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Nach Aufstand gegen neue Heidi-Show Travestie-Star: Kritik ist „totaler Schwachsinn”

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Olivia Ohara ist in der Kölner Drag-Szene bekannt, sie betreibt das Travestie-Theater „Startreff-Follies” auf der Turiner Straße.

Köln – Heute Abend (20.15 Uhr, ProSieben) läuft die zweite Folge „Queen of Drags”, die neue TV-Show von Heidi Klum (46). Zusammen mit Schwager Bill Kaulitz (30) und Conchita Wurst (29) will die gebürtige Bergisch Gladbacherin die beste Drag-Queen Deutschlands küren.

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Im Vorfeld der Show gab es viel Kritik für die Wahl von Heidi Klum als Kopf der Drag-Show. Die beiden bekannten deutschen Drag-Queens Ryan Stecken und Margot Schlönzke starteten sogar eine Online-Petition gegen Heidi Klum, um die Show zu stoppen. Ohne Erfolg, wie man sieht. Deren Kritik: Heidi verkörpere nur „Keifen“, „Voyeurismus“ und sogar „kulturellen Missbrauch“. 

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Die neue ProSieben-Show „Queen of Drags” startete am 14. November 2019. Die Jury aus Heidi Klum, ihrem Schwager Bill Kaulitz und ESC-Siegerin Conchita Wurst wird am Ende die beste Drag-Queen Deutschlands küren. 

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Wir haben mit der Kölner Drag-Künstlerin Olivia Ohara (48, bürgerlich: Oliver Gerhardt) gesprochen, Betreiberin des Kölner Travestie-Theaters „Startreff-Follies”. Sie ist in Köln Anlaufstätte Nummer eins, wenn es um Drag-Kunst geht – und hat eine klare Meinung zur Kritik an Heidi Klum.

Kritik an Heidi Klum für Olivia Ohara ungerechtfertigt

Außerdem spricht Olivia mit uns offen über die Leistung der Drag-Queens in Heidis Show, schätzt die Chancen der Kölner Kandidatin Catherrine Leclery ein – sie hat lange in Olivias Haus gearbeitet – und verrät, was sie an „Queen of Drags” stört. 

Hier lesen: Heidi Klums Kölner Travestie-Star Catherrine Leclery ist auch als Mann ein Hingucker

Dass Heidi Klum der Kopf von „Queen of Drags“ ist, hält Olivia Ohara für „absolut perfekt“. „Ohne Heidi würde es die Show gar nicht geben. Sie hat die Drag-Queens all die Jahre immer gefördert und unterstützt. Egal, ob es bei Topmodel beim Fotoshooting war oder im Finale, sie hat immer dafür gekämpft, dass die Drags in der Sendung bleiben. Von daher hat sie für mich eine absolute Berechtigung, da zu sitzen.“

Im Finale von „Germany's next Topmodel” 2010 mit der Band Monrose sei erst mal zwei Stunden diskutiert worden, ob die Drags überhaupt auftreten dürfen. Klum, genauso wie die Band Monrose, hätten sich trotz der Kritik stets dafür eingesetzt, sagt Ohara. Die Kritik an der Model-Mama hält Ohara daher für „bescheuert“ und die Behauptung, sie hätte keine Ahnung von Drag-Kunst sei ungerechtfertigt.

Man könne auch die Frage stellen, mit welchem Recht etwa Michelle Visage in der Jury von „RuPauls Drag Race” sitze und über Drags rede. Olivia findet: „Beide, Visage und Klum, sind aus dem Show-Business, natürlich können sie sich ein Urteil erlauben. Warum nicht? Es kann sich jeder ein Urteil erlauben. Die Kritik an Heidi ist meiner Meinung nach totaler Schwachsinn.“

Zudem hätte eine Conchita Wurst vielleicht gar nicht die „Hand dazu gehabt“, die Show bei ProSieben zu verkaufen, so Olivia. Damit könnte sie durchaus Recht haben.

Oliver Gerhardt alias Olivia Ohara: Heidi Klum hat Drag-Queens immer unterstützt

Aus Olivias Sicht machen gerade junge Drag-Queens einen Fehler: „Die gucken nicht nach hinten, was schon Jahre vor denen passiert ist. Damit beschäftigen die sich nicht.” Wenn sich jene Drag-Queens, die Klum als Gesicht der Show ablehnen, besser über Heidis Umgang mit der Drag-Kultur informiert hätten, würde ihre Meinung anders ausfallen, vermutet Ohara.

Heidi Klum sei eine der wenigen, die Drag-Queens, darunter auch Olivia Ohara und ihre Queens, schon vor über 10 Jahren ins Fernsehen geholt habe. „Das darf man einfach nicht vergessen. Sie war immer jemand, der an uns geglaubt hat und der unsere Kunst gezeigt hat.“ 

Außerdem betont Ohara: „Wir sind die Generation an Queens, die den Weg für die heutige Generation geebnet hat. Die ruhen sich heute auf dem aus, was wir in Bewegung gebracht und wofür wir gekämpft haben. Ich hab schon in den 90ern eine Travestie-Show bei RTL („Die Travestie-Show”) gemacht. Damals war das noch ein Skandal, ein Aufreger. Geschminkte Männer im Fernsehen.“ 

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Eine Person, zwei Gesichter. Oliver Gerhardt (rechts) verwandelt sich in Drag-Queen Olivia Ohara.

Oliver Gerhardt alias Olivia Ohara wirft vielen jungen Queens vor, „RuPauls Drag Race“ als „Anfang der ganzen Geschichte” zu betrachten. Sie würden versuchen, die Sendung aus den USA mit „Queen of Drags” zu vergleichen, wo es nach Auffassung der Kölner Drag-Queen überhaupt keinen Vergleich geben sollte – stattdessen sollte „Queen of Drags” als eigenständiges Format betrachtet werden, das deutschen Drags eine tolle Chance bietet. 

„Die Queens von „RuPauls Drag Race” sind mittlerweile Superstars und müssen wesentlich mehr leisten als die von Heidi.” Ob der Erfolg in den USA so auch hierzulande möglich wäre, bezweifelt Olivia. „Deutschland ist leider noch nicht so weit.”

Oliver Gerhardt: Die Leistung der Queens ist „unterirdisch”

Von den Leistungen der Drags, die man in der ersten Folge „Queen of Drags” gesehen hat, ist die Kölner Travestie-Größe enttäuscht. „Dafür, dass das nur 1:15 Minute Playback war, fand ich es sehr unterirdisch.” Damit schließt sich Ohara Olivia Jones' Meinung an, die schon während der Show am 14. November sagte: „Das ist ein absolutes No-Go!” Seinen Playback-Text perfekt zu beherrschen, sei Grundvoraussetzung für eine Drag-Queen.

Für Drag-Queens, die mit ihrer Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen, sei das ganz schlechte Werbung, meint Olivia Ohara. „Ich glaube, dass Leute, die Interesse daran haben und das jetzt gesehen haben, sagen 'och ja, das sind die Besten? Haben wir einmal gesehen, muss man aber nicht nochmal sehen'.”

„Queen of Drags”: Gab es ein offizielles Casting?

Und: Olivia bezweifelt, dass es wirklich ein offenes Casting gegeben hat. „Ich habe davon überhaupt nichts mitgekriegt. Ich habe erst davon gehört, als die Sendung fertig war. Ich habe gehört, dass das Baby auf der Topmodel-Aftershowparty geboren wurde. Da waren 20 Queens, davon sind 10 genommen worden.”

Deswegen habe die Kölner Travestiekünstlerin ein Problem mit dem Satz „Die 10 besten Drag-Queens aus Deutschland, Österreich und der Schweiz”, wie ProSieben die Kandidaten angepriesen hatte.

„Es entspricht einfach nicht der Wahrheit”, so Olivia. Sie vermutet außerdem, dass dieser Punkt einen Teil der Kritik aus der Szene gegenüber Heidi ausmacht. 

Unsere Redaktion hat am Donnerstagmorgen bei ProSieben um ein Statement gebeten. Eine Sprecherin zur Frage, wie die Drags für Klums Show ausgewählt wurden: „Es gab kein offenes, öffentliches Casting wie etwa bei „Germany's next Topmodel”. Es gab eine gezielte Recherche und die Drag-Queens wurden dann von Scouts zu einem Casting eingeladen.” Aus dieser Auswahl hätte man dann 10 Drag-Queens für die Show ausgewählt. 

Olivia Ohara verrät ihre Favoriten bei „Queen of Drags” 

Und was sagt der Travestie-Star zur Kölner Kandidatin Catherrine? Immerhin hat Leclery lange in Oliver Gerhardts Haus gearbeitet.

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Catherrine Leclery (48) aus Köln

„Sie kommt raus und ihr gehört die Bühne einfach. Sie kann ihr Playback, sie weiß sich zu verkaufen, das ist natürlich hochprofessionell.” Davon könnten sich die anderen Queens von Heidi eine Scheibe abschneiden, findet Olivia Ohara. 

Sie sieht Catherrine jedoch nicht als Gewinnerin der Show, ihr Stil sei nun mal eher „Oldschool”, im Übrigen auch Heidi Klums Worte, damit sei sie auf Nummer sicher gegangen. „Sie hat ein Lied ausgesucht, das Jung und Alt definitiv kennt und ihre Dance-Moves haben wir schon bei uns im Theater vor 15 Jahren getanzt. Die kennt sie in und auswendig.”

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Yoncé Banks (26) aus Paderborn

Yoncé Banks passe laut Olivia besser zum jungen Zielpublikum von ProSieben: „Sie war für mich auch mit Abstand die Beste an dem Abend, sie hätte besser klemmen können, aber die Platzierung war gerecht.”

Wenn sie sich „richtig ins Zeug” lege, hätte für Olivia auch Vava Vilde eine gute Chance, die Show zu gewinnen. „Weil die einfach jung, modern und ein bisschen extravagant ist”, so Olivia.

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Vava Vilde (30) aus Stuttgart

Olivia Ohara und Catherrine Leclery haben keinen Kontakt mehr

Das Kölner Eigengewächs Catherrine Leclery sieht Gerhardt eher im Mittelfeld, auf dem 5. bis 6. Platz. „Höchstens sie steigert sich jetzt noch. Ich denke, dass sie in der nächsten Sendung (19.11.) etwas riskieren, etwas neues Frisches zeigen sollte. Also ich würde es ihr wünschen, weil sie kann es definitiv umsetzen.”

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Oliver Gerhardt ist Chef des Travestie-Theaters „Startreff-Follies”, das im Jahr 1985 gegründet wurde.

Persönlichen Kontakt haben die beiden Kölner nicht mehr. Seit etwa sechs Jahren arbeite Catherrine nicht mehr bei Gerhardt im Theater.

Olivia Ohara sagt: „Unsere Interessen sind in verschiedene Richtungen gelaufen. Wir haben fast 20 Jahre zusammengearbeitet, da kommt es schon mal vor, dass Dinge sich ändern. Man muss loslassen können und nach vorne schauen, nicht zurück.”

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