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Neues Buch über den FCManuel Andrack verrät: Verein wollte ihn als Stadionsprecher

Manuel Andrack posiert für ein Foto.

Copyright: Csaba Peter Rakoczy

Manuel Andrack hat sein zweites Buch über den 1. FC Köln geschrieben.

Manuel Andrack hat zum zweiten Mal ein Buch über den 1. FC Köln geschrieben. Im Interview verrät er, wie er auf den El-Mala-Knall reagiert hat – und warum er nicht Stadionsprecher geworden ist.

„Ich bin kein Fußball-Fan“, stellt Manuel Andrack klar. Das hat ihn nicht davon abgehalten, nun bereits sein zweites Buch über den 1. FC Köln zu schreiben. Denn FC-Fan, das ist der gebürtige Kölner, der mittlerweile im Saarland lebt, noch immer.

Vor gut 20 Jahren machte sich Andrack mit dem FC auf eine Deutschland-Reise durchs Fußball-Unterhaus. Seine Erlebnisse in der Aufstiegssaison 2004/2005 fasste er in dem Buch „Meine Saison mit dem FC“ zusammen. Nun hat der einstige Sidekick von Harald Schmidt nachgelegt. In seinem neuen Buch „Wenn Papa morgen stirbt, bleibe ich FC-Fan“ dreht sich zwar wieder alles um Andracks Herzensklub, doch diesmal schildert der Familienvater das Leben und Leiden mit dem FC auch aus der Perspektive seiner drei Töchter. Zudem verrät er in dem Buch, dass er von zwei verschiedenen ehemaligen Vereinsführungen des FC gefragt wurde, ob er nicht Stadionsprecher werden möchte – das scheiterte unter anderem an unterschiedlichen Vorstellungen über das Honorar.

Manuel Andrack: „Irre, wen man auf einer Auswärtsfahrt alles kennenlernt“

Im Interview mit EXPRESS.de erklärt Andrack, was sich verändert, wenn auf der Auswärtsfahrt die Teenager-Tochter neben einem sitzt, wie die Liebe zum Geißbock-Klub seiner ältesten Tochter half, mit der furchtbaren Diagnose Querschnittslähmung umzugehen, und warum der FC für ihn vor allem eins ist: eine große Familie.

Herr Andrack, ich fange mal direkt mit einer kleinen Beichte an: Vor knapp einem Jahr habe ich Sie und Ihre jüngste Tochter in Braunschweig am Bahnhof gesehen, wie Sie da in den völlig überfüllten Regionalzug gestiegen sind, der die FC-Fans nach Wolfsburg gebracht hat. Eine Reise, die auch in Ihrem neuen Buch Erwähnung findet. Werden Sie bei solchen Trips eigentlich noch häufig erkannt?

Manuel Andrack: Das kommt natürlich ein bisschen auf den Jahrgang an. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in dem Regionalzug zwischen sehr vielen jungen Männern gestanden habe und die haben mich natürlich nicht erkannt. In Wolfsburg sind wir dann in die Bar Celona gegangen und da waren dann direkt ein Haufen FC-Fans. Die haben mich alle erkannt.

Inwieweit unterscheidet sich das, wenn man als Vater mit der Tochter fährt oder mit Freunden auch alleine auf Auswärtsreisen geht?

Andrack: Man unterhält sich natürlich über andere Sachen, wenn die Tochter dabei ist. Die Wolfsburg-Fahrt hat sich für mich aber nicht groß unterschieden im Vergleich zu Fahrten, bei denen ich alleine oder mit Kumpels unterwegs gewesen bin. Es hat sogar den Vorteil, das habe ich auch im Buch geschrieben, dass man dann irgendwie andere Leute kennenlernt. Den FC-Papa, der in Frankfurt wohnt und der einen Sohn hat, der den Mund nicht aufkriegt. Die Nerds, die sich stundenlang über sämtliche neue Trikots der Saison unterhalten. Das ist schon irre, das hat meine Tochter Nika auch gesagt, wen man an so einem langen Tag alles kennenlernt. Und das war ein sehr, sehr langer, aber auch ein sehr, sehr runder Tag. Das erlebt man nur bei Auswärtsfahrten.

Nicht ganz so rund war die Fahrt mit dem Bus des FC-Fanprojekts nach Hamburg zum Spiel beim FC St. Pauli.

Andrack: Mein Gott, war das langweilig im Gegensatz zu früher! Keiner hat Bier getrunken, keine dummen Fußballfachgespräche, keine Europapokalpläne mit dem FC, alle starren auf ihr Handy und schlafen. Und die Busfahrer sagen: „Wollt ihr da wirklich nüchtern ankommen?“ Das habe ich unterschätzt, aber auch das war eine Erfahrung für Nika, auch wenn es für sie natürlich blöd war, weil sonst niemand in ihrem Alter dabei war. Mit meiner ältesten Tochter Helena, da saß sie schon im Rollstuhl, habe ich auch mal so eine Auswärtsfahrt mit dem Fanprojekt nach Freiburg gemacht. Da lief das super, da lief aber auch noch diese ganze Ballermann-Mucke und das fand ich total spannend.

Sie sprechen das Schicksal Ihrer ältesten Tochter an, die seit einem Reitunfall, den sie als Teenager erlitten hat, querschnittsgelähmt ist. Ist es Ihnen schwergefallen, das in Ihrem Buch zu thematisieren?

Andrack: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Das war auch befreiend. Ich habe das natürlich mit Helena besprochen. Und sie fand es gut, das Thema in diesem Zusammenhang aufzugreifen. Sie ist heute Psychologin und schätzt es so ein, dass Fan von einem Verein wie dem FC zu sein, wirklich resilient macht. Das fand ich schon spannend.

„Harald hat sich nur kaputtgelacht“

Glauben Sie selbst denn auch, dass es charakterbildend ist, für welchen Fußballverein das Fan-Herz schlägt?

Andrack: Ja, natürlich! Unter uns gesagt, gibt es auch noch andere Vereine als den FC, die viel leiden müssen. Das klassische Gegenbeispiel ist Bayern München. Und da gibt es wirklich psychologische Abhandlungen, dass Kinder und Jugendliche, die als Bayern-Fan aufwachsen, später Probleme haben, wenn sie einen Korb bekommen oder wenn es beruflich vielleicht nicht läuft, das zu begreifen.

Wie darf ich es in diesem Zusammenhang bewerten, dass Ihr ehemaliger Chef Harald Schmidt gleich zwei Lieblingsvereine hatte: den FC Bayern und den VfB Stuttgart?

Andrack: Harald ist ja gar kein Fan. Ihn interessiert nur das ganze Bohei. Der ist mit Stuttgart aufgewachsen, weil er da um die Ecke groß geworden ist. Aber wir waren damals bei einem VfB-Spiel gegen den FC, in dem Stuttgart haushoch überlegen war und eine Chance nach der anderen verballert hat. Wirklich alle auf der VIP-Tribüne haben sich die Haare gerauft. Da ist es ja auch egal, ob VIP-Fan oder Stehplatz, man ist einfach verzweifelt, wenn die Kugel nicht reingeht. Aber Harald hat sich nur kaputtgelacht. Er hat den Humoraspekt dahinter gesehen. So reagiert kein Fan.

Um nochmal auf Ihre Töchter zurückzukommen. Sie schreiben in dem Buch nicht nur viel über Ihre eigene Familie, sondern auch über die große FC-Familie, die sich auch nach dem Unfall Ihrer Tochter gezeigt hat, als der Verein auf verschiedene Weise die besten Wünsche übermittelt hat.

Andrack: Sie hat in der neunten Klasse, noch vor dem Unfall, ein Praktikum beim FC gemacht. Da hat sie unter anderem mit Reiner Mendel zusammengearbeitet, dem langjährigen Fanbetreuer. Aber auch einigen anderen. Die treffe ich im Laufe des Buches wieder und frage: „Erinnert ihr euch noch an Helena?“ und sie sagen: „Natürlich, ja!“ Das ist, glaube ich, wirklich speziell beim FC. Wenn da von der FC-Familie die Rede ist, dann ist das nicht nur Gerede. Es gibt diesen Zusammenhalt wirklich. Und wenn ich im Auswärtsbus des Fanprojekts nach St. Pauli fahre und da immer noch Sabrina sitzt, die das seit 20 Jahren macht, das finde ich schon irre.

Auch bei Shootingstar Said El Mala steht die Familie im absoluten Mittelpunkt. Sie haben seinen Vater beim Auswärtsspiel in Bremen kennengelernt und dabei festgestellt, dass er auch das Geschehen bei der Viktoria noch sehr genau verfolgt. Wie überrascht waren Sie denn, dass sein Sohn noch mindestens ein Jahr in Köln bleibt?

Andrack: Ich habe mich ganz egoistisch gefreut wegen meines Buches. Er ist ja immerhin auf der Titelseite. Wenn die FC-Fans schon ihr El-Mala-Trikot am Feuerzeug gehabt hätten, wenn er nach Leipzig gegangen wäre, das wäre auch schlecht für mein Buch gewesen. Im Ernst: Ich habe mich gefreut. Ich hatte das Glück, ihn auch öfter bei der Viktoria zu sehen. Er kann ja nun mal alles. Er kann fest schießen, er kann heben, er kann in den Winkel zirkeln, er kann kurz vollenden, er hat auch schon ein Kopfballtor gemacht ... Ich bin zuversichtlich, dass es, wenn jetzt auch noch Kloppo mitspielt und er auch mal in der Nationalmannschaft eingesetzt wird und da vielleicht für Furore sorgt, eine richtig geile Saison mit ihm wird.

Die Sie theoretisch auch als Stadionsprecher hätten begleiten können. Es gab in der Vergangenheit gleich zwei entsprechende Anfragen des Vereins, wie Sie in Ihrem Buch verraten.

Andrack: Als Michael Trippel in der vergangenen Saison in den Schlagzeilen war, weil er beim Spiel gegen Dortmund ein bisschen sehr offensiv seine Meinung kundgetan hat, haben mich einige Freunde nochmal nach dieser Geschichte gefragt. Aber nein, das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Ich finde, das ist ein Job, da sollte man jemanden haben, der das echt lange macht. Und ich bin jetzt 61. Was soll der Quatsch? Ich bin viel lieber mit meiner Familie, mit meinen Kumpels und mit der ganzen FC-Familie im Stadion und erlebe da alles.

„Das ist alles Bullshit, der FC-Fan will das nicht“

Sie beschreiben in Ihrem Buch auch an einigen Stellen, wie Sie sehr emotional auf den FC reagieren. Dabei haben Sie in Ihren rund 40 Jahren als FC-Fan schon fast alles mitgemacht. Glauben Sie, dass Sie, wenn Sie jetzt nicht das Glück hätten, dass Sie diese Leidenschaft an Ihre drei Töchter übergeben haben, immer noch so emotional dabei wären?

Andrack: Ich glaube schon, dass ich das gerade in dieser Saison, in der ich so oft vor allem mit der ältesten und der jüngsten Tochter über Emotionen gesprochen habe, auch noch mal mehr bei mir zugelassen habe. Man legt sich ansonsten doch einen Panzer zu, wenn es schon wieder Abstiegskampf heißt. Aber auch durch das Schreiben des Buches ist mir nochmal klar geworden, was das für ein toller Verein ist. Die Ergebnisse und im Endeffekt sogar die Liga sind gar nicht so das Entscheidende. Es wird ja gerne von einigen Sportjournalisten gefordert, 50+1 abzuschaffen, damit wir es hier richtig krachen lassen können, und sich deutsche Vereine Weltstars leisten können, weil der Fan die sehen will. Das ist alles Bullshit, der FC-Fan will das nicht. Mir persönlich ist schon seit etlichen Jahren klar geworden: Ich bin kein Fußball-Fan, ich bin FC-Fan.

Und worauf freut sich der FC-Fan Manuel Andrack vor der neuen Saison besonders?

Andrack: Ganz konkret freue mich auf die FC-Andacht im Kölner Dom, bei der ich zum ersten Mal dabei bin. Und ich freue mich tierisch auf den Moment im Stadion, wenn Michael Trippel bei der Mannschaftsaufstellung Said El Mala aufruft. Da bekomme ich jetzt schon Gänsehaut, weil ich weiß, was da passiert.


„Wenn Papa morgen stirbt, bleibe ich FC-Fan“ ist am 20. August im Verlag Die Werkstatt erschienen. ISBN: 978-3-7307-0845-3

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