„Manche bringen sich um“Hass-Plakate! FC-Fans verhöhnen Eberl – der antwortet mit „harter Wahrheit“

RB-Boss Max Eberl verfolgte das Spiel gegen den 1. FC Köln am Samstag (4 Februar 2023) aus der Geißbock-Loge.

RB-Boss Max Eberl verfolgte das Spiel gegen den 1. FC Köln am Samstag (4 Februar 2023) aus der Geißbock-Loge.

Die Südkurve des 1. FC Köln griff Max Eberl, neuer Geschäftsführer bei RB Leipzig, am Samstag mit mehreren Hass-Plakaten an. So reagieren der Ex-Gladbacher und FC-Sportboss Christian Keller.

von Martin Zenge (mze)Jürgen Kemper (kem)

So stark der 1. FC Köln am Samstag (4. Februar 2023) gegen Leipzig (0:0) gespielt hat – so heftig und geschmacklos waren die Plakat-Attacken auf RB-Boss Max Eberl (49)!

Der neue Leipzig-Geschäftsführer war erstmals seit seinem Erschöpfungs-Aus bei Erzrivale Borussia Mönchengladbach im Rhein-Energie-Stadion zu Gast. Eberl sah aus der Geißbock-Loge, wie in der Südkurve ein Schmäh-Plakat nach dem nächsten ausgerollt wurde.

Max Eberl: „Manche nehmen Drogen, manche bringen sich um“

Es ging los mit „Von Burnout-Max zu Alzheimer-Eberl“ und weiter mit „Max macht den Ralle – Red Bull verwischt Tränen“. Der heutige Ösi-Coach Ralf Rangnick (64) hatte einst ebenfalls eine Fußball-Pause wegen einer Burnout-Erkrankung eingelegt und dann den Sportchef-Posten bei RB übernommen.

Alles zum Thema Max Eberl

Die nächsten Banner: „Red Bull heilt Burnout“ und „Ein lahmendes Fohlen, ist jedem Bauern bewusst, bekommt statt Aufputschmittel den Bolzenschuss“.

Die Südkurve greift Max Eberl mit einem Plakat an.

Eines der vielen Plakate gegen Max Eberl am Samstag (4. Februar 2023) im Rhein-Energie-Stadion

Eberls emotionale Reaktion: „Mich würde interessieren, ob diese Menschen wissen, was die Krankheit Burnout bedeutet. Das heißt, dass sich Menschen verausgaben, bis sie nicht mehr können. Mancher ertränkt das in Alkohol, manche nehmen Drogen, manche bringen sich um. Das ist die harte Wahrheit.“

Und weiter: „Ich will zeigen, dass es Stärke bedeutet, Schwäche zuzugeben. Wenn Teile der Gesellschaft meinen, diese Schwäche auszunutzen und draufzutreten, ist das traurig. Wenn du dauernd lächerlich gemacht und verhöhnt wirst, ist klar, dass Menschen sich nicht hinstellen und sagen: Ich bin krank. Das sollten sich diese Menschen mal hinter den Kopf schreiben.“

Dabei gehe es ihm „nullkommanull um mich. Ich stehe da drüber. Aber nicht nur ich war krank. Diese Themen haben viele Menschen da draußen. Ich habe mich da rausgekämpft. Die Chance hat jeder andere Mensch auch.“

Christian Keller: „Das sind nicht die Werte des 1. FC Köln“

Plakat- und Fahnen-Support für das eigene Team gab es am Samstag aus der Südkurve nicht, das hatte die aktive Szene vorab schon angekündigt – aus Protest gegen den gehassten Brause-Klub.

RB wurde auch unabhängig von Eberl beschimpft: „Red Bull – die beste Erfindung seit der Atombombe“ und „Millionen scheffeln mit Brause, doch in unserem Sport niemals zu Hause“.

FC-Sportboss Christian Keller (44) nach Abpfiff: „Jede Form von Diskriminierung gehört nicht ins Stadion. Es waren etliche Plakate dabei, die kreativ waren, um zu zeigen, dass man das Modell RB nicht so mag. Ohne, dass ich das selbst bewerten möchte. Wenn aber einzelne Personen diskriminiert werden, sind das nicht die Werte des 1. FC Köln. Es ist geschmacklos und gehört nicht hierher.“ Diese Haltung teilte er Eberl auch in einer persönlichen Entschuldigung mit.Anzeige: Jetzt Gutschein für den Fanshop des 1. FC Köln gleich hier im EXPRESS-Gutscheinportal sichern!

Der Ex-Gladbacher ist nicht der erste Klub-Boss, der von der FC-Kurve angegriffen wurde. Jörg Schmadtke (58, inzwischen im Manager-Ruhestand) musste bei jedem Köln-Spiel seiner Wolfsburger Schmähgesänge über sich ergehen lassen. Auch Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp (82) wird immer wieder attackiert.

Eigentlich müssten alle Plakate genehmigt werden, so FC-Geschäftsführer Keller, „aber jeder weiß, dass auch mal Sachen reingebracht werden, die an der Genehmigung vorbeigehen. Wir haben diese Plakate selbstredend nicht freigegeben.“

Vor einem Jahr hatte Eberl seinen Sportdirektoren-Posten bei Borussia Mönchengladbach wegen eines Erschöpfungssyndroms unter Tränen aufgegeben. Zum 1. Dezember 2022 war er als Leipzig-Boss auf die Bundesliga-Bühne zurückgekehrt.