oliver Schmidt (54) daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Turnier.
„Meine Liebe zum Fußball ist am Ende größer als die ganze Abscheu und Abneigung gegen das Geschäft mit diesem tollen Sport“, sagte der ZDF-Kommentator.
Damit brachte er den Zwiespalt auf den Punkt, der die längste Weltmeisterschaft über weite Strecken geprägt hatte: große Begeisterung auf dem Platz und auf den Rängen, aber gleichzeitig viel Kritik an den Begleitumständen des Turniers.
Vor allem die zunehmende Kommerzialisierung des Sports zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Viel Fans störten sich über die unverschämten Ticketpreise hinaus auch an der stark von den USA geprägten Inszenierung, durch die der Fußball immer wieder in den Hintergrund gerückt wurde.
Das wohl deutlichste Beispiel war die mehr als 27 Minuten lange Halbzeitpause im Finale, die hauptsächlich für eine große Show genutzt wurde und mit dem eigentlichen Charakter des Spiels nur noch wenig zu tun hatte.
ZDF-Kommentator Schmidt lobt Fans bei der WM 2026
Im Sinne des wahren Geistes der WM hob Schmidt aber auch einen der positiven Aspekte des Turniers hervor, wenngleich auch der mit einem bitteren Beigeschmack verbunden war: „Die wahren Fans auf den Straßen haben es gezeigt, die Tartan Army, die Fans in Mexiko. Auch viele, die nicht gekommen sind zur inklusivsten WM, die nicht so inklusiv war, die eher exklusiv war, was die Ticketpreise, den Zugang zu den Stadien angeht.“
Dass die Weltmeisterschaft auch in den Stadien zahlreiche emotionale Momente bot, lag an engagierten Fans und deren Liebe zum Spiel. In die Herzen jubelten sich unter anderem die Norweger, die gemeinsam mit ihren Spielern ruderten, oder die Engländer, die nach Siegen „Wonderwall“ von Oasis anstimmten. Diese Bilder gingen um die Welt und werden wohl noch lange in Erinnerung bleiben.
Zu den negativen Aspekten, die Schmidt auch während des Finals noch einmal hatte anklingen lassen, gehörten auf dem Platz auch die Situationen, in denen das Regelwerk nur eine untergeordnete Rolle spielte.
So wurde die Vorgabe, dass ausschließlich der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen darf, auf dem Platz immer wieder missachtet. Stattdessen diskutierten häufig mehrere Spieler gleichzeitig mit dem Unparteiischen, ohne dass konsequent eingegriffen wurde.
„Warum sollte man jetzt im Finale damit anfangen?“, fragte Schmidt fast schon resigniert, als der Unparteiische von mehreren Argentiniern belagert wurde, die Situation aber, wie die Kollegen in den vorigen 103 Turnierspielen, gewähren ließ.
