Der 1. FC Köln steht vor einer wegweisenden Trainer-Entscheidung. Macht man mit René Wagner weiter oder setzt man auf einen Neuanfang? Es gibt gute Gründe für beide Szenarien.
Knifflige EntscheidungDas spricht für und gegen Wagners FC-Zukunft

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René Wagner hat vom 1. FC Köln noch kein Signal bekommen, ob er auch nächste Saison Trainer sein wird.

Es ist die Frage, die beim 1. FC Köln über allem steht: Wer steht nächste Saison als Trainer an der Seitenlinie? Auch am Montag (18. Mai 2026) fällen die Verantwortlichen um Thomas Kessler nach EXPRESS.de-Informationen noch keine Entscheidung.
Die Bosse wollen sich die Zeit für eine tiefgehende und ausführliche Analyse der Saison nehmen. Kessler will dabei nichts übers Knie brechen, dafür ist die Trainer-Personalie zu wichtig, nachdem sein erster Schuss mit Lukas Kwasniok in den Ofen ging.
FC-Entscheidung bei Wagner fällt im Laufe der Woche
Es ist eine knifflige Entscheidung, ob der FC mit René Wagner weitermachen oder lieber einen Neuanfang starten soll. Denn es gibt gute Gründe FÜR den 37-Jährigen und GEGEN ihn.
Pro René Wagner
- Kesslers Überzeugung
Thomas Kessler ist derjenige, der die sportlichen Geschicke beim 1. FC Köln leitet. Er wurde im Januar zum Geschäftsführer befördert, weil man seiner Expertise im Verein vertraut. Nun spricht sich der FC-Boss intern klar für Wagner aus. Kessler ist überzeugt von den Fähigkeiten des jungen Trainers.
Er hat Wagners Rückholaktion im Sommer forciert, bereits in der Baumgart-Zeit prognostizierte er ihm eines Tages eine Chefcoach-Karriere in der Bundesliga. Sollte er im Gemeinsamen Ausschuss eindringlich für Wagner plädieren, dürfte sich das Gremium kaum dagegenstellen – alles andere wäre ein Affront gegenüber Kessler.
- Das erreichte Ziel
René Wagner hatte genau einen Auftrag: den FC in der Liga halten. Das hat er geschafft, bereits zwei Spieltage vor Schluss war der Klassenerhalt eingetütet. Natürlich hat der FC dabei maßgeblich von der eklatanten Schwäche der Konkurrenz profitiert, aber am Ende steht der Verein als Aufsteiger über dem Strich und stand die gesamte Saison über nicht einmal auf einem Abstiegsplatz.
„Für einen Aufsteiger gibt es immer ein Auf und Ab. Es gibt zwei andere Mannschaften, die abgestiegen sind. Eine andere Mannschaft muss noch zittern. Wir gehören nicht dazu, und darauf sollten wir stolz sein“, sagte Wagner nach dem Bayern-Spiel.
- Trainer-Talent
René Wagner genießt in der Branche bezüglich Fußballverstand und taktischem Verständnis einen exzellenten Ruf. Der 37-Jährige taucht, obwohl er noch keine Erfahrung als Cheftrainer hat, bei vielen Vereinen auf der „Trainer-Schattenliste“ auf. Es heißt: Wenn ihm sein Durchbruch nicht beim FC gelingt, dann eben woanders.
Sein Ruf eilt ihm über die Landesgrenzen hinweg voraus. So gilt Ex-Barca-Star Cesc Fàbregas als großer Wagner-Fan. Der Trainer des italienischen Erstligisten Como hält große Stücke auf den Deutschen, und sucht regelmäßig den Austausch mit Wagner. Als Fabregas, der sich in kürzester Zeit unter die heißesten Trainer-Aktien hochgearbeitet hat, im Sommer bei Bayer Leverkusen im Gespräch war, soll er Wagner sogar für die Stelle als Co-Trainer kontaktiert haben.
- Günstige Lösung
Wagner ist ein Neuling im Geschäft und kann deshalb bei weitem nicht die Zahlen fordern, die viele seiner Kollegen aufrufen. Viele im Umfeld träumen von großen Lösungen wie Dino Toppmöller oder Ralph Hasenhüttl, schieben dabei aber gerne die Kosten beiseite.
Toppmöller, der mit Frankfurt in der Champions League unterwegs war, ruft mehrere Millionen Euro per anno auf. Ein Paket über drei Jahre kann da schnell mal acht bis zehn Millionen Euro kosten. Kohle, die der Verein nach den Eindrücken der abgelaufenen Saison lieber in eine schlagkräftige Mannschaft stecken sollte.
Contra René Wagner
- Punkte-Ausbeute
Es ist sicher keine Bilanz, nach der man „Hurra“ schreit. René Wagner hat in sieben Spielen sechs Punkte von möglichen 21 geholt (Schnitt von 0,86). Auf eine Saison gerechnet, stünde man nach 34 Spieltagen mit 29 Punkten da – die Ausbeute eines Absteigers. Wirklich überzeugend war dabei nur ein einziges Spiel: das Rhein-Duell gegen Bayer Leverkusen, das am Ende nach einem Fehlschuss-Festival verloren ging.
Spiele gegen direkte Konkurrenten wie Pauli, Union und Heidenheim konnten nicht gewonnen werden, spielerisch fehlten in allen Partien überzeugende Mittel. Wagner verharmlost das in seinem Fazit, spricht immer wieder von „ein, zwei Spielen“, die nicht überzeugend waren. In Wahrheit waren es mindestens vier (von sieben).
- Fan-Frust
Der Wind im Umfeld des 1. FC Köln hat sich seit dem Union-Spiel drastisch gedreht. Nachdem der FC in Berlin noch einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben hat, ist die Stimmung gekippt. Wagner geriet hinterher arg in die Kritik, verspielte mit einem verkorksten Wechsel viel Kredit. Bereits nach dem Spiel sprachen sich in einer Umfrage von EXPRESS.de 82 Prozent von über 30.000 Teilnehmenden gegen eine Weiterbeschäftigung aus.
Die Umfragewerte verharren nach den beiden Debakel-Spielen gegen Heidenheim und die Bayern auf konstant niedrigem Niveau. Ein Großteil des Anhangs traut dem Neuling die Aufgabe in der kommenden Saison nicht zu. Das Verhältnis ist jetzt schon vorbelastet. Wagner fehlt der nötige Kredit, beim ersten Misserfolg in der neuen Saison würden die ersten Kritiker bereits auf die Barrikaden gehen.
- Keine Erfahrung
Wagner hat bislang nur als Co-Trainer in seiner Karriere gearbeitet. Die gravierenden Unterschiede im Vergleich zu einer Chef-Rolle hat der 37-Jährige bereits in seinen sieben Wochen zu spüren bekommen. Denn bis dato war er nicht derjenige, der unbequeme Entscheidungen treffen musste. Wagner war eher der Kumpel-Typ für die Spieler, für Enttäuschungen sorgte immer nur der Chef.
Das hat sich geändert, plötzlich ist er derjenige, der Denis Huseinbasic erklären muss, warum es nicht mal mehr für einen Bundesliga-Kader reicht. Das verändert die Dynamik innerhalb einer Mannschaft. Es braucht neben all der unbestrittenen Expertise auch eine gewisse Erfahrung und Routine, um eine Mannschaft auf höchstem Niveau zu führen.
- Der letzte Eindruck
Es sind hauptsächlich die beiden abschließenden Spiele, die hängen bleiben. Der FC verabschiedet sich mit zwei deftigen Pleiten und insgesamt 2:8 Toren in die Sommerpause. Klassenerhalt ja, Euphorie nein!
Druckabfall ist keine Ausrede, vor allem nicht für Wagner. Denn Sportboss Kessler machte unmissverständlich klar: „Die beiden Spiele werden in die Gesamtbewertung einfließen.“ Und wenn dem wirklich so ist, kann es eigentlich nur eine Entscheidung geben: contra Wagner. Es ist quasi unmöglich, mit diesen Eindrücken, die nötige Aufbruchstimmung für die kommende Saison zu entfachen.
Da kann sich Wagner bei seinen Spielern, die er in den vergangenen Wochen viel zu sehr in Schutz genommen hat, bedanken. Die haben ihn nämlich eiskalt im Stich gelassen. Statt – wie verbal – für ihren Trainer zu kämpfen, fielen sie gnadenlos durch den Charakter-Test.

