Hantavirus-Fälle auf Schiff: Droht eine neue Pandemie?
Angst vor PandemieHantavirus-Fälle auf Schiff: Experten geben jetzt Entwarnung

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Beim Kontakt mit dem Hantavirus sollte ein Schutzanzug Pflicht sein.
Einige Hantavirus-Fälle an Bord eines kleinen Kreuzfahrtschiffes sorgen global für Aufregung – und rufen sofort Assoziationen mit der Corona-Pandemie hervor. Besonders in den sozialen Medien wird der jetzige Erreger mit dem Covid-19-Virus in einen Topf geworfen. Spezialisten heben allerdings hervor, dass die beiden Lagen sich stark voneinander abgrenzen – gerade bei der Ansteckungsrate und der Gefahr für die breite Masse.
Droht uns eine neue Pandemie durch das Hantavirus?
In den sozialen Kanälen wird die Behauptung verbreitet, das Hantavirus „könnte eine Pandemie auslösen, die viel tödlicher ist als Covid“. Diese Befürchtung wird von Experten nicht geteilt. Der Erreger sei nicht mit Sars-CoV-2 oder der Grippe gleichzusetzen, erläutert Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.
Zwar können manche Hantavirus-Krankheiten als ziemlich ernst und potenziell tödlich eingestuft werden, aber eine hohe Mortalitätsrate allein verursacht keine Pandemie. Ausschlaggebend ist die Leichtigkeit, mit der sich ein Keim ausbreitet – und die Ansteckungsfähigkeit ist hier deutlich niedriger als bei Sars-CoV-2. Das auf dem Schiff kursierende Andesvirus ist laut der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC der einzige bekannte Typ der Hantaviren, der von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.
Im Gegensatz zum Coronavirus findet jedoch keine zügige und flächendeckende Übertragung durch zahlreiche symptomfreie Infizierte statt, wie der Virologe Schmidt-Chanasit hervorhebt. Die ECDC bewertet die Gefahr für die Allgemeinheit deswegen als „sehr gering“ ein. Auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt grünes Licht.
Ansteckungen mit dem Andesvirus von einer Person zur anderen sind nach ECDC-Angaben „selten und erfordern meist längeren engen Kontakt, oft in geschlossenen Räumen“. Das heißt im Klartext: Auch beim Auftreten mehrerer Infektionen entwickelt sich keine Eigendynamik wie bei Covid-19.
Ein Indiz dafür ist auch der bekannte R-Wert – also die durchschnittliche Personenzahl, die von einem Infizierten angesteckt wird. Eine Untersuchung im angesehenen „New England Journal of Medicine“ über einen Ausbruchsfall in Argentinien Ende 2018 belegt, dass die damals ohnehin schon geringe Kennzahl nach simplen Isolationsschritten rapide fiel. Der Ausbruch mit total 34 nachgewiesenen Infektionen konnte rasch eingedämmt werden. Schmidt-Chanasit unterstreicht zudem, man habe „bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht“.
Die Covid-19-Pandemie wies im Gegensatz dazu eine komplett andere Entwicklung auf: In Deutschland erfasste das Robert Koch-Institut (RKI) nur im Zeitraum von 2020 bis 2022 über 37 Millionen nachgewiesene Ansteckungen mit Sars-CoV-2.
Hantavirus als Folge der Covid-Impfung? Wilde Theorien im Netz
Online zirkulieren Thesen, die eine Verbindung der Andesvirus-Infektionen zur Covid-Impfung von Pfizer und Biontech herstellen. Diese soll angeblich Lungenentzündungen durch Hantaviren hervorrufen oder den Keim sogar selbst in sich tragen, so die Mutmaßung. Als scheinbarer Beweis wird ein Schriftstück genannt, welches Pfizer 2021 für das Zulassungsverfahren bei der US-Behörde FDA vorgelegt hat. Dort erscheint in einer langen Aufzählung der Ausdruck „Hantavirus pulmonary infection“, also eine Lungeninfektion durch das Hantavirus.
Pfizer stellte klar, dass in dem Verzeichnis nur medizinische Vorfälle aufgelistet wurden, die nach einer Vakzination gemeldet wurden – komplett ohne Berücksichtigung, ob ein Zusammenhang zur Impfung bestand. Darüber hinaus beinhaltet das Vakzin laut Angaben des Herstellers keinerlei Hantaviren.
Warum Verschwörungsmythen wieder Konjunktur haben
Für Josef Holnburger sind die Parallelen zur Corona-Krise keine Überraschung. Der Geschäftsführer des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), welches Radikalisierungstendenzen und Verschwörungsmythen im Netz analysiert, deutet auf die Befürchtung vieler hin, dass sich ein solches Ereignis wiederholen könnte.
Im Internet finden daher auch Verschwörungstheorien Verbreitung. Einige User wittern hinter dem Hantavirus eine angebliche geheime Absicht. Vergleichbare Schemata habe es schon während der Covid-19-Pandemie gegeben, führt Holnburger aus. Auch zu dieser Zeit meinten manche Leute, dass hinter den Geschehnissen versteckte Kreise mit Macht über Medien und Gesellschaft steckten, die bewusst Schaden verursachen wollten. (dpa/red)
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