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Camping-Trends 2026Nah, natürlich, nachhaltig – oder?!

Wohnmobil fährt über eine Straße am Meer auf Romo

Copyright: Shutterstock

Auch für viele Camperinnen und Camper gilt: Man müsste vier mehr ans Meer. 

Die Campingsaison 2026 ist gerade richtig durchgestartet – das sind die Trends. Zwischen Nähe und Ferne, Luxus und Lauschigkeit.

Mit den ersten warmen Frühlingssonnenstrahlen kommen sie aus den Winterquartieren, beenden ihren Dornröschenschlaf unter Polypropylen-Planen und Hallendächern: Hunderttausende Reisemobile, Caravans, Zelte und weitere mobile Freiluftbehausungen.

Die Lust am Campingurlaub ist trotz Teuerung in fast allen Lebensbereichen und aktueller „Wegelagerei“ mit dem Dieselpreis ungebrochen. Das sind die Trends für 2026:

Regional - na klar! Wo es die Camper hinzieht

Der Regio-Trend: Unser Urlaub wird 2026 überwiegend regional – gilt auch fürs Camping. 53 Prozent planen laut aktueller roadsurfer-Umfrage ihre Reise in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Spritsparfüchse aus dem Rheinland sind im Nullkommanix und einer Tankfüllung (je nach Heimatort) im Kraftstoff-Paradies Luxemburg, das darüber hinaus noch mit Städtchen wie Esch-sur-Sûre oder Vianden schöne Ferienziele in petto hat.

Der Ostsee-Trend: Unter dem Motto „…denn das Gute liegt so nah“ rollten 2025 laut des Statistischen Bundesamtes die meisten Camping-Fans an die Ostseeküste: 3,4 Millionen Übernachtungen in Schleswig-Holstein und weitere 3,1 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern. Dahinter: Schwarzwald (2,6 Millionen), Niedersachsens Nordseeküste (2 Millionen) und das Allgäu (1,8 Millionen). Für dieses Jahr wird sich Experten zufolge an der Popularität heimischer und nachbarschaftlicher Destinationen nicht viel ändern – vermittelt die Nähe zum Wohnort doch ein Gefühl von Sicherheit, zudem ist man (gefühlt zumindest) unabhängiger von globalen Krisen und Katastrophen.

Der Preis-Trend: Mit dem Campingurlaub auf heimischer Scholle kann man auch das Preisgespenst dann und wann verscheuchen, auch wenn laut Statistischem Bundesamt die allgemeinen Camping-Gebühren 2025 im Vergleich zu 2020 um 28,7 Prozent gestiegen sind. Aber: Für eine Nacht in der Sommer-Hochsaison 2026 bezahlt man in Mecklenburg-Vorpommern, so eine Erhebung von Pincamp, im Schnitt 43 Euro. Zwei Euro mehr als der durchschnittliche Übernachtungspreis auf deutschen Campingplätzen, der im Europa-Vergleich des ADAC-Campingportals sehr moderat daherkommt. Nur Norwegen (38 Euro) und Schweden (40 Euro) sind in der Hochsaison günstiger, haben aber hohe Lebenshaltungskosten. Übrigens: Im Bundesländer-Ranking am günstigsten ist Thüringen (34 Euro/Nacht in der Hochsaison) gefolgt von Hessen (37 Euro) und Sachsen-Anhalt (38 Euro). Am oberen Ende der Preisskala liegt Brandenburg (45 Euro pro Nacht).

Ein paar Zahlenspielereien

  1. Kein Scherz! Laut Kraftfahrtbundesamt gab es am 1. April 2025 (aktuellste Zahl) 1,002 Millionen hier zugelassene Reisemobile. Plus etwa 780.000 Caravans.
  2. Rekord! Laut Statistischem Bundesamt verzeichneten deutsche Campingplätze 2025 rund 44,7 Millionen Übernachtungen – ein Plus von 4,2 Prozent.
  3. Eine dreiköpfige Familie zahlt auf einem Campingplatz in Deutschland laut Pincamp für die Nacht im Schnitt 41 Euro (Hochsaison Juli/August). Am teuersten: Kroatien (73 Euro), am günstigsten: Norwegen (38 €).
  4. Wie vieles andere sind auch die Preise für Wohnmobilstellplätze heftig gestiegen: 2025 kostete die Übernachtung dort 32,2 Prozent mehr als noch 2020.
  5. Laut Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) gibt es hierzulande 3212 Campingplätze. Spitzenreiter: Bayern mit 523 Anlagen.
  6. 2025 wurden 75368 Reisemobile neu zugelassen. Davon waren gerade mal 48 vollelektrisch und 103 Benzin-Hybride.

Der Weit-weg-Trend: Neben denen, die spritsparend, also in der Nähe campen, liegt auch das andere Extrem im Trend: Fernreisen mit dem Mietcamper. Max Schmidt ist Managing Director des Kölner Unternehmens CamperDays, die weltweit größte Online-Plattform für Campervermietungen. Er sagt: „Wir sehen 2026 keine Zurückhaltung beim Reisen, sondern klare Verlagerung der Nachfrage. Politische Rahmenbedingungen und Sicherheitsaspekte sind dabei entscheidend. Sie erklären, warum sich die Nachfrage zwischen Destinationen verschiebt, etwa innerhalb Nordamerikas von den USA nach Kanada. Die grundsätzliche Reisebereitschaft bleibt jedoch hoch.“ Beliebte Fernziele seien, so erklärt er im Gespräch mit dem EXPRESS, „Australien, Neuseeland, Südafrika – aber auch Botsuana oder Costa Rica. Da haben wir z.B. Suzuki Jimmys mit Dachzelt drauf herumcruisen. Peru ist auch gefragt – und Japan natürlich.“ Das Unternehmen mache 80 Prozent der Umsätze außerhalb Europas. Wobei auf unserem Kontinent laut Schmidt Island („superattraktives Land“), Skandinavien „und natürlich UK und Schottland – alles um Edinburgh herum“ – eine hohe Nachfrage hätten.

Camping Les Sablons

Copyright: Les Sablons

Camping „Les Sablons“ ist ein Beispiel (und es werden immer mehr) für den Nachhaltigkeits-Trend beim Campen

Der Nachhaltigkeits-Trend: Nachhaltigkeit hat für Camper Priorität. Laut roadsurfer-Umfrage berücksichtigen 68 Prozent bei der Urlaubsplanung Nachhaltigkeitsaspekte. 32 Prozent meiden überlaufene Tourismusregionen, um Überlastung zu umgehen. 31 Prozent achten auf regionales, saisonales Essen. 24 Prozent verzichten auf All-Inclusive-Angebote, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Dabei muss Nachhaltigkeit nicht mit Askese einhergehen. Drei Beispiele von ganz vielen (und es werden immer mehr):

  1. Das familiengeführte 5-Sterne-Campingresort „Les Sablons“ bei Béziers in Südfrankreich (Stellplatz ab 35 Euro). Das verfügt u. a. über einen zwei Hektar großen Permakultur-Garten – wohl einzigartig für einen Beherbergungsbetrieb in Europa. Das dort kultivierte Obst und Gemüse wird in der Gastro des Resorts verarbeitet, das Wasser aus den Pools wird aufbereitet und wieder genutzt.
  2. Das mitten in der Natur gelegene Møns Klint Resort an der dänischen Ostsee. Die Eigentümerfamilie kümmert sich um den Erhalt der einzigartigen Landschaft - mit nachhaltiger Landwirtschaft und Renaturierungsprojekten. Außerdem trugen die Eigentümer maßgeblich dazu bei, dass die imposante Kreidesteilküste 2025 Unesco-Weltnaturerbe wurde.
  3. Auch „Wildwood Camping“ hat sich der Nachhaltigkeit und Naturnähe verschrieben, am 29. Mai eröffnet in der Uckermark der inzwischen vierte Platz neben Rügen, dem Harz und der Lüneburger Heide. Plätze je nach Standort um ca. 30 Euro (Zelt) und 42 Euro (Stellplatz).

Der Damen-Solo-Trend: Die Zeiten, in denen die „fahrerischen Aktivitäten“ der Damen im Campingurlaub allenfalls darin bestanden, die „bessere Hälfte“ beim Rückwärts-Rangieren einwinken zu dürfen, sind zum Glück lange vorbei: Immer mehr Camperinnen sind auf Solo-Pfaden unterwegs. Laut Trend-Index 2026 von CamperDays waren 2025 bereits rund 40 Prozent der Alleinreisenden weiblich. „Tendenz steigend“, berichtet Christiane Schenk von CamperDays: „Der Camper bietet ein hohes Maß an Autonomie und Sicherheit – zwei Faktoren, die für Solo-Reisende besonders relevant sind.“ Zwischen 2023 und 2025 stieg die Zahl der Solo-Reisen beider Geschlechter um 25 Prozent – 2025 waren vier von zehn Alleinreisenden weiblich. Dass „sie“ auch beim Familienurlaub am Steuer sitzt – längst Routine.

Der Alters-Trend: Die sogenannten „Best Agers“ (50 bis 65 Jahre; meist gut verdienend und zeitlich flexibel) bleiben zentrale Zielgruppe. Dazu gesellen sich die Jungen (18 bis 24 Jahre), die sich nach der Schule/vor der Ausbildung längere Roadtrips gönnen. Doch egal ob Silberschopf oder Jungspund, ob mit Wohnwagen am Feldberg oder im Campervan am Fujiyama – Max Schmidt fasst zusammen, was Camping für ihn und die meisten anderen Fans dieser Urlaubsform bedeutet: „Freiheit und Entschleunigung in einer sehr naturverbundenen Urlaubsform: Camping ist sehr, sehr wahr – und sehr ehrlich!“

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