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Notfall im StadionSchwierige FC-Frage: „Show must go on“ oder Anteilnahme?

Aktualisiert

Am Samstag gab es beim Spiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim einen medizinischen Notfall im Stadion. Die Fanlager verzichteten über die komplette Spielzeit auf ihren Support. Jetzt wird emotional diskutiert, ob das richtig oder falsch ist.

Das 2:2 des 1. FC Köln gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim wurde am 21. Februar 2026 von einem medizinischen Notfall überschattet. Im Ostbereich des Rhein-Energie-Stadions war ein 90-jähriger Fan im Treppenhaus gestürzt. Er musste reanimiert werden und wurde in ein Krankenhaus transportiert. Offiziell heißt es bisher, dass der Fan „in einem kritischen Zustand“ sei.

Die aktiven Fanszenen beider Lager hatten ihren Support über die komplette Spielzeit eingestellt. Nur bei den Treffern wurde gejubelt. Schon während der Partie wurde unter den Anhängerinnen und Anhängern diskutiert, einige versuchten dennoch, Stimmung zu machen. Es gab Gesänge außerhalb der Südkurve und rhythmisches Klatschen.

Bei Olympia heißt es: „The Games must go on“

Nach dem Spiel gibt es eine emotionale Diskussion über eine schwierige Frage: Muss die Show weitergehen bei einem medizinischen Notfall? Oder ist Respekt und Anteilnahme geboten? Der Spruch „The Show must go on“ stammt aus der Zirkusbranche und ist schon einige hundert Jahre alt. Wenn bei einer Vorstellung etwas passierte, ging es nach einer Unterbrechung trotzdem weiter.

Es geht aber nicht immer nur um medizinische Notfälle. Der wohl schlimmste Fall ereignete sich 1972 bei den Olympischen Spielen in München, als nach einem Terroranschlag elf israelische Sportler, ein Polizist und fünf Attentäter getötet wurden. Nachdem die Spiele kurz unterbrochen worden waren, sagte der damalige IOC-Präsident Avery Brundage: „The Games must go on!“

Es gab Proteste gegen diese Entscheidung, einige Athleten reisten ab, zahlreiche Sportfans verließen die Spiele. Andere befürworteten die Entscheidung. Ein anderes trauriges Beispiel: 2010 verunglückte der 21-jährige georgische Rennrodler Nodar Kumaritaschwili kurz vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Vancouver tödlich bei einer Trainingsfahrt im Eiskanal. Auch hier hieß es: Die Show muss weitergehen. 

Keine leichte Entscheidung. Und genau das beschäftigt nun auch viele Fans und Verantwortliche beim 1. FC Köln. In dieser Saison gab es schon des Öfteren keinen Support aus der Südkurve, weil es einen medizinischen Notfall gab. Bei 50.000 Besucherinnen und Besuchern kommt es auch vor, dass es an Spieltagen mehrere medizinische Notfälle gibt und die Fans nichts davon mitbekommen, der Support also uneingeschränkt weitergeht.

FC-Trainer Lukas Kwasniok (44) wurde nach dem Spiel auf den fehlenden Support angesprochen. Er verwies auf die lange Reaktion von Bayern-Trainer Vincent Kompany zu José Mourinho (Benfica Lissabon). Der Bayern-Coach sprach auf einer Pressekonferenz zwölf Minuten detailliert und ausgezeichnet über das komplexe Thema Rassismus. Ganz so lange wollte Kwasniok nicht auf die schwierige Support-Frage eingehen: „Ich könnte auch eine Grundsatzrede halten zu diesem Thema. Das ist ein schwieriges Thema, aber da würden die zwölfeinhalb Minuten nicht reichen.“

Kwasniok wollte sich lieber kurz fassen: „Es gibt Argumente dafür und dagegen.“ Den fehlenden Support findet er allerdings, unabhängig von dem Vorfall am Samstag, generell nicht gut: „Wir haben das leider im Verlauf der Saison schon zum wiederholten Male erfahren müssen. Fans waren teilweise bei Auswärtsspielen nicht dabei oder die Unterstützung bei Heimspielen war nicht vorhanden, so wie wir uns das erhoffen. Aber wir haben Verständnis für viele, viele Themen außerhalb des Fußballs. Deswegen ist es ein zwiespältiges Thema. Ich möchte das aber nicht im Detail auseinanderklamüsern, weil es zu lange dauern würde.“

Für die Mannschaft sei eingestellter Support aber schade, „weil das Heimspiel in dem Moment dann nicht mehr ein solcher Vorteil ist, wie es mit Support der Südkurve der Fall ist. Es war traurig, aber Ragnar Ache hat dann dennoch mit seinem Traumtor alle von ihren Sitzen erhoben.“ Kritikern fehlte in Kwasnioks Ausführungen ein gewisses Maß an Empathie für den verunglückten Fan und dessen Familie.

Während sich die aktiven Fanszenen am Samstag einmal mehr für Respekt und Anteilnahme entschieden – auch die Hoffenheim-Kurve verzichtete auf Support –, gibt es auch zahlreiche Fans, die anders denken. Ein Anhänger schrieb auf der Plattform X: „Wenn ich mal im Stadion sterben sollte, dann bitte keinen Streit über Support, sondern lasst dann einfach die Hölle los!“ Ein anderer pflichtet bei: „Ich wage zu behaupten, dass JEDER Fan das so wollen würde.“

Diskutiert wird auch die Frage, wem mit der Einstellung des Supports geholfen sei. Den betroffenen Fans eines medizinischen Notfalls würde nicht geholfen, den Mannschaften auch nicht. Trotzdem sei Fingerspitzengefühl gefragt. „Ständig den Support einstellen, weil jemand aus welchem Grund auch immer einen Arzt braucht: völlig überzogen! Bleibt ruhig, solange der Einsatz läuft. Und dann wieder Vollgas für die Mannschaft“, meint ein Fan auf X.

Für viele Fußball-Fans wird es auch künftig eine individuelle Entscheidung bleiben. Manche fühlen sich dann einfach nicht danach, Stimmung zu verbreiten, verlassen vielleicht sogar das Stadion. Andere werden ihre Mannschaft weiter unterstützen. Es bleibt definitiv ein emotionales und schwieriges Thema. 

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