Jens Castrop ist ein Eigengewächs des 1. FC Köln. Weil er bei den Profis allerdings nie eine Chance erhielt, wählte er einen anderen Karriereweg. Mit einem Gala-Auftritt im Derby hat er nun späte Rache genommen.
In Köln vom Hof gejagtFC-Eigengewächs nimmt bittere Tor-Rache

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Nach dem Traumtor putzte Teamkollege Kevin Diks Torschütze Jens Castrop symbolisch den Schuh.
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Es war das erste Derby seiner noch jungen Karriere und dann machte Jens Castrop gleich das Spiel seines Lebens. Das Problem für den 1. FC Köln: Er absolvierte es im falschen Trikot.
Castrop durchlief von 2015 bis 2022 sämtliche Jugendmannschaften beim FC, war fest mit dem Klub verbandelt, wartete dann aber vergeblich auf den Durchbruch bei den Profis. Denn zu einem Pflichtspiel-Einsatz für die Profis kam es nie, obwohl der FC in dieser Zeit händeringend einen Rechtsverteidiger gebraucht hätte.
Castrop bekam beim FC nie eine Chance
Doch das Vertrauen in das Eigengewächs war nicht groß genug und Castrop zog frustriert von dannen. „Beim Übergang in den Profibereich hat es mit der Kommunikation mit den Oberen im Verein nicht gepasst, da ist vieles gar nicht gut gelaufen“, sagte der südkoreanische Nationalspieler kürzlich.
Nach dem wilden 3:3 im Derby erklärte er: „Ich war ein sehr ehrgeiziger junger Spieler und ich wollte so schnell wie möglich mein Debüt machen. Ich habe all die Spieler in meinem Jahrgang um mich herum gesehen, die ganzen Talente, wie sie in ihren Mannschaften zu ihren ersten Spielen kommen und ich stand irgendwie auf der Stelle, kam nicht weiter.“
Daher wählte er einen anderen Karriereweg. Der FC kassierte damals nur eine Mini-Ablöse, während der 1. FC Nürnberg das Potenzial erkannte und schließlich richtig Geld mit Castrop machte. Denn nach drei guten Jahren bei den Franken landete Castrop schließlich ausgerechnet beim Erzrivalen vom Niederrhein, der 4,5 Millionen Euro auf den Tisch legte.
Und ausgerechnet beim Wiedersehen mit seiner alten Liebe erwischte Castrop dann diesen Sahnetag. Der begann bereits nach 30 Sekunden, als er FC-Frischling Cenny Neumann düpierte und zum 1:0 einschob – samt anschließendem Jubel vor der Süd.
Auch beim 2:2 hatte der gebürtige Düsseldorfer seine Füße im Spiel. Da setzte er sich ebenfalls gegen Neumann durch und schlug die entscheidende Flanke vor dem Treffer von Philipp Sander. Der Höhepunkt folgte dann aber im zweiten Durchgang. Da fasste sich Castrop ein Herz und hämmerte den Ball aus rund 20 Metern in den Giebel – Marke Traumtor!
„Definitiv“ das schönste Tor seiner bisherigen Karriere gestand Castrop hinterher. „Ich kann mich gar nicht richtig freuen“, sagte er angesichts des enttäuschenden Ergebnisses: „Aber das ist natürlich trotzdem ein Tag, den ich nie vergessen werde.“
Denn zu der Freude über sein bestes Karrierespiel kam sicher auch ein Stück weit Genugtuung dazu. Eindrucksvoller hätte er es den Kölner Verantwortlichen gar nicht vor Augen führen können, dass es damals ein Fehler war, ihm keine vernünftige Chance zu geben.

