Warum ist die Fan-Wut auf René Wagner so groß? Diese Frage stellten sich auch Christian Löer und Jürgen Kemper im FC-Podcast „Wir waren klar besser“ von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger.
Bilanz eines AbsteigersWagner im Fokus: Warum sich Fan-Wut bei ihm entlädt

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Kölns Trainer René Wagner bei einem Sky-Interview
Die Stimmung rund um den 1. FC Köln und Trainer René Wagner ist nach dem Saisonstart bereits aufgeheizt.
Im FC-Podcast „Wir waren klar besser“ haben Christian Löer vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Jürgen Kemper von EXPRESS.de darüber gesprochen, woher die große Kritik am Trainer kommt und wie lange Wagner am Geißbockheim noch Zeit bekommt, seine Ideen umzusetzen.
„Der Fußball ist ein mieser Verräter“
Schon das Derby gegen Borussia Mönchengladbach könnte zum Prüfstein werden. Kemper spricht von einem möglichen „Schwarz-Weiß-Spiel“. Sollte die Partie schiefgehen, dürften die Verantwortlichen nicht wieder nur auf weitere Analysen verweisen. „Für die Stimmung musst du da ehrlicherweise gewinnen“, sagt Kemper.
Dabei betonen beide Reporter zunächst, dass sie dem Trainer den Erfolg in Köln ausdrücklich wünschen. „Ich gönne dem 1. FC Köln und René Wagner den Erfolg miteinander“, sagt Löer. Er würde gerne erleben, wie ein Trainer bei einem Klub konzeptionell etwas aufbaut, Rückschläge verkraftet und dann die Kurve bekommt. „Das wäre von der Dramaturgie her wunderschön“, findet der KStA-Sportchef.
Kemper würde Wagner ebenfalls gerne die nötige Zeit geben. Nach dessen Amtsübernahme in der vergangenen Saison habe er bewusst Geduld gehabt. Der Trainer sollte eine komplette Vorbereitung absolvieren und die Mannschaft weiterentwickeln.
Doch genau dieser Schritt ist für Kemper bislang nicht erkennbar. „Es sind wieder vier Spiele vergangen und so richtig überzeugt haben mich vielleicht zwei Halbzeiten insgesamt“, sagt der EXPRESS-Reporter.
Doch wann ist eine Entwicklung tatsächlich verfehlt? Löer erinnert daran, dass Wagner in der vergangenen Saison eine Mannschaft übernommen habe, die nach allem, was aus dem Klub zu hören gewesen sei, im Verhältnis zwischen Team und Trainerstab „vollkommen zerrüttet“ gewesen sei.
Zunächst habe es deshalb vor allem darum gehen müssen, den FC zu stabilisieren und den freien Fall zu verhindern. Für eine erkennbare Spielidee sei in dieser kurzen Zeit kaum Raum gewesen.
Nach der Vorbereitung und den ersten Saisonspielen gelten diese Argumente allerdings nur noch eingeschränkt. „Der Fußball ist ein mieser Verräter“, sagt Löer. Man könne sich immer wieder erklären lassen, dass der Erfolg unmittelbar bevorstehe. Irgendwann müsse diese Entwicklung aber auch sichtbar werden. Saisonübergreifend, so Löer, punkte der FC unter Wagner „eindeutig wie ein Absteiger“, hochgerechnet liege die Ausbeute deutlich unter 35 Punkten.
Beide Reporter sind zudem überrascht, wie früh die Lage im Umfeld als ernst wahrgenommen wird. „Wo René Wagner jetzt nach vier Spieltagen ist, da waren andere Trainer nach unendlichen Niederlagenserien“, sagt Löer. Die Enttäuschung konzentriere sich fast vollständig auf den Trainer. Die Spieler würden deutlich seltener in die Verantwortung genommen.
Woher kommt also das Misstrauen gegen Wagner? Kemper vermutet, dass vor allem die Schlussphase der vergangenen Saison nachwirkt. Zwar hatte der FC sein Ziel erreicht, die Auftritte seien aber enttäuschend und ermüdend gewesen.
Viele Fans hätten sich deshalb im Sommer einen personellen Neustart gewünscht. „Wenn ein anderer Trainer gekommen wäre und jetzt dieselben Punkte hätte, würde wahrscheinlich niemand einen Mucks sagen“, schätzt Kemper.
Hinzu komme möglicherweise die Art des Coaches. Kemper empfindet Wagner als sehr analytisch und kontrolliert, aber zu wenig emotional. Auch Löer beschreibt den Trainer als jemanden, der Entscheidungen stark auf Grundlage von Daten und Experteneinschätzungen treffe. „Alles wird Hand und Fuß haben“, sagt Kemper. „Aber es ist nie etwas Überraschendes, nie etwas Mutiges.“ Kemper fasst seinen Eindruck so zusammen: „Es fehlt mir da ein Stück weit das Herz.“ (oke)

