Es war angerichtet am Donnerstagabend in der Kölner Volksbühne am Rudolfplatz.
Großes Theater bei Calli in der VolksbühneIn Tünns Traumelf hat Poldi nichts zu suchen

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Bei Reiner Calmund auf der Bühne plauderte Toni Schumacher (l.) aus dem Nähkästchen, Thomas Helmer moderierte die Veranstaltung.

Kein Stuhl im Saal war mehr frei, drei Sessel standen auf der Bühne, Fußballtrikots hingen auf einer Kleiderstange, und die Schrift auf der Leinwand zeigte das Programm an: Reiner Calmund (77) – ein runder Abend mit Fußball und Freunden.
Ein Versprechen, das eingelöst werden und neben unzähligen Lachsalven sogar noch für Zündstoff sorgen sollte. Denn nachdem der in Hochform plaudernde Gastgeber passend zum altehrwürdigen Millowitsch-Theater einen Schwank aus seinem Leben erzählt hatte und später ein Potpourri an lustigen Anekdoten noch folgen sollte, bat er mit Moderator Thomas Helmer seinen Überraschungsgast auf die Bühne, der wegen einer fiebrigen Erkältung fast gar nicht hätte kommen können.
FC-Legende Toni Schumacher plaudert aus dem Nähkästchen
Es war nach dem Tourauftakt in Mönchengladbach mit 74er-Weltmeister Rainer Bonhof zur Freude aller Anwesenden mit Toni Schumacher ein Mann, der nicht nur in Köln Fußballgeschichte geschrieben hat. Das Publikum erhob sich mit einem Ruck und spendete einen tosenden Applaus wie früher bei der Mannschaftsaufstellung, wenn in Köln Müngersdorf der Name „Schumacher“ fiel. Denn alle im Saal wussten: Hier kommt eine FC-Legende auf die Bühne, die aus dem Nähkästchen plaudern kann und dabei auch kein Blatt vor den Mund nehmen wird.
Natürlich war sein schonungslos ehrliches Buch „Anpfiff“ Thema, das ihn nach Erscheinen 1987 beim 1. FC Köln sofort den Job gekostet und letztlich auch aus der Nationalelf katapultiert hat. Die Erzählungen über Saufgelage und Dopingvorwürfen kamen halt nicht gut an in der Fußballszene. Mittlerweile sei er zur Einsicht gekommen, „einige Dinge nicht mehr so zu schreiben“.
Aber eine knallharte Meinung hat Schumacher immer noch, und die zeigte sich bei der Einblendung seiner persönlichen Traumelf des 1. FC Köln, die mit Pierre Littbarski, Thomas Häßler, Harald Konopka und Heinz Simmet auf der Ersatzbank abgerundet wurde.
Schumachers Traumelf im Detail: Toni Schumacher - Herbert Zimmermann, Wolfgang Weber, Roland Gerber, Karl-Heinz Thielen - Bernd Cullmann - Hans Schäfer, Wolfgang Overath, Heinz Flohe - Hannes Löhr, Dieter Müller.
Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis Thomas Helmer, Europameister von 1996, Ex-Bundesligaprofi und als charmanter Moderator von zig Doppelpass-Sendungen ins Mediengeschäft gerutscht, die aus Kölner Sicht spannende Frage stellte: „Ich sehe da keinen Podolski. Gibt es dafür einen Grund?“
„Eine Zweitliga-Meisterschaft zählt nicht für mich“
Den gab es, und der hatte es in sich: „Er gehört für mich nicht dazu. In meiner Mannschaft sind nur Spieler dabei, die mindestens einen Titel mit dem FC geholt haben. Das hat Poldi nicht, denn eine Zweitliga-Meisterschaft zählt nicht für mich. Außerdem hat er nach dem Abstieg den FC verlassen“, sagte Schumacher und fügte trocken an: „Die anderen Spieler haben’s verdient.“
Punkt. Aus. Poldis Beitrag zum positiven Image des Klubs zählt aus Schumachers Sicht offensichtlich nicht. In den Gesichtern einiger Zuschauer zeigte sich Verständnislosigkeit, andere zeigten sich sichtlich einverstanden mit Schumachers Traumelf.
Vor seinem Abschied nach den ersten 45 Minuten des Calli-Theaters hinterließ Schumacher noch seine Meinung zur aktuellen Situation des 1. FC Köln und zeigte sein Herzblut zu seinem Ex-Klub: „Wir könnten froh sein, dass Wolfsburg und Heidenheim so tief unten drinstecken und wir höchstens in der Relegation landen können. Aber ich möchte nicht darüber nachdenken, dass der FC absteigt und sage: ‚Er schafft das!‘“ Noch einmal brandete Jubel auf in der Volksbühne.

