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Interview

„Das ist auch Lothars Meinung“Sky-Moderator zweifelt an Kwasniok-Plan

Sebastian Hellmann und Lukas Kwasniok während einer Sky-Übertragung am Seitenrand.

Copyright: IMAGO/Lobeca

Sebastian Hellmann und Lukas Kwasniok haben sich in der laufenden Saison schon oft bei den von Sky übertragenen Topspielen der Bundesliga gesehen.

Am Samstag ist der 1. FC Köln zum achten Mal in der laufenden Saison in einem Topspiel gefordert. Zum ersten Mal soll ein Sieg her. Vorher sprach Sky-Moderator Sebastian Hellmann im EXPRESS.de-Interview unter anderem über die Taktik von Lukas Kwasniok.

Der 1. FC Köln hat den Topspiel-Fluch! Siebenmal musste der FC in der laufenden Saison bisher samstags um 18.30 Uhr ran, siebenmal ging die Mannschaft von Lukas Kwasniok als Verlierer vom Platz.

Am Samstag (14. März, 18.30 Uhr) folgt der nächste Anlauf im Topspiel beim Hamburger SV. Dass die Kölner bisher keines der bisher sieben Topspiele gewinnen konnten, liegt zwar nicht am übertragenden Sender Sky, den einen oder anderen Kommentar konnten sich die FC-Verantwortlichen zuletzt aber nicht mehr verkneifen.

Sebastian Hellmann über FC: „Sonst wird das nichts“

Sebastian Hellmann wird am Samstag wieder zusammen mit den Experten Julia Simic und Lothar Matthäus am Seitenrand stehen und Lukas Kwasniok, Thomas Kessler und Co. am Mikrofon empfangen. Zuvor sprach der Sky-Moderator im EXPRESS.de-Interview unter anderem über den Topspiel-Fluch des FC und die Taktik von Kwasniok:

Der FC bestreitet am Samstag in Hamburg zum achten Mal das Topspiel. Damit liegt Köln in dieser Rangliste auf Platz drei hinter Dortmund und vor Frankfurt, Leverkusen, Leipzig oder auch Mitaufsteiger HSV. Überrascht Sie das?

Sebastian Hellmann: Es ist einfach ein guter Verein, der die Leute interessiert. Da ist ja schon eine ganz große Wucht dahinter, ähnlich wie beim BVB. Wir haben auch viele große Spiele gehabt mit den Kölnern. Wenn Köln gegen Dortmund spielt oder gegen Bayern oder was auch immer, das ist für uns dann einfach ein Topspiel. Jetzt HSV gegen Köln: Also ich finde das mega! Wie das klingt, beide wieder da – das ist einfach ein Traumspiel für alle Fußball-Romantiker.

Der FC hat in der Tat bisher alle Topspiele in dieser Saison verloren und hat vielleicht nicht mehr ganz so große Lust darauf, aber Sie haben schon noch Lust auf den FC am Samstagabend?

Hellmann: Ja, total! Da kann ich jetzt für alle sprechen, die wir da am Tisch stehen, auch Lothar Matthäus. Egal ob zu Hause oder auswärts, wir fühlen uns mit dem FC immer sehr wohl. Bis auf die ganzen Geschichten mit dem VAR, wenn sich der FC da so ein bisschen verselbstständigt, das ist jetzt nicht ganz unsere Kragenweite. Denn es stimmt ja auch nicht, dass sie immer benachteiligt werden. Aber ansonsten haben wir total Bock auf den FC. Das sind immer intensive Spiele.

Die bislang aber ohne Kölner Erfolg geblieben sind.

Hellmann: Das läuft immer nach einem ähnlichen Schema ab. Der FC ist am Anfang echt gut, kann mithalten, nutzt die ersten beiden guten Chancen nicht und am Ende verlieren sie. Das ist eben auch eine Wahrheit, die dazugehört. Die Chancenverwertung ist katastrophal. Sie haben halt keinen Undav vorne drin. Sie haben einen Ache, der mit einem Fallrückzieher das 1:0 macht. Und ich weiß nicht, wie viele gute Chancen Said El Mala schon verballert hat. Das ist dann eben auch eine Qualitätsfrage.

Gibt es denn irgendetwas, was den FC-Fans Hoffnung machen könnte, dass der Topspiel-Fluch am Wochenende endet?

Hellmann: Das weiß ich nicht. Das Spiel ist natürlich für beide super wichtig. Für den HSV wäre ein Sieg quasi der Klassenerhalt. Das ist eine Riesenmotivation. Bei Köln ist mit 24 Punkten das Polster weg.

Woran hakt es denn Ihrer Meinung nach?

Hellmann: Ich bin ein großer Freund von Struktur, was wir auch in den Übertragungen immer wieder thematisiert haben. Findest du jetzt mal eine Achse, ohne viel zu wechseln? Zudem diese Muskelverletzungen beim FC, das kann auch nicht nur Zufall und Pech sein. Ich weiß nicht, was es ist, ich möchte niemandem einen Vorwurf machen, aber irgendwas im Training muss man anpassen, damit man diese Muskelverletzungen in den Griff bekommt. Lukas Kwasniok hat bei uns erklärt, dass 24 Spiele rum sind in der Bundesliga und die das alles in den Knochen haben, neue Belastungen, ungewohnte Belastungen und so. Wenn man einmal in der Woche spielt, finde ich den Ansatz jetzt nicht so relevant.

Ein Beispiel für die ständigen Positionswechsel ist Jakub Kaminski. Wird nun viel auch auf ihn und seine Rolle ankommen?

Hellmann: Er hat gegen Dortmund endlich wieder getroffen, nachdem er zuvor 13 Spiele lang ohne Tor war. Das ist ein super Spieler. Aber man sieht natürlich auch, wenn der die ganzen verschiedenen Positionen spielt, verliert er an Stärke, das ist ja völlig klar. Lukas Kwasniok hat seine Gründe, dass er immer so aufstellen muss. Ich bin da etwas anderer Meinung, ohne den Trainer zu sehr kritisieren zu wollen. Er macht das wirklich ordentlich beim FC, aber das ist auch Lothars Meinung: Er muss da mehr Struktur haben.

Kwasniok gibt sich sehr kämpferisch, er hat zuletzt klar gesagt, die Mannschaft sei zu gut, um abzusteigen. Überzeugt Sie seine Überzeugung? Oder klingt das eher nach Durchhalteparolen?

Hellmann: Er hat ja auch diesen Tennisvergleich genommen. Ich bin da immer ein bisschen skeptisch. Er will immer etwas Besonderes machen und sagt, es ist Entertainment. Da hat er auch nicht Unrecht. Auf der anderen Seite hat er mal in einer Pressekonferenz diesen Vergleich mit Wolverhampton in der Premier League gezogen: dass sie nach einer ganz langen Negativserie plötzlich einige Siege in Folge geholt haben. Eine Wahrheit ist natürlich auch, dass Wolverhampton den Trainer gewechselt hat und dann wieder Spiele gewonnen hat. Das hat er vergessen bei seiner Geschichte. (lacht) Die Farbe Kwasniok tut dem FC aber gut. Thomas Kessler, der das übrigens richtig gut macht als Sportchef, wusste ja, wen er einkauft. Sie müssen sich, glaube ich, noch so ein bisschen aneinander anpassen. Aber ich finde das schon okay. Er hat viel Energie. Die meisten Spieler sagen ja auch, dass er ein guter Trainer ist, mit dem man gut auskommt. Die, die nicht spielen, sagen, das ist kein guter Trainer. Aber das ist in jedem Verein so.

Auf ihn warten nun aber zwei Schicksalsspiele in Hamburg und dann im Derby. Das sehen Sie auch so?

Hellmann: Meine Prognose: Eines davon muss er gewinnen. Sonst wird das nichts.

Nochmal zurück zu den Topspielen. Sind Sie als Moderator in irgendeiner Form in die Auswahl involviert?

Hellmann: Wir nehmen das, was kommt. Das sind ja relativ komplizierte Vorgänge. Wer spielt in der Champions League, welche Vereine spielen am Donnerstag, die können ja dann nur Sonntag. Wir dürfen pro Verein maximal fünf Heim- und fünf Auswärtsspiele für das Topspiel ziehen. Den Second Pick hat Dazn. Da muss man Raketenwissenschaft studiert haben, um da durchzusteigen. Da gibt es zwei Experten bei uns, die beschäftigen sich ganz intensiv damit. Wir sind da nicht eingebunden.

Kölns Trainer Lukas Kwasniok steht im Regen auf dem Trainingsplatz.

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