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„Wir wurden beraubt“Polen-Wut wegen Kaminski-Szene

Polen verpasst ganz bitter die WM-Teilnahme. Eine Szene um den Kölner Jakub Kaminski erregt die Gemüter.

Ganz bitteres Aus für FC-Profi Jakub Kaminski und die polnische Nationalmannschaft. Im entscheidenden Playoff-Spiel der WM-Qualifikation verlor das Team um Superstar Robert Lewandowski mit 2:3 in Schweden. Der Siegtreffer der Tre Kronor fiel erst in der 88. Minute.

Polen hatte über weite Strecken mehr Spielanteile, doch die Schweden zeigten sich brutal effizient vor dem Tor. „Fußball ist ein beschissener Sport und verzeiht keine Fehler“, sagte der frühere polnische Nationalspieler Slawomir Peszko im polnischen Fernsehen. „Ich habe keine Worte“, so der frühere Profi des 1. FC Köln.

Kaminski am Boden zerstört: „Spiel um unsere Träume verloren“

Der Frust der polnischen Presse richtete sich nach dem Spiel aber vor allem gegen das Schiedsrichter-Gespann um den Slowenen Slavko Vincic und das deutsche VAR-Team, bestehend aus Christian Dingert und Robert Schröder. „Wir wurden beraubt“, schrieb das Portal „sport.pl“.

Gleich mehrere strittige Szenen wurden bemängelt. Die Spielleitung sei insgesamt nicht einheitlich gewesen, echauffierte sich der frühere polnische Schiedsrichter Michal Listkiewicz. So habe es den Freistoß vor dem zwischenzeitlichen 2:1 der Schweden zu Unrecht gegeben. „Der Schwede hat einfach nur geschwindelt, um ein Foul zu provozieren. Der Schiedsrichter hat viele viel offensichtlichere Spielsituationen laufen lassen, und hier hat er wegen so einer Kleinigkeit gepfiffen“, schimpfte Listkiewicz.

Zudem habe es bei der Erzielung des Treffers einen unerlaubten Block gegen Lewandowski gegeben, so die Meinung in Polen.

Vor allem aber erhitzt eine Szene um Kaminski die Gemüter. Der FC-Profi ging in der 48. Minute nach einem Zweikampf mit Victor Lindelöf im Strafraum zu Boden. Beim Kampf um einen halbhohen Ball hatte der Schwede den Polen unter der Fußsohle getroffen. Der Pfiff blieb allerdings aus, auch das deutsche VAR-Team Dingert/Schröder griff nicht ein. Sehr zum Ärger der Polen.

„Der Schiedsrichter hat alles in fünf Sekunden gecheckt und das war's“, sagte Inter-Profi Piotr Zielinski enttäuscht gegenüber dem Sender TVP Sport. Ex-Schiri Listkiewicz wetterte: „Wir hätten einen Elfmeter verdient gehabt. Es gab einen Tritt gegen das Bein, es gab Kontakt. Weder der Hauptschiedsrichter noch der VAR lagen richtig.“

Der deutsche Dazn-Kommentator Uwe Morawe hatte in der Live-Übertragung hingegen sofort gesagt: „Das ist für mich zu wenig.“ Allerdings wurde ihm nur eine Zeitlupe der Szene gezeigt.

Auch im Netz wurde diskutiert. Viele Kommentare der polnischen Fans ähnelten denen, die man auch nach Bundesliga-Spielen in Deutschland immer wieder liest. „Warum zum Teufel gibt es den VAR im Fußball, wenn er nicht einmal so etwas Offensichtliches im Strafraum sehen kann?“, fragte ein polnischer Fan auf X. Ein anderer äußerte sich ähnlich: „Er kommt zu spät und trifft Kaminski. Wie kann es sein, dass der VAR das nicht einmal überprüft?!“

In einem weiteren Kommentar hieß es: „Es fehlen einem die Worte. Wäre dieser Tritt außerhalb des Strafraums erfolgt, wäre es ein Foul gewesen…“ Vereinzelt gab es auch Kommentare, die die Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, für richtig hielten. „Das mag kontrovers klingen, aber für mich ist das kein Elfmeter. Wenig regt mich mehr auf als ein Elfmeterpfiff nach einem Tritt gegen die Fußsohle“, schrieb ein User auf Polnisch bei X.

Auch der frühere Schiedsrichter Adam Lyczmański sagte bei Canal+ Sport: „Es ist strittig, aber ich glaube, dass er den Kontakt übertrieben hat. Ich weiß, dass die polnischen Fans gerne hören würden, dass der Schiedsrichter uns mit Fehlern benachteiligt hat. Aber aus meiner Sicht, und ich spreche mit dem Kopf, nicht mit dem Herzen, hat er in den entscheidenden Situationen keinen Fehler gemacht.“

Und Kaminski selbst? Der haderte weniger mit dem Schiedsrichter als mit dem Schicksal: „Wir haben heute nicht verdient, zu verlieren. Es haben Kleinigkeiten den Unterschied gemacht. Wir haben Fehler gemacht, die Schweden hatten Glück. Wir hatten viele Chancen und auf dem Rasen das Gefühl, dass wir gewinnen können. Fußball kann manchmal brutal sein“, so Kaminski bei TVP Sport: „Wir haben das Spiel um unsere Träume verloren.“

Said El Mala (Deutschland) bejubelt sein Tor zum 0:1.

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