Abo

„Es darf gelacht werden“Expertin erklärt, wie Familien Krisen besser überstehen

Mutter spricht mit ihrem Sohn auf einer Gartenbank

Copyright: Christin Klose/dpa-tmn

Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen.

Eltern unter Dauer-Stress: Wie Sie Ihre Kinder jetzt vor den Sorgen der Erwachsenenwelt abschirmen.

Konflikte und Notlagen auf der Welt, explodierende Kosten und eine diffuse Angst im Alltag: Viele Eltern sind derzeit am Limit, stellt die Erziehungs- und Familienberaterin Kira Liebmann fest. Das hat auch Auswirkungen auf die komplette Familie. Anspannung mindert das Mitgefühl, Zoff ist die logische Folge. «Und damit holen wir die Krise auch in die Familien», so Liebmann.

Für Kinder ist laut dpa aber weniger die Nachrichtenflut an sich eine Bürde, sondern vielmehr die Anspannung, welche die Erwachsenen mit ins Haus bringen. «Für Kinder ist der Tankstellenpreis egal. Für Kinder zählt, was dieser Tankstellenpreis mit den Eltern macht», so Liebmann.

Sie legt Eltern ans Herz, die persönlichen Befürchtungen und Nöte nicht bei den Kindern abzuladen, sondern diese im Austausch mit dem Partner, mit Freunden oder anderen Erwachsenen zu besprechen. Kinder können die Sachverhalte oft noch nicht begreifen und fühlen sich schnell übermannt, weil sie vor allem merken, dass es den Eltern schlecht geht.

Im täglichen Leben kann ein kleines Puffer-Ritual helfen, bevor man als Elternteil wieder zur Familie stößt: bewusst gute Musik anmachen, die Geräusche der Natur aufsaugen und so das eigene Anspannungslevel wieder senken.

Kinder abschirmen: Altersgerecht und auf dem Boden bleiben

Wie viel der Nachwuchs über Notlagen und eventuelle Geldsorgen der Eltern erfahren sollte, ist ohnehin stark vom Alter abhängig. Bei den Jüngsten ist weniger Aufklärung häufig besser: Bis zum Grundschulalter muss man finanzielle Hintergründe nicht bis ins Kleinste darlegen.

Liebmann empfiehlt stattdessen, die eigene Gefühlslage für die Kinder einzuordnen: «Ich bin gerade leichter gestresst. Das hat aber mit dir nichts zu tun.»

Mit steigendem Alter dürfen die Auskünfte dann spezifischer sein: In der Grundschule lässt sich nüchtern aufzeigen, dass Dinge kostspieliger werden. Ab der Pubertät durchschauen Jugendliche die größeren Zusammenhänge besser. Essenziell ist, nicht in eine dramatische Sprache zu verfallen: «Bitte nicht ins Drama fallen, sondern eher sachlich erklären», so die Gründerin der Akademie für Familiencoaching in Maisach (Bayern).

Wenn die Ferienpläne platzen: Ehrlich sein – und umdenken

Zahlreiche Kinder spüren finanzielle Engpässe oder die Folgen der Weltlage zum Beispiel beim Thema Urlaub. Sind Reisen oder Ausflüge angesichts der erhöhten Preise überhaupt noch machbar? Liebmann plädiert für Ehrlichkeit: Eltern können ihr zufolge die Lage klar benennen und beispielsweise sagen: «Wir wissen nicht, ob im Sommer noch Flüge gehen» oder: «Wir wissen nicht, ob wir das Geld haben werden.»

Danach sollte man aber den Blickwinkel verändern, nach der Devise: «Das ist die Ausgangslage. Und wie machen wir daraus etwas Schönes?» Statt langer Grübelschleifen ist es förderlich, andere Optionen zu entwickeln und Kinder miteinzubeziehen: Touren an den See, Tagestrips, kleine Highlights – und die Frage: «Was würdet ihr euch denn wünschen?».

Auch Vergleiche mit anderen («Die fliegen aber noch … ») kann man abfedern: Wichtig ist, die Scham zu nehmen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Botschaften wie «Wir können das nicht beeinflussen» und «trotzdem geht es uns gut, weil wir uns lieb haben» machen Kinder stark, ohne die Realität zu verharmlosen.

Unbeschwertheit ist ein Teil der Strategie

Nicht zuletzt sollten Eltern auch auf ihre eigene seelische Verfassung achten. Liebmann rät zur «Informationshygiene», also den eigenen Medienkonsum gezielt zu drosseln: «Abends das Handy weglegen und nicht die schlechten Nachrichten mit ins Bett nehmen», sagt die Beraterin.

Hilfreich sei es zudem, sich bewusst darauf zu besinnen, was einem guttut. «Wichtig ist, sich jetzt aktiv Lebensfreude einzuladen», sagt Liebmann. Die entscheidende Frage: Welche Personen und Unternehmungen geben mir Kraft, wer oder was zehrt an meiner Energie?

Denn bei all der Last geht im Familienleben oft etwas Fundamentales flöten: die Freude. Sie ist kein Luxus, sondern wirkt stabilisierend. «Es darf gelacht werden, auch wenn wir Krisen haben», hebt Liebmann hervor. Eltern müssen sich in angespannten Zeiten bewusst für unbeschwerte Augenblicke entscheiden – um die Waage zwischen Last und Leichtigkeit zu halten. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Gäste stehen mit Koffern und Taschen vor einer Jugendherberge

Klare Ansage an Eltern

Lehrerin verrät Tipp, damit die Klassenfahrt nicht eskaliert