Jörn Stobbe will nicht nur den 1. FC Köln voranbringen, sondern auch die Olympia-Bewerbung in der Stadt. Im Interview mit EXPRESS.de spricht er über die Pläne.
FC-Präsident optimistischStobbe erklärt Strategie im Abstiegskampf – Olympia als Chance?

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FC-Präsident Jörn Stobbe am 30. März 2026 im Gespräch mit EXPRESS.de-Reporter Uwe Bödeker.

Seit September 2025 ist Jörn Stobbe der neue Präsident des 1. FC Köln. Der 60-Jährige füllt das Amt mit viel Leidenschaft aus. Stobbe blickt dabei nicht nur auf den FC, sondern auch über den Tellerrand hinaus.
Im Gespräch mit EXPRESS.de äußert er sich über die vergangenen Tage mit dem Trainerwechsel, die Sportstadt Köln und die Träume von Olympia am Rhein.
Jörn Stobbe vom FC-Klassenerhalt unter René Wagner überzeugt
Wie stressig waren die letzten Tage? Wenn man in eine Saison geht, wünscht man sich ja nicht, dass man den Trainer wechseln muss. Wie haben sie die letzten Wochen erlebt?
Jörn Stobbe: Die Saison war ein Auf und Ab. Der Druck vor dem Heidenheim-Spiel Anfang Januar war schon groß. Damals sind wir mit dem Punkt in Heidenheim und zwei weiteren Siegen in Sechs-Punkte-Spielen gegen Mainz und Wolfsburg gemeinsam positiv aus dieser Phase gekommen. Lukas Kwasniok hat in der Situation gezeigt, dass er unter Druck in der Lage ist, die Mannschaft aufzurichten, um zu punkten. Aber wir wollen unbedingt die Klasse halten – ganz nüchtern betrachtet haben wir aus 18 Spielen zwei Siege geholt. In der Folge haben wir uns für die Trennung von Lukas entschieden – Thomas Kessler hat das intern wie extern sehr gut begründet. Auch ich möchte Lukas nochmals herzlich für seinen großen Einsatz danken. Ich wünsche ihm alles Gute auf seinem weiteren Weg.
Am Ende steht beim FC der Klassenerhalt über allem …
Stobbe: Wir glauben, dass die wenigen fehlenden Prozente jetzt gehoben werden. Auch wenn wir das Glück mit harter Arbeit erzwingen müssen. Es geht nur darum, in der Bundesliga zu bleiben. Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir all die Themen, die wir angestoßen haben, auch umsetzen können. Es geht dabei zum Beispiel um die Verbesserung der Infrastruktur oder den Geißbockheim-Ausbau.
Ist es nicht ein Abenteuer, jetzt auf Co-Trainer René Wagner zu setzen?
Stobbe: Nein! Wir wissen natürlich, dass René noch keine Erfahrung als Cheftrainer hat, aber wir sind von seinen fachlichen Qualitäten überzeugt. Wie Thomas Kessler es schon gesagt hat: Es geht nicht darum, jetzt alles anders zu machen. Die Mannschaft hat unheimlich viel gut gemacht. Jetzt geht es darum, die letzten Prozent rauszukitzeln. René kennt die Mannschaft perfekt, er kennt Köln und den Verein sehr gut. Für uns ist das also kein Experiment, sondern die Lösung, bei der wir die höchste Wahrscheinlichkeit des Erfolgs sehen.
Im Training war in den ersten Einheiten unter ihm ordentlich Zug drin…
Stobbe: Wir müssen jetzt genauso hart weiterarbeiten. Es kommen zudem einige Verletzte zurück, die die Qualität verbessern. Und er bringt mit seiner persönlichen René-Note die nötige Lockerheit rein. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon in Frankfurt punkten. Wir trauen ihm das zu.
Aktuell dürfen die Bürgerinnen und Bürger über eine mögliche Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 abstimmen. Warum setzen Sie sich so sehr für Olympia in Köln ein?
Stobbe: Olympische Spiele der Neuzeit mit dem zentralen Gedanken der Nachhaltigkeit haben einfach einen gewaltigen Effekt für die ausrichtenden Städte, für die Menschen, den Breitensport und die Infrastruktur. Kritiker diskutieren, ob man die finanziellen Mittel nicht für etwas anderes nehmen kann als für Olympia. Aber es geht nicht darum, Geld umzuverteilen. Ohne Olympia wäre es schlichtweg nicht da. Dann wird es in einer anderen Stadt investiert.
Sie sehen Olympia also als Motor für eine ganze Region?
Stobbe: Ja, ich habe mich mit Sebastian Coe unterhalten. Der ehemalige Leichtathlet hat 2012 die Spiele nach London geholt und die Queen davon überzeugt, bei der Eröffnungsfeier aus dem Helikopter abzuspringen. Er wurde gefragt, welche Spiele er besser fand: London oder Paris? Da hat er einen tollen Satz gesagt: „Frag mich in zehn Jahren. Denn erst dann kann man sagen, welche Auswirkungen die Spiele auf Infrastruktur oder bezahlbares Wohnen haben.“ Nach den Spielen in London 2012 wurde dort eine extrem positive Bilanz gezogen. Spiele mit Köln als Leading-City könnten für die gesamte Region bis ins Ruhrgebiet ein Gamechanger werden. Wenn wir es richtig umsetzen, wäre es einfach mega!
Viele Kritiker glauben aber, dass die Verwaltung in Köln sowieso nichts hinbekommt. Beispiele gibt es genug, wie die Oper oder die Geißbockheim-Erweiterung. Wie denken Sie darüber?
Stobbe: Ich denke immer in Chancen! Und Olympia ist eine riesige Chance, um in Köln mal alles zu überdenken und das Image der „Unfähigkeit“ abzulegen. Ins Zentrum muss der Gedanke: Wie können wir das jetzt realisieren? Köln muss schneller, besser, effizienter beim Bauen werden. Wenn wir das der ganzen Welt zeigen und beweisen, wäre das doch perfekt. Unser neuer OB Torsten Burmester packt dieses Thema aktuell richtig an.
Stobbe berichtet von persönlicher Olympia-Geschichte
Wie würde der 1. FC Köln konkret von Olympia profitieren? Könnte das Rhein-Energie-Stadion ausgebaut werden?
Stobbe: Ein klassisches Olympiastadion mit Laufbahn soll temporär im Kölner Norden entstehen. Für uns würde es erstmal bedeuten, dass der Standort in Müngersdorf mit dem gesamten Sportpark und dem neuen Velodrom aufgewertet wird. Das könnte dann dafür sorgen, dass der politische Wille da ist, um den Ausbau des Rhein-Energie-Stadions zu unterstützen.
Wie sind denn Ihre Gedanken zu einem größeren Stadion?
Stobbe: Wir gründen gerade eine Stadionkommission, mit der wir erstmal Grundlagenarbeit machen. Da kommen alle Themen, die wichtig für ein Stadion sind, auf den Prüfstand. Es geht um Lärmschutz, Betriebsgenehmigung, An- und Abreise oder das Stadionerlebnis. Und die Frage, ob eine Erweiterung auf 75.000 Plätze an diesem Standort möglich und wirtschaftlich machbar ist.
FC-Aufsichtsratschef Lionel Souque sprach zuletzt auch davon, dass eine Stadiongesellschaft mit Investoren gegründet werden könnte, um das Stadion auszubauen. Gibt es da schon konkrete Gespräche und Interessenten?
Stobbe: Nein, da ist noch nichts konkret. Auch dieses Thema untersuchen wir natürlich. Crowdfunding oder eine Genossenschaft könnten ebenfalls Modelle sein. Auf keinen Fall werden wir mit dem 1. FC Köln hohe wirtschaftliche Risiken eingehen. In einem Jahr wollen wir die ersten Zwischenergebnisse in Sachen Stadion präsentieren.
Kann Olympia auch helfen, wenn es um den Geißbockheim-Ausbau geht?
Stobbe: Grundsätzlich wird aktuell viel darüber diskutiert, wie wichtig Sport für die Gesellschaft ist. Es geht um Bewegung, Kinder oder Integration und die Vermittlung von Werten. Das führt hoffentlich auch zu einer positiven Stimmung, wenn es um den 1. FC Köln geht. Wir erhoffen uns da schon einen gewissen Rückenwind. Aber auch ohne Olympia treiben wir die Ausbaupläne voran.
Wie genau ist der Stand beim Geißbockheim-Ausbau?
Stobbe: Wir bemühen uns mit der Politik um weitere Plätze. Den Erweiterungsbau neben dem Franz-Kremer-Stadion wollen wir zeitnah umsetzen. Die Baugenehmigung für das neue Nachwuchsleistungszentrum ist erteilt, wir werden Ende des Jahres mit dem Bau beginnen. Heißt zwischen November 2026 und Februar 2027 wird der erste Spatenstich erfolgen.
Die Wahlunterlagen sind verschickt – kann der FC auch dafür sorgen, dass viele Menschen für Olympia abstimmen?
Stobbe: Ja, das versuchen wir. Wir setzen vieles um und unterstützen diverse Aktionen. Zuletzt hatten wir beim Heimspiel gegen Mönchengladbach unseren Aktionstag, wo wir 16 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der anderen Städte zu Besuch hatten. Wir setzen uns als FC unter anderem auch für ein Rollstuhlbasketball-Turnier ein. Für den FC ist es ganz wichtig, dass es genauso um die paralympischen Spiele geht.
Was bedeutet Ihnen persönlich Olympia?
Stobbe: Das ist, seit ich denken kann, bei mir positiv besetzt, weil mein Vater Horst Olympiateilnehmer 1956 in Melbourne war. Er ist jetzt 92 Jahre alt und war damals mit dem Vierer beim Rudern dabei. Er hat uns früh vom olympischen Gedanken erzählt.
War er erfolgreich?
Stobbe: Er hat nicht gewonnen, aber nicht darüber gejammert, denn das Erlebnis Olympia war für ihn überwältigend. Allein der Austausch mit den anderen Athleten aus der gesamten Welt war unvergesslich. Die Anreise damals hat mit dem Flugzeug genauso lange gedauert wie die Spiele selbst.
Waren Sie auch schon in Australien auf Spurensuche?
Stobbe: Ja, als ich mit meiner Familie in Australien Urlaub gemacht habe, sind wir nach Melbourne gefahren. Der See lag aber richtig weit außerhalb. Da mussten wir morgens einen sehr frühen Zug nehmen. An einer Stele haben wir dort den Namen meines Vaters auf einer Teilnehmer-Plakette gefunden. Als wir ihm das Foto geschickt haben, hatte er Tränen in den Augen. Weil wir endlich das, was er uns erzählt hatte, hautnah nachempfinden konnten.
Waren Sie auch ein talentierter Sportler?
Stobbe: Ich hätte auch Ruderer werden sollen, weil mein Vater 1,93 Meter und meine Mutter 1,80 Meter groß waren. Aber ich hatte als Kind Angst vor Wasser und vorm Kentern. Deswegen bin ich dann Handballer geworden.



