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Kommentar zum FC-Auftakt Baumgart streift Kölns Bleiweste der Angst ab

Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln und seine Trainerbank beim Spiel gegen den VfL Bochum.

Trainer Steffen Baumgart jubelt über den Sieg des 1. FC Köln gegen den VfL Bochum am 28. August 2021.

Der 1. FC Köln gewinnt auch das zweite Heimspiel der Fußball-Bundesliga gegen den VfL Bochum mit 2:1 - und begeistert wieder mit tollem Offensiv-Fußball. Die Fans sind aus dem Häuschen. Es ist, als habe Steffen Baumgart die bleierne Weste der Angst von Müngersdorf abgestreift, findet unser Autor in seinem Kommentar.

Köln. Volksfeststimmung in Müngersdorf! 25.000 Zuschauer durften zum zweiten Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Bochum kommen und allein schon die Freude auf die Fahrt zum Stadion, das Kölsch mit den Freunden und Bekannten sowie das gemeinsame Singen der Hymne dürfte Balsam auf die Seele des durch die Pandemie ausgezehrten kölschen Anhängers sein.

Doch noch etwas ist anders beim 1. FC Köln: Während früher nach dem Anpfiff des Schiedsrichters oft zweimal 45 Minuten grausamer Abnutzungskampf zu ertragen war, wartete nun schon zum zweiten Mal beste Fußball-Unterhaltung auf die Fans in Rot und Weiß.

Baumgart weckt schlummernde Potenziale beim 1. FC Köln

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Es ist, als habe der neue Trainer Steffen Baumgart die Bleiweste der Angst vom 1. FC Köln abgestreift. Allzu oft ging es in den letzten Jahren darum, bloß nicht zu verlieren. Sich nicht angreifbar zu machen. Nicht zu versagen. Doch mit seinem positiven Ehrgeiz hat Baumgart binnen zwei Monaten das Denken im Klub verwandelt. Plötzlich geht es darum, was man erreichen kann. Hohe Ziele werden angepeilt, wo früher stets mahnend das nackte Überleben zum Existenzzweck ausgerufen wurde. Schlummernde Potenziale werden geweckt, individuell und mit dem Team minutiös gearbeitet.

Unter Vorgänger Markus Gisdol etwa entdeckte die Mannschaft des 1. FC Köln ihren Mut oft erst, wenn sie mit einem Bein schon über dem Abgrund hing. Jetzt trägt sie ihn von der ersten Minute zur Schau. Wo Gisdol eine Marschroute gesucht hat, um Gegentore zu verhindern, tüftelt Baumgart an Wegen, wie man zu Toren kommt und die Mannschaft sucht sie vom Anpfiff weg.

Die Spieler des 1. FC Köln feiern den Bundesliga-Sieg über den VfL Bochum.

Party in Müngersdorf: Die siegreiche Mannschaft verabschiedet sich nach Bundesliga-Spiel gegen den VfL Bochum am 28. August von der Südtribüne des Rhein-Energie-Stadion.

FC-Profis gewinnen den Glauben an sich selbst zurück

Der Trainer hat Spielern, die im Verein schon komplett abgeschrieben waren, den Glauben an sich selbst zurückgegeben. Nicht nur Anthony Modeste. Auch Benno Schmitz wirkt wie ein komplett neuer Spieler. Und wer weiß, welches Urteil frühere Sportchefs unter der Hand über Louis Schaub gefällt haben, der kann sich vorstellen, wie gut ihm sein 1:0 gegen den VfL Bochum getan hat.

Nicht falsch verstehen: Niemand erwartet jetzt, dass jedes Heimspiel gewonnen wird. Auch bei den Siegen über Hertha BSC (3:1) und nun den VfL Bochum (2:1) gab es Phasen, in denen die Partie in die andere Richtung hätte laufen können. Aber alleine die Freude, mit der die Mannschaft Offensivfußball bietet, ist das Eintrittsgeld wert.

Der 1. FC Köln bietet ein Spektakel, auf das die Fans jahrelang warten mussten und weswegen man doch eigentlich am Samstag zum Fußball geht. Allein dafür, dass Baumgart Köln die Weste der Angst abstreifte, muss man ihm jetzt schon dankbar sein. Wenn der 1. FC Köln damit noch die Tabelle der Fußball-Bundesliga aufmischt – umso besser!

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