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Die Zocker-FalleExperte warnt: So machen Trading-Apps süchtig wie Glücksspiel

Mann schaut sich Trading-App eines Neobrokers mit Aktienkursen an

Copyright: Lilli Förter/dpa/dpa-tmn

Trading-Apps liegen im Trend: Wer dabei vor allem den Nervenkitzel durch schnelle Gewinne oder Spekulationen sucht, kann aber suchtähnliches Verhalten entwickeln.

Gefahr Trading-App: So schnell wird die Zockerei zur Sucht.

Börsengeschäfte per Smartphone, rund um die Uhr: Mit Trading-Anwendungen ist der Erwerb und die Veräußerung von Aktien, Kryptogeld oder Derivaten jederzeit machbar. Diese Einfachheit verführt aber viele zu riskanten Spekulationen. Doch diese Zockerei birgt immense Gefahren.

„Die hinter Trading-Apps steckenden Neobroker tun alles, um das Trading für Nutzer einfach und unterhaltsam zu machen“, gibt Prof. Falk Kiefer zu bedenken. Er ist Ärztlicher Direktor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und zugleich Vorstand der Deutschen Suchtstiftung.

Dopamin-Kick wie im Casino: Die miese Masche mit dem Konfetti-Regen

Komplizierte Finanzinstrumente werden in den Anwendungen häufig wie ein Spiel dargestellt. Durch Herausforderungen, digitale Abzeichen (Badges) und Stufenaufstiege sollt ihr motiviert werden, die Anwendung ständig zu nutzen und Geschäfte zu tätigen. Nach einem Kauf rieseln dann digitale Konfetti oder es erscheinen virtuelle Rubbelkarten.

„Das kann bei App-Nutzenden dazu führen, dass bei ihnen ähnlich wie bei Glücksspielen verstärkt das Glückshormon Dopamin freigesetzt wird“, erläutert Kiefer. Die Konsequenz daraus: Ihr agiert spontan statt mit Bedacht und neigt zu einem übermäßigen Risiko. Hinzu kommt die permanente Verfügbarkeit via Smartphone sowie Push-Benachrichtigungen, die euch Kurs-Updates in Echtzeit senden. „Die Angst, etwas Wesentliches zu verpassen, kann dazu führen, dass man permanent über die App die Kurse checkt und handelt“, führt Kiefer aus.

„Bestenfalls Spiel, schlimmstenfalls Sucht“

Damit ihr möglichst viele Transaktionen durchführt, ködern die Plattformen euch mit spottbilligen oder gar gebührenfreien Deals. Das ist aber kein Akt der Nächstenliebe. „Die Broker bekommen statt der klassischen Ordergebühren vom Kunden Rückvergütungen von den Handelsplätzen, und damit verdienen die Broker Geld“, erklärt Marc Oliver Rieger, Professor für Bank- und Finanzwirtschaft an der Universität Trier. Ein User, der die App nur selten öffnet, bedeutet für den Broker ein Minusgeschäft.

Häufige Transaktionen bringen meistens keinen Profit, sondern führen im Gegenteil oft zu empfindlichen Einbußen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen laut Rieger, dass private Investoren den größten Erfolg mit einer passiven Investition in einen breit gestreuten Aktienindex erzielen – also ein Finanzprodukt erwerben und es ruhen lassen. Sein unmissverständliches Urteil: „Alles andere ist bestenfalls Spiel, schlimmstenfalls Sucht.“

Wer ist besonders anfällig für die Trading-Sucht?

Aber welche Personengruppen sind besonders betroffen? „Es trifft eher Männer“, stellt Rieger fest. Laut Kiefer sind außerdem Personen mit einer grundsätzlichen Neigung zu hohem Risiko und impulsivem Handeln stark gefährdet.

„Anfällig für ein Suchtverhalten sind außerdem Menschen, die mithilfe von Trading etwas gegen Einsamkeit, Depressionen oder Langeweile tun möchten“, ergänzt Kiefer. Ebenso können Leute, die einfach den „Nervenkitzel“ durch rasche Profite oder riskante Wetten begehren, eine Abhängigkeit von den Trading-Anwendungen ausbilden.

Alarmsignale: Woran ihr erkennt, dass es problematisch wird

Es existieren deutliche Anzeichen, die signalisieren, dass euer Umgang mit dem Trading kritisch wird. Kiefer empfiehlt eine genaue Selbstreflexion. Wenn die Börsengeschäfte überhandnehmen und deswegen Freundschaften, Freizeitaktivitäten oder die Arbeit zu kurz kommen, ist das ein erstes Warnzeichen. Zusätzliche Indizien sind, wenn ihr:

So kommt ihr aus der Zocker-Falle wieder raus

Es existieren aber Auswege aus dieser Negativspirale. „Wichtig ist die Selbsterkenntnis, dass man in Sachen Trading ein Suchtverhalten entwickelt hat“, betont Kiefer. Um das für euch selbst zu belegen, kann das Führen eines Journals nützlich sein. „Darin schreibt man wahrheitsgemäß auf, wie oft man täglich handelt, welche Gewinne und Verluste man dabei macht und welche Folgen die Verluste für einen haben“, rät der Fachmann.

Anschließend könnt ihr versuchen, durch feste Limits für den Zeit- und Geldeinsatz die App-Nutzung wieder in normale Bahnen zu lenken. Ergründet die Ursachen für euer ständiges Handeln: Ist es Langeweile? Fühlt ihr euch einsam? Richtet euren Fokus dann bewusst auf andere Dinge im Leben, weg von den Börsengeschäften. „Etwa auf soziale Kontakte oder Hobbys wie Sporttreiben“, sagt Kiefer.

Wenn die eigenen Bemühungen scheitern, solltet ihr euch an professionelle Stellen wenden, zum Beispiel an Suchtberatungen der Caritas, psychosoziale Dienste oder Suchtambulanzen von Universitäten. „Wenn Betroffene das Handeln über die Trading-App trotz schwerwiegender negativer Konsequenzen wie etwa hohen Schulden fortsetzen, ist oftmals eine Therapie angezeigt“, so Kiefer. Hier kann eine kognitive Verhaltenstherapie eine Möglichkeit sein, um Trigger wie Gier oder mangelndes Selbstwertgefühl aufzudecken und den Umgang mit der App zu korrigieren. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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