Ex-FC-Coach Nach Baerbock-Aufforderung: Markus Gisdol erinnert sich an Abgang aus Moskau

Markus Gisdol steht bei einem Spiel von Lokomotive Moskau nachdenklich am Seitenrand

Markus Gisdol, hier am 4. November 2021 beim Spiel gegen Galatasaray Istanbul, höre bei Lokomotive Moskau schon nach kurzer Zeit auf.

Nur vier Monate blieb Markus Gisdol auf seiner ersten Auslands-Station bei Lokomotive Moskau, dann beendete der Krieg das Russland-Abenteuer.

Ein halbes Jahr nach dem Abschied beim 1. FC Köln wagte Markus Gisdol (53) in Russland das erste Auslands-Abenteuer seiner Trainer-Karriere. Keine vier Monate später endete die Zeit bei Lokomotive Moskau mit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine aber auch schon wieder.

Mit reichlich Abstand blickte der frühere Bundesliga-Coach nun noch einmal auf das Moskau-Intermezzo zurück, das er trotz großer Pläne letztlich überstürzt abbrechen musste. Ausschlaggebend dafür war unter anderem auch eine dringliche Aufforderung aus der Politik.

Markus Gisdol geschockt von Russland-Angriff auf Ukraine

Die Nachricht des Kriegs-Beginns am 24. Februar 2022 habe ihn und seine Mannschaft im Trainingslager im spanischen Marbella erreicht, berichtete Gisdol im „11 Freunde“-Interview: „Es war ein großer Schock“. Vier Tage später war er beim neunmaligen russischen Meister schon nicht mehr im Amt.

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Zwar habe er die Mannschaft noch zurück in die Hauptstadt begleitet und die Eindrücke dort kurz auf sich wirken lassen, dann aber schnell den Entschluss getroffen, einen Russland-Schlussstrich zu ziehen. „Nach ein, zwei Tagen in Moskau habe ich gespürt, dass sich dort etwas gewaltig verändert hat“, erinnerte sich Gisdol zurück.

Er habe jegliche Freude am Fußball schlagartig verloren, sich wie in einem Schockzustand gefühlt. Weil er nur wenige Hundert Meter vom Kreml entfernt wohnte, wo die fatalen Entscheidungen rund um den Überfall auf das Nachbarland getroffen worden waren, seien der Krieg und seine Folgen ihm besonders nahe gegangen.

Markus Gisdol brach seine Zelte in Russland umgehend ab

Bei Lokomotive hatten ihn zuvor freie Hand bei Personalentscheidungen und Vertraute wie Ralf Rangnick (64) und Analyst Lars Kornetka (44) erwartet. Mit ihnen hoffte Gisdol auf langjährige Zusammenarbeit und wollte ein „neues RB Salzburg“ mit einer klaren Vision aufbauen.

Während Gisdol noch auf Vereinssuche ist, arbeiten Rangnick (nach kurzer Zwischen-Station bei Manchester United) und Kornetka inzwischen für die österreichische Nationalmannschaft. 

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„Außenministerin Annalena Baerbock hatte die Deutschen in Russland aufgefordert, das Land zu verlassen. Ich wollte einfach sicher zurück zu meiner Familie“, begründete Gisdol seine Entscheidung für den sofortigen Abbruch der Auslands-Mission am 28. Februar. Über die Türkei flog er zurück nach Deutschland, ließ Russland so schnell er konnte hinter sich.

Dass ihn sein Ex-Spieler Dmitri Barinow (26) für den überstürzten Abgang ohne Abschied von der Mannschaft öffentlich kritisiert hatte, könne er rückblickend dennoch nachvollziehen, so Gisdol: „Das habe ich zuvor noch nie gemacht und entspricht auch nicht den Werten, für die ich stehe.“ (bc)

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