Eric Burdon wird 85: Die Rock-Legende ist nicht zu stoppen.
„Ich bin immer noch hier“Rock-Legende Eric Burdon wird 85 – sein Leben voller Erfolge & Pleiten

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Als Frontmann der Rockband The Animals wurde Eric Burdon mit dem Song «The House of the Rising Sun» weltberühmt.
Schlohweißes Haar, das Gesicht meist hinter dunklen Gläsern verborgen. Doch sobald er den Mund aufmacht, ist alles klar: Diese Stimme kennt jeder. Es ist das raue, unverkennbare Organ von Eric Burdon, das den Sound der 60er Jahre formte. Mit seiner Band The Animals und dem Welthit «The House of the Rising Sun» sang er sich für immer in die Geschichtsbücher.
Zuletzt wurde es etwas stiller um den Musiker, der an diesem Montag (11. Mai) seinen 85. Ehrentag begeht. Die Pandemiezeit nutzte Burdon für einen großen Umzug: Er tauschte Kalifornien gegen Griechenland. Dort lebt er nun mit seiner dritten Ehefrau Marianna, die vierzig Jahre jünger ist. Aber Ruhestand? Fehlanzeige! In seiner Wahlheimat Athen schmiedet die Rock-Ikone aus Newcastle weiter musikalische Pläne.
Ganz frisch hat er mit den griechischen Musikern Alex Sid und Quasamoda den Titel «Don't Leave Me» herausgebracht. Burdons Stimme, vom Leben geprägt und doch einzigartig, verleiht dieser schwermütigen Ballade mit Mandola- und Orgel-Sounds eine enorme Wucht. Der Song entstand eigens für die erfolgreiche griechische Fernsehserie «I paralia» («The Beach»).
Mit The Animals zum Weltstar
«There is ... a hooooouse ... in New Orleaaaanss!» Jeder kennt diese Zeilen. Wer den Gassenhauer «The House Of The Rising Sun» aus den 60ern einmal im Ohr hat, wird ihn nicht mehr los. Die Animals landeten 1964 mit ihrer Bluesrock-Interpretation des traditionellen Folksongs einen globalen Volltreffer. Der am 11. Mai 1941 geborene Eric Victor Burdon avancierte so als Frontmann der Gruppe zur Berühmtheit.
Die Band wurde 1962 in der schroffen Industriestadt Newcastle upon Tyne ins Leben gerufen und tourte anfangs durch die Clubszene. Ein anderer berühmter Sohn Newcastles, der Musiker Sting, ist heute ein enger Freund von Burdon. Er beschrieb die aufregende Atmosphäre der 60er in «Rock'n'Roll Animal» so: «Eric und die Animals waren für Newcastle, was die Beatles für Liverpool und die Stones für London waren. Das Vorbild für die Beat Generation.»
Optisch konnten die Mitglieder der Animals mit anderen Gruppen nicht mithalten. Burdon wirkte mit seinem jungenhaften Gesicht und der tiefen Baritonstimme eines reiferen Herrn fast nie lächelnd. Doch genau das machte sie glaubwürdig. Ein Plattenvertrag war schnell unterschrieben. Bereits ihre zweite Single-Veröffentlichung war «The House of the Rising Sun». Danach kamen Hits wie «I'm Crying» und das von Nina Simone bekannt gemachte «Don't Let Me Be Misunderstood».
Zoff um den Welthit: Das abrupte Ende
Der Ruhm bekam der Formation jedoch nicht gut. Nach lediglich vier gemeinsamen Jahren zerbrachen die Animals. Zuerst ging Keyboarder Alan Price, wenig später warf auch Drummer John Steel das Handtuch. Gegenüber der Zeitung «Independent» offenbarte Price 2011, dass der plötzliche Erfolg und besonders der Ansturm kreischender Fans ihm Angst gemacht hätten. Sein Geständnis: «Ich hatte einen Nervenzusammenbruch.»
Aber es gab noch einen viel größeren Krach: Zoff ums Geld, und das ausgerechnet bei ihrem größten Hit. Der absolute Hammer: Price sicherte sich einfach die alleinigen Urheberrechte für die Bearbeitung von «The House of the Rising Sun». So strich er als Einziger die gesamten Tantiemen ein. Eine Tatsache, die Burdon bis heute wurmt, da ihn dieser Song auf ewig begleitet. Im «Forbes»-Interview klagte er 2019: «Das ist der eine Song, den ich jedes Mal singen muss», und fügte hinzu, «sonst würde ich nicht lebend aus dem Konzertsaal rauskommen.»
Im Nachhinein schmerzt den Sänger nicht nur der Streit, sondern auch der Zeitpunkt des Aus. Seine Band löste sich auf, just als die Karrieren der Beatles und der Rolling Stones richtig durchstarteten. Im Dokumentarfilm «Eric Burdon: Rock'n'Roll Animal» von Regisseur Hannes Rossacher gestand er: «Ich bekomme ein komisches Gefühl, wenn ich die alten Animals sehe». Und weiter: «Ich kann nicht glauben, dass wir das komplett verbockt haben.»
Neustart in Kalifornien
Der Animals-Hit «We Gotta Get out of this Place» wurde für Burdon quasi zum persönlichen Motto. Er hatte genug vom grauen Industrie-Charme Newcastles. Sein klares Statement: «Ich musste raus.» Die Konsequenz: Er siedelte nach Kalifornien über und machte als Eric Burdon and the Animals mit neuen Musikern weiter, bis sich auch diese Formation 1968 auflöste.
Danach schloss er sich mit der US-Funk-Gruppe War zusammen. Ein energiegeladener Auftritt dieser Formation von 1970 in der deutschen TV-Kultshow «Beat Club» ist heute noch auf YouTube zu sehen. Eine historische Fußnote: Burdon und War waren die letzten, die mit seinem Freund Jimi Hendrix live spielten, kurz vor dem Tod des ikonischen Gitarristen in London.
Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu kurzen Wiedervereinigungen mit den ursprünglichen Animals-Mitgliedern. Doch diese Reunions hielten nie lange. Und wieder ein Tiefschlag für Burdon: Seit 2008 besitzt Schlagzeuger Steel die alleinigen Namensrechte. Aber der unerschütterliche Bluesrocker ließ sich auch davon nicht unterkriegen und behielt seine Passion für das Singen und die Musik.
«Ich bin immer noch hier»
Die Luft seiner Kindheit im kriegsgebeutelten Newcastle, voller Smog und Staub, hat Spuren hinterlassen: Der Musiker kämpft heute mit Lungenbeschwerden. Aber seine kratzige, unverkennbare Stimme ist ihm geblieben – das hörbare Vermächtnis einer langen Rock-Laufbahn, die von vielen Niederlagen geprägt war, aber nie vom Aufgeben. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
