Der 1. FC Köln ist gemessen an der Anzahl der Fouls das fairste Team der Bundesliga. Vor dem Spiel in Stuttgart stellt sich die Frage: Ist der FC zu brav, um auch mal ein Topteam der Liga zu ärgern?
Wenigste Fouls der LigaFC zu brav? „Haben nicht nur Pfadfinder“

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Rav van den Berg sah die einzige Rote Karte beim 1. FC Köln in dieser Saison. Der Holländer flog für ein Handspiel gegen Union vom Platz.
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Es wird für den 1. FC Köln mal Zeit, einen Großen der Liga zu ärgern. Beim VfB Stuttgart hat die Mannschaft von Lukas Kwasniok die nächste Chance, endlich mal ein Top-6-Team der Liga zu schlagen.
Bislang ist die Bilanz ernüchternd, unter dem Strich war man gegen die Besten oft nicht abgezockt genug. Oder ist der FC einfach zu brav? Denn die Kölner sind die fairste Mannschaft der Liga, kein anderes Team foult weniger.
Foul-Statistik: FC ist das fairste Team der Liga
Zum Vergleich: Der FC hat in dieser Saison erst 175 strafwürdig hingelangt, „Spitzenreiter“ Hoffenheim dagegen schon 302 Mal. Daher wurde Kwasniok vor dem Spiel im Schwabenland gefragt, ob seine Mannschaft nicht etwas „krummer“ spielen müsste, um auch die Großen ärgern zu können.
„Krumm ist eine schöne Beschreibung. Nicht unfair, sondern krumm. Das nehme ich auf in mein Vokabular“, scherzte der FC-Coach und erklärte dann: „Ich habe den Sinn noch nie verstanden. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir nur Pfadfinder im Team haben. Wir haben auch Jungs dabei, die hinlangen können. Ich habe das aber schon im Training nicht leiden können. Eine meiner ersten Ansagen hier war: Wenn einer den anderen bewusst umtritt, geht er sofort duschen.“
Es braucht ja nicht gleich einen Dominik Kohr, der seit Jahren rücksichtslos wie ein Berserker über den Platz pflügt, aber ein „Aggressive Leader, wie ihn der FC zuletzt in Davie Selke hatte, kann einem Underdog oft nicht schaden. Einer, der mal Grenzen auslotet und sich auch mal am Rande des Erlaubten bewegt.
Kwasniok dagegen ist froh, dass er keinen „Badboy“ im Zaum halten muss. Er sagt: „Heute werden viel schneller Rote Karten gezogen, dann kommt der VAR und dann bist du weg. Du kannst nichts mehr machen, was niemand sieht. Es ist viel wichtiger, Spiele mit elf Mann zu beenden, das haben wir diese Saison bereits zweimal erlebt. Ich animiere meine Jungs deshalb immer, sich nicht mit einer frühen Gelben Karte zu belasten.“
Ohnehin „erhöhe es nicht die Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen, wenn man eine Treter-Mannschaft ist“, so der Coach. Kwasniok will daher nicht „krummer“ spielen, sondern, im Gegenteil, noch vorsichtiger und bedachter – vor allem in der eigenen Hälfte.
„Es geht darum leidenschaftlich gemeinsam zu verteidigen und keine unnötigen Freistöße zu provozieren. Denn bei Standards sind wir extrem gut“, sagt der FC-Coach ironisch: „Wenn wir jetzt noch mehr gegen uns bekommen würden, dann haben wir erst recht gewonnen.“


