Trainerdiskussion beim 1. FC Köln Gisdol und der permanente Ausnahmezustand

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Bedient: Kölns Trainer Markus Gisdol und FC-Sportchef Horst Heldt.

Köln – Der 1. FC Köln und seine elend lange Sieglos-Serie. Wer ist verantwortlich für die immer prekärer werdende Situation? Hat das Trainerteam die Dinge wirklich noch im Griff? Nicht nur für die Spieler scheint der vor der Saison ausgerufene Überlebenskampf das perfekte Alibi zu sein  auch der Trainer Markus Gisdol (51) verschanzt sich hinter dieser Minimalvorgabe, findet unser Autor in seinem Kommentar.

„Es geht nur ums Überleben.“ Der permanente Ausnahmezustand ist das Saison-Motto des 1. FC Köln. Man darf sich nicht beirren lassen, meint Markus Gisdol. Alle Entscheidungen sind alternativlos. Man weiß, wo man hin will – selbst, wenn man, wie am Sonntag nach der Pleite gegen Union Berlin geschehen, auf einen Abstiegsplatz abrutscht.

Überlebenskampf als Alibi beim 1. FC Köln

Mit dem Ausrufen dieses Ausnahmezustands haben sich der FC-Coach und Sportchef Horst Heldt (50) ein nahezu unangreifbares Alibi geschaffen. Jede Niederlage ist den Umständen zuzuschreiben, jeder Punkt ein Erfolg im zähen Ringen für das Endziel. Jede Schwäche, jeder Fehler ist nicht der des Trainers oder der Spieler, sondern rührt aus den ach so schweren Voraussetzungen, unter denen der FC in die Saison gestartet ist.

Alles zum Thema Markus Gisdol

Aber ist das so? Corona gibt es nicht nur in Köln, finanziell schwer haben es derzeit alle. War etwa die Kaderplanung so alternativlos? Setzt Gisdol auf die richtigen Spieler und auch auf die richtigen Schwerpunkte? Hat er die Dinge wirklich so im Griff, wie er nach außen vorgibt? Ist es normal, dass dieser 1. FC Köln, ein Klub aus der viertgrößten Stadt Deutschlands mit einem Etat, der locker für einen sicheren Mittelfeldplatz in der Liga reichen müsste, seit inzwischen achteinhalb Monaten kein Spiel gewinnen kann?

1. FC Köln: Am Ende ist der Trainer verantwortlich

Ist es normal, dass die Mannschaft nicht in der Lage ist, 90 Minuten ohne Gegentor zu überstehen? Wenn einmal ein Lapsus passiert, nennt man das einen individuellen Fehler. Wenn es mehrfach passiert, noch beim selben Spieler, dann ist es Unvermögen. Wenn es aber reihenweise passiert, bei unterschiedlichsten Spielern, wenn sich keiner nach vorne entwickelt, sondern nur zurück – dann ist das auch Trainersache. Dann ist Markus Gisdol verantwortlich.

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Enttäuschung nach Abpfiff: Rafael Czichos (l.) und Timo Horn

Dann das Offensivspiel, das seinen Namen nicht verdient. Wie ist es möglich, dass eine Bundesliga-Mannschaft nicht den Hauch einer Ahnung hat, wie sie den Ball vor das gegnerische Tor transportieren will? Einstudierte Spielzüge, schnelle Ballstafetten? Das sieht man nahezu überall, nur nicht beim 1. FC Köln. Und auch das hat nicht primär etwas mit dem Personal zu tun, so etwas kann man einstudieren und auch da landen wir sehr schnell bei Trainer Markus Gisdol und seinem Team.

1. FC Köln: Steinzeit-Taktik von Markus Gisdol

Der ist nämlich für noch etwas verantwortlich: Im Sommer hieß die Vorgabe von Horst Heldt, dass der Coach der Mannschaft unterschiedliche taktische Rezepte an die Hand geben soll, mit denen sie in den Spielen zum Erfolg kommen kann.

Inzwischen sind wir bei 90 Minuten Manndeckung und einem Kick and Rush angekommen, den man selbst mit Stimmung kaum ertragen könnte. Als Geisterspiel serviert ist es einfach grauenhaft und ungenießbar.

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Markus Gisdol muss Argumente für Weiterbeschäftigung liefern

Ist das alles alternativlos? Von wegen. Nimmt man den selbst ausgerufenen Ausnahmezustand einmal beiseite, darf Gisdol gerne mal das ein oder andere Argument für eine Weiterbeschäftigung liefern – und auch die Fans wieder versöhnlich stimmen, von denen sich einige derzeit mit Grausen abwenden. Und das wäre nicht die Tatsache, dass auch die nächste Niederlage gegen Dortmund ganz normal und nicht zu ändern ist.

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Markus Gisdol (r.) und Co-Trainer Frank Kaspari konnten gegen Union Berlin nicht zufrieden mit ihrer Mannschaft sein.

Gisdol hat diese Kommunikations-Taktik schon einmal angewandt, in seiner desolaten zweiten Saison beim Hamburger SV. Damals erlöste der 1. FC Köln mit einem 2:0-Sieg die Hanseaten und ihren ratlosen Trainer am 19. Spieltag. Solange dürfen die FC-Bosse diesmal nicht tatenlos zusehen. Permanenter Ausnahmezustand hin oder her.

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