Multitalent Elena Uhlig hat mittlerweile mehr Geld als Influencerin verdient als mit der Schauspielerei. Hier verrät sie, warum sie nach 17 Jahren wilder Ehe „Herrn Karl“ geheiratet hat und auf die Ess-Bremse tritt.
„Frau, sei dir was wert!“Elena Uhlig über wahre Größe(n) und Wechseljahre

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Worüber Elena Uhlig, hier als Testimonial ihrer Modekollektion „fra)uu(hlig“, sich die Haare rauft? Die Verrohung der Sprache gehört für die Schauspielerin auf jeden Fall dazu.

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In der Krimikomödie „Mama ist die Best(i)e“ ist Elena Uhlig, die Schauspielerin mit dem ansteckenden Lachen, endlich mal wieder im TV zu sehen (am 18. Mai im ZDF, 20.15 Uhr).
Doch es hat einen Grund, warum sie sich im Fernsehen so rar macht. Das Multitalent tanzt nämlich auf vielen Hochzeiten – im vergangenen Jahr nach 17 Jahren „wilder Ehe“ sogar auch noch auf der eigenen. Doch wo ist der Ring am Finger? Ihr peinliches Missgeschick beim Dreh verrät sie im großen Talk.
Elena Uhlig: Ewige Duzerei nervt die Schauspielerin
Sie spielen im Film „Mama ist die Best(i)e“ mit. Was würden Ihre vier Kinder sagen? Beste oder Bestie?
Elena Uhlig: Ich bin natürlich die Beste. Ich glaube, man wird von niemandem so geliebt – und auch mal gehasst – wie von den Kindern. Aber natürlich ist man als Mutter auch mal schrecklich. Vor allem dann, wenn man sagt, dass sie das Handy weglegen sollen. Ich habe immer wieder die Diskussion mit meinen Kindern, die mir vorwerfen, doch auch viel am Handy zu sein. Aber mit dem Unterschied, dass ich an dem Telefon arbeite und nicht wahllos durchs Internet scrolle. Schauen Sie sich mal eine Bushaltestelle an. Dazusitzen und möglicherweise mal mit jemandem ins Gespräch zu kommen, findet ja gar nicht mehr statt.
Im Film sind Sie die beste Freundin. Sind Sie auch im wahren Leben eine gute Freundin?
Elena Uhlig: Ich glaube, das bin ich tatsächlich. Ich bin jetzt nicht die erste Adresse, wenn sie nur weinen wollen. Sondern ich bin die, die man anruft und die dann auch einen Ratschlag gibt. Ich bin eher eine pragmatische Freundin.
Sie nennen Ihren Mann „Herr Karl“ und siezen Ihre beste Freundin. Geht Ihnen die grassierende Duzerei – wie so vielen – auf die Nerven?
Elena Uhlig: Wenn Freunde von meinen Kindern mich siezen, dann sage ich gern, dass sie mich duzen können, weil ich mir fürchterlich alt vorkomme. Wenn jemand jedoch im Geschäft auf mich zukommt und fragt ‚Was ist dein Problem?‘ habe ich Angst, dass wir unsere Sprache verlieren. Ich möchte nicht, dass jeder mit mir gleich per Du ist. Außerdem finde ich es schrecklich, dass unsere Sprache so verkommt. „Gib mal Wasser“. Was ist das denn? Deshalb habe ich mit meiner Freundin quasi eine Siez-Challenge, um die deutsche Sprache zu benutzen. Das hört sich dann schon mal so an: „Verehrteste, wäre es möglich, dass wir vielleicht einen Termin finden können, der uns beiden genehm wäre, um uns gemeinschaftlich wieder auszutauschen?“ Die Kinder kriegen das mit. Kürzlich hat meine Tochter einen Ausdruck benutzt, den würde eine Achtjährige normalerweise nicht sagen. Das hat mich so stolz gemacht. Wenn wir die Sprache verrohen lassen, geht ein Kulturgut verloren.
Sie sind auch Influencerin, Sie sind Autorin, Modedesignerin, Moderatorin, Entertainerin. Wie wichtig ist Ihnen die Schauspielerei noch?
Elena Uhlig: Die Schauspielerei ist mittlerweile eher zu meinem Hobby geworden (zwinkert) und steht nicht mehr an erster Stelle, weil sie mich auch einfach nicht ausgefüllt hat. Was ich überhaupt nicht leiden kann, ist, wenn Menschen über mein Leben entscheiden, ob ich Arbeit bekomme oder nicht. Es gab Jahre, da hab ich nur darauf gewartet, dass das Telefon klingelt und dass man mir eine Chance gibt. Corona hat mich frei gemacht.
Wie das?
Elena Uhlig: Vorher haben wir die Nase gerümpft. Wir sind Künstler, entschuldigen Sie bitte, wir machen doch kein Social Media. Und haben gar nicht erkannt, dass es vielleicht auch eine Chance sein könnte für jeden Einzelnen. Nicht jeder kann das und muss das können. Ich würde mich in erster Linie als Entertainerin bezeichnen, deshalb liegt mir das Thema. Meinem Mann, Herrn Karl, eher nicht. Der Herr Karl ist ein wirklich großer Künstler, aber er würde allein keine einzige Story machen. Doch zusammen auf Social Media geht das hervorragend.
Womit verdienen Sie denn mittlerweile am meisten?
Elena Uhlig: Mit Abstand als Influencerin und mit den Lesungen. Die sind damals dadurch entstanden, dass wir in dieser Form Social Media gemacht haben und man das Paar, das wir spielen, sehen wollte. Plötzlich waren die Hallen voll.
- Die gebürtige Düsseldorferin Elena Uhlig (31. Juli 1975) ist ein absolutes Multitalent. Sie stand bisher in fast 100 Fernsehproduktionen und – serien (u. a. „Mit Herz und Handschellen“) vor der Kamera, landet mit ihren Büchern, die mit viel Selbstironie und Humor ihr eigenes Leben beschreiben, in den Spiegel-Bestsellerlisten. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Fritz Karl, geht sie seit 2024 deutschlandweit auf Lesungen.
- In der Corona-Zeit begann Uhlig, sich Social Media zuzuwenden und hat allein auf Instagram (@elena_uhlig ) knapp eine halbe Million Follower, die an ihrem im wahrsten Sinne des Wortes „ungeschminktem“ Leben teilnehmen. Außerdem betreibt sie ihr eigenes Modelabel „fra)uu(hlig“ mit kunterbunten Woll-Kreationen. Elena Uhlig und Fritz Karl leben mit ihren vier Kindern mittlerweile in München.
Sie haben nach 17 Jahren „wilder Ehe“ geheiratet. Warum so spät?
Elena Uhlig: Altersabsicherung? Das müssen Sie meinem Mann fragen, weil er mir den Heiratsantrag gemacht hat. Da bin ich dann klassisch altmodisch. Ich finde, wenn man das Leben zusammen verbringen will, ist es gut, sich abzusichern. Es erleichtert doch vieles, zum Beispiel den Besuch im Krankenhaus. Dass ein paar Sachen von sich aus geregelt sind, das ist bei der Ehe sehr schön. Unsere Kinder waren beim Antrag dabei, das war meinem Mann wichtig – und dann haben wir richtig groß gefeiert.
Hat sich als Ehefrau etwas verändert – außer dass da jetzt ein Ring am Finger steckt?
Elena Uhlig: Gutes Stichwort. Ich hatte gerade einen Dreh und den Ring habe ich leider schlichtweg im Hotelsafe vergessen. Ich finde so einen Ring schön. Das ist ein Zeichen von Zugehörigkeit. Aber „mein Mann“, das kommt mir immer noch schwer über die Lippen. Früher habe ich gesagt, „mein Liebhaber“, „bester Freund“ und „Vater meiner Kinder“. Jetzt habe ich ein neues Wort dafür. Klingt aber auch schön.

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Extravagant: Elena Uhlig mit Ehemann Fritz Karl beim Deutschen Filmball.
Früher hat man gesagt, eine Frau in den 50ern sollte gedeckte Farben tragen. Ihre Modekollektion ist knallbunt. Ein Statement?
Elena Uhlig: Ja. Das Leben ist doch teilweise so grau. Und was in der Welt los ist, ist derzeit ja nicht gerade bunt und locker. Deshalb lasst uns Farbe tragen. Ja, wir haben Wechseljahre. Ja, das ist nicht einfach. Auch bei mir nicht. Ja, wir schwanken mit unserem Gewicht. Ja, da kommt hier das Wehwehchen, da das Wehwehchen. Dann muss man damit leben, dass plötzlich das erste Kind aus dem Haus geht, anfängt zu studieren. Das ist ja alles nicht lustig. Es ist ja auch nicht lustig, dass plötzlich die Einschläge näher kommen, Familienmitglieder sterben, solche Sachen passieren. Aber wenn wir dann auch noch in Schwarz rumlaufen, dann ist ja gar nichts mehr lustig. Deshalb ist die Mode von allem, was ich mache, momentan auch mein liebstes Kind. Ich entscheide, was ich kaufe. Ich muss niemanden Rechenschaft ablegen, nur mir selber und meinem Bankkonto.
Haben Sie Spaß daran, Geschäftsfrau zu sein?
Elena Uhlig: Ja. Ich bin und war schon immer eine Macherin. In einem anderen Beruf, in meinem Alter, würden mich Headhunter anrufen und anwerben, damit ich irgendwo in den Vorstand gehe. In meinem Beruf, in der Schauspielerei, muss ich warten und bangen, dass man mir noch einen Drehtag gibt. Auch deshalb bin ich froh, dass ich zusätzlich noch einen anderen Weg gewählt habe.

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Elena Uhlig, Annette Frier und Madita van Hülsen (v.l.) auf der Premiere von „Frier und Fünfzig – Am Ende meiner Tage“.
Haben Sie Stutenbissigkeit erlebt?
Elena Uhlig: Natürlich. Wenn vom großen Female Empowerment die Rede ist, sage ich gern: „Dann fang doch mit der Nebenfrau mal an“. Bei mir im Unternehmen arbeiten nur Frauen. Die kriegen auch alle Weihnachtsgeld. Manche meinen, das hätte ich doch nicht machen müssen. Auf so einen Satz kämen Männer nie. Bitte, Frau, sei dir was wert!
Sie haben immer zu Ihrem Gewicht gestanden. Sind Waage, BMI, Konfektionsgröße für Sie überhaupt nochThemen?
Elena Uhlig: (lacht) Ich hab in meiner Kollektion die Größen verändert. Ich bin eine M bei mir, entspricht Konfektionsgröße 44, 46. Ich stehe also nach wie vor drüber. Trotzdem muss ich mich jetzt ein bisschen an die Kandare nehmen, weil ich in den Wechseljahren ein paar Probleme bekommen habe, die mit dem Gewicht zu tun haben. Bei mir sammelt sich gerade so wahnsinnig viel in meinem Bauch, das böse Bauchfett. Da krieg ich manchmal etwas schwer Luft.
Sie machen sich sehr für die Darmkrebsvorsorge stark. Warum?
Elena Uhlig: Darm- und Gebärmutterhalskrebs sind die einzigen zwei Krebsarten, die du wirklich mit Früherkennung ausmerzen kannst. Bei mir wurden mit 46 Jahren Polypen festgestellt. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich nicht zur Untersuchung gegangen wäre. Wir haben das Glück, dass wir ein Krankenkassensystem haben, das Vorsorge und Check-ups bezahlt. Und wenn ich sie öfter haben will, dann zahl ich es selber. Ich gönne mir z. B. jährlich mein großes Blutbild. Dann kaufe ich mir halt eine Hose weniger. Lieber einmal zu viel geschaut als einmal zu wenig.
