Beim 1. FC Köln hatte man sich auf einen historischen 50-Millionen-Euro-Transfer vorbereitet. Doch der ist erst einmal geplatzt! Said El Mala wechselt vorerst nicht in die Premier League. Wie ist der FC jetzt für den Transfersommer finanziell aufgestellt? Die Bosse reden Klartext.
Finanzen & KaderEl-Mala-Deal geplatzt: FC-Bosse räumen mit Gerüchten auf

Der 1. FC Köln steht nach dem Klassenerhalt vor seiner zweiten Saison in Folge in der Bundesliga. Der erneute Klassenerhalt ist das Ziel, doch die Aufgabe wird erneut schwierig. In der vergangenen Saison hatte der FC nur dank des starken Starts die Liga gehalten. In der Rückrunde konnten nur drei Spiele gewonnen werden.
Trainerneuling René Wagner (37) soll in diesem Sommer eine runderneuerte Mannschaft zusammengestellt bekommen. Den Verantwortlichen ist bewusst, dass der Kader massiv verstärkt werden muss. Man kann von einem großen Umbruch sprechen!
Sieben FC-Profis weg – Türoff erklärt Weiterentwicklung
Sieben Spieler sind schon weg (Martel, Kainz, Kilian, Heintz, Chavez, Özkacar und Lund), weitere sollen gehen. Denis Huseinbasic steht unmittelbar vor einem Abgang nach Braga/Portugal.
In den kommenden Wochen möchte Sportgeschäftsführer Thomas Kessler (40) mit seinem Team auf dem Transfermarkt zuschlagen. Auf der Liste stehen zahlreiche Positionen, die teilweise sogar doppelt besetzt werden müssen: Linksverteidiger, Innenverteidiger mit starkem linkem Fuß, Mittelfeld und Stürmer. Einige sprechen im Umfeld, je nach weiteren Abgängen, von zehn bis 14 neuen Profis, die am Geißbockheim landen könnten.
Doch wie will der FC diesen Kraftakt finanzieren? Der Verkauf von Said El Mala (19) an den FC Brentford für 50 Millionen Euro zu Beginn der Transferperiode hätte dem FC viele Möglichkeiten gegeben. Doch der Deal platzte auf der Zielgeraden.
Im Jahr 2027 soll zudem der Bau des neuen Leistungszentrums für rund 50 Millionen Euro beginnen. EXPRESS.de berichtete Ende Mai 2026 davon, dass der Verein aktuell Finanzierungskonzepte erarbeitet. Dabei wird auch darüber nachgedacht, neue Genussscheine auszugeben.
Es gab sogar Gerüchte, dass mit dem möglicherweise eingesammelten Geld Transfers getätigt werden sollen. Zahlreiche Fans hatten die Sorge, dass sich der FC verschuldet, um Spieler zu holen. Ein Rückfall in alte Zeiten, nachdem man sich zuvor seit 2023 mühsam finanziell erholt hatte?
EXPRESS.de hakte bei den FC-Bossen nach! Vizepräsident Jörg Alvermann (55) und Finanzgeschäftsführer Philipp Türoff (50) reden Klartext zur Finanzsituation und zum Kaderumbruch. Auch nach dem vorerst geplatzten El-Mala-Wechsel ist der FC demnach hervorragend aufgestellt und es wird weiter solide und gewissenhaft gewirtschaftet. Die Antworten der FC-Bosse auf ganz konkrete Fragen:
Ist es richtig, dass die Ausgabe von Genussscheinen beim 1. FC Köln konkret geplant wird? Oder sogar vor der Umsetzung steht oder umgesetzt wird?
Philipp Türoff: „Nein. Es gibt hierzu keine konkreten Planungen.“
Stimmt es, dass der Gemeinsame Ausschuss schon darüber abgestimmt hat, dass Genussscheine ausgegeben werden?
Jörn Alvermann: „Nein. Da es keine derartigen Planungen gibt, hat es folglich auch keinerlei Abstimmungen im GA gegeben.“
El-Mala-Verkauf: FC-Gremien setzen sich mit allen Optionen auseinander
Stimmt es, dass der FC aktuell Geldgeber sucht, auch um auf dem Transfermarkt tätig zu werden, wenn Said El Mala in Köln bleibt und nicht verkauft wird?
Philipp Türoff: „Nein, der 1. FC Köln sucht keine externen Kreditgeber für aktuelle Transferaktivitäten. Neue Partnerschaften und Sponsoren sind im normalen Tagesgeschäft natürlich immer willkommen. Vorstand und Geschäftsführung sind sich in der strategischen Ausrichtung jedoch einig: Wir entwickeln den Verein klar im Rahmen unserer finanziellen Handlungsspielräume weiter.“
Wird in den Gremien aktuell kontrovers diskutiert, ob Genussscheine ausgegeben werden oder anderweitig Geld eingesammelt wird, um in den Kader zu investieren?
Jörg Alvermann: „Nein. Es ist die originäre Aufgabe der Geschäftsführung, eine solide Finanzierung des Lizenzspieleretats sicherzustellen. Eine Diskussion über Genussscheine oder anderweitige außerordentliche Geldsammlungen gibt es in den Gremien derzeit nicht.“
Wird in den Gremien aktuell kontrovers diskutiert, ob El Mala verkauft werden soll oder ob er bleiben soll?
Jörg Alvermann: „Dass sich die zuständigen Gremien und die Geschäftsführung bei einem Spieler dieser sportlichen und wirtschaftlichen Größenordnung intensiv mit allen Optionen auseinandersetzen, ist ein völlig normaler und professioneller Vorgang. Eine Kontroverse oder gar einen Richtungsstreit gibt es dabei nicht. Wir wägen alle Szenarien sachlich ab, das ist unsere Verantwortung.“
Falls El Mala in diesem Sommer nicht verkauft wird: Kann der FC auch ohne die möglichen Einnahmen den Kader angemessen verstärken?
Philipp Türoff: „Ja. Der FC hat sich in den vergangenen Jahren finanziell so solide aufgestellt, dass wir auch ohne einen sofortigen Transfererlös bei Said El Mala in der Lage sind, den Kader zu verstärken.“
Herr Türoff, Sie haben in der Vergangenheit betont: „Transfererlöse sind für uns auch ein wichtiges Element, um mit Blick nach vorn handlungsfähig zu sein.“ Bedeutet das, dass der FC ohne Transfererlöse in diesem Sommer handlungsunfähig oder deutlich eingeschränkt ist?
Philipp Türoff: „Der FC ist auch ohne so eine außerordentliche Transfereinnahme in diesem Sommer handlungsfähig. Transfererlöse sind ein wichtiges Element für einen gesunden Fußballklub, um den wirtschaftlichen Handlungsspielraum zu vergrößern. Ein finanzieller Zwang zu Spielerverkäufen besteht für uns jedoch nicht.“
Steht ohne Verkäufe in diesem Sommer eine angemessene Summe zur Verfügung, mit der der Kader-Umbruch weiter voranschreiten kann und entsprechende Verstärkungen in der Innenverteidigung, Linksverteidigung, Mittelfeld und Sturm geholt werden können?
Philipp Türoff: „Der FC ist für die sportlich definierten Kaderinvestitionen angemessen aufgestellt. Wir haben auch ohne Spielerverkäufe Handlungsspielräume für eine wettbewerbsfähige Mannschaft, zumal in diesem Szenario unsere Leistungsträger bei uns bleiben. Größere Transfererlöse würden unseren Handlungsspielraum, aber natürlich auch den Handlungsbedarf deutlich vergrößern.“


